Verein rüstet Strecke auf Pulkautalbahn für Züge. Schon bald könnten Draisinen entlang der Strecke fahren. Freiwillige werden zum Entfernen der Sträucher um Hilfe ersucht.

Von Karin Widhalm, Christoph Reiterer und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:08)
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Die Eisenbahnkreuzung auf der B 35 beim Bahnhof Pulkau ist erneuert (v.l.): Gerhard Zauner und Anton Wicha vom Eisenbahnmuseum mit Mitarbeitern derFirma Hengl.

Still steht seit 25. Mai 1998 der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Zellerndorf und Sigmundsherberg. Das Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg hat durchaus Hoffnung auf Reaktivierung – wie, ist allerdings noch zu klären.

Obmann-Stellvertreter Gerhard Zauner erzählt, dass im ersten Schritt schon bald Draisinen verkehren könnten. Das sei leicht umzusetzen, weil nur wenig auf der Strecke freigeschnitten werden müsste. Bäume wachsen zum Teil zwischen den Gleisen heraus und Sträucher sind sehr nahe gerückt. Der Rückschnitt soll bereits ab November passieren.

Er trägt aber auch die große Vision in sich, Züge auf den Gleisen zu etablieren. Möglich ist das theoretisch.

Klimawandel-Debatte beflügelt Zauners Vision

Das Eisenbahnmuseum erhielt 2018 die Bewilligung, die frühere ÖBB-Strecke als „Anschlussbahn“ zu führen, und ist seitdem ein „Eisenbahninfrastrukturunternehmen“. Und dieses schloss zuletzt mit den ÖBB einen Vertrag ab, damit eine mögliche Durchfahrt des ÖBB-Bahnhofs in Sigmundsherberg rechtens ist.

Ein ähnliches Konzept wie den „Reblaus Express“ könnte sich Zauner vorstellen. Die Klimawandel-Debatte, die Nebenbahnen in den Fokus rückt, beflügelt seine Vision. „Besprechen kann man alles“, sagt Pulkaus Bürgermeister Leo Ramharter, der jedoch aus mehreren Gründen skeptisch ist.

So sei das Pulkauer Bahnhofsgebäude zum einen „schwerst verfallen“, zum anderen „weit weg vom Schuss“. Auch in Großreipersdorf gebe es keinen Betrieb, der von einem Wiederaufleben der Bahn unmittelbar profitieren könnte. Der Gleiskörper sei teils sehr desolat. Und die Gemeinde habe in den nächsten Jahren ohnehin schwere Brocken zu stemmen. Verschließen will sich Ramharter nicht, aber: „Ein Nutzen muss da sein.“

Bezirksgrenzen erschweren Vorhaben

Ähnlich sieht das Zellerndorfs Bürgermeister Markus Baier. Es sei zwar grundsätzlich eine interessante Idee, doch „wir kennen unsere Bahnlinie und ich stelle es mir sehr schwierig vor, das zu finanzieren“. Wenn die Idee schlagend wird und das Eisenbahnmuseum sie finanzieren kann, werde man sich jedoch sicher nicht verschließen und das Vorhaben so weit wie möglich unterstützen. Die Idee eines Radweges entlang der alten Strecke, wie es sie in der Vergangenheit bereits gab, fände Baier allerdings ebenfalls ein „spannendes Konzept und sicherlich interessant“.

Sigmundsherbergs Bürgermeister Franz Göd sieht ebenso keine breite Zustimmung unter den Gemeindechefs. „Die Freude ist enden wollend, weil ein sehr großer Investitionsbrocken auf sie zukommt.“ Erschwerend sei, dass es sich um zwei verschiedene Bezirke in zwei Leader-Regionen handelt.

Bei einem solchen Projekt müssten alle an einem Strang ziehen, nur so könne ein gesicherter Betrieb geschaffen werden. „Ich denke nicht, dass das das Museum in Eigenregie stemmen kann.“ Grundsätzlich gelte aber: „Alles ist gut, was die Attraktivität der Region steigert.“

Erste Kreuzungen sind bereits erneuert

Zauner sieht der Zukunft pragmatisch entgegen: „Wenn sich niemand beteiligt, machen wir’s mit den Mitteln, die wir als Verein aufbringen können.“ Erste Maßnahmen wurden bereits gesetzt: die Erneuerung von Eisenbahnkreuzungen auf stärker frequentierten Straßen.

„Wir verstehen etwas von der Eisenbahn, beim Straßenbau sind wir nicht so versiert“, hat man sich Rat von der Straßenbauabteilung Hollabrunn geholt. Nach dem Entfernen von Bäumen und Sträuchern wird das Gleis auf Schadstellen untersucht. Dafür benötigt der Verein Hilfe. „Wir suchen jede Menge an Freiwilligen“, bittet Zauner Interessierte, sich bei Obmann Rupert Öhlknecht zu melden: 0676-3632858.