20 Jahre Waldviertel Tourismus gefeiert. Destination blickte auf erfolgreiche Geschichte zurück – und fasste Zukunftsziele.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 03. Juli 2019 (04:55)
Thomas Weikertschläger
Beim Festakt „20 Jahre Waldviertel Tourismus: Karl Schwarz von der Privatbrauerei Zwettl, Zeno Stanek, Initiator Schrammel.Klang.Festival Litschau und Theaterfestival Hin&Weg, Veronika Schroll, Bürgermeisterin der Marktgemeinde Yspertal, Stefan Bauer, Prokurist Niederösterreich Werbung, Mundartdichterin und Autorin Isolde Kerndl, Mohnwirtin Rosemarie Neuwiesinger, Tourismuslandesrätin Petra Bohuslav, Waldviertel-Tourismus-Geschäftsführer Andreas Schwarzinger, Prior Michael Hüttl vom Stift Altenburg, Moorheilbad Harbach- und Lebens.Resort Ottenschlag-Direktorin Karin Weißenböck, Ursin Haus Langenlois-Geschäftsführer Wolfgang Schwarz, Moderatorin Christa Kummer-Hofbauer und Markus Hann, Regionaldirektor IPP Hotels.

Nebel, Kälte, Abwanderung – mit diesen Begriffen habe man früher das Waldviertel verbunden. In den vergangenen 20 Jahren aber habe es das Waldviertel geschafft, mit positiv besetzten Schlagworten wie Echtheit, Ursprünglichkeit, Gesundheit, Top-Wirten, Natur, Kultur, Festivals, Kulinarik und Handwerk in Verbindung gebracht zu werden.

Und maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung habe die 1999 gegründete Institution „Waldviertel Tourismus“ gehabt. Das war der allgemeine Tenor der Gäste und Gratulanten, die sich am 27. Juni zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Waldviertel Tourismus in der Bibliothek des Stiftes Altenburg eingefunden hatten.

„Viele Regionen beneiden uns um unseren Zusammenhalt und das starke Netzwerk, das es im Waldviertel Tourismus gibt.“Andreas Schwarzinger

Gemeinsam mit Vertretern aus der Waldviertler Politik, touristischen Partnern, Tourismusverbandsgemeinden und Wegbegleitern feierte das Team des Waldviertel Tourismus rund um Geschäftsführer Andreas Schwarzinger das große Jubiläum und ließ dabei die Geschichte der Destination Waldviertel Revue passieren. Besonders stolz zeigte sich Schwarzinger darauf, dass der Marken-Claim „Wo wir sind, ist oben“ nach der 20-jährigen intensiven Arbeit mittlerweile nicht nur geografische Richtigkeit besitze.

Denn das Waldviertel konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Nächtigungszahlen um satte 35 Prozent von 945.000 (1999) auf knapp 1,28 Millionen im Vorjahr steigern – und damit auch einen Nächtigungsrekord im Waldviertel erzielen. Insgesamt wurden damit schon 21,8 Millionen Gäste im Waldviertel gezählt. Auch bei den Gästeankünften wurde 2018 mit 356.649 Ankünften ein neuer Rekordwert erzielt, im Vergleich zu den Anfängen des Waldviertel Tourismus Ende der 1990er-Jahre ist das eine Steigerung um knapp 70 Prozent.

Von Einzelkämpfern zu geballter Kraft

In diesen 20 Jahren sei es aber nicht nur gelungen, die Tourismus-Zahlen zu steigern, es seien auch wesentliche Jahrzehnte für die Regionalentwicklung im Waldviertel gewesen, meinte Schwarzinger im Rahmen einer kleinen Diskussionsrunde unter Leitung von Moderatorin Christa Kummer. Sei das Waldviertel früher noch „schüchtern und zurückhaltend“ vorgegangen, habe man jetzt ein ganz anderes Auftreten, die Region sei stolz auf ihre Produkte. Stefan Bauer von der Niederösterreich Werbung meinte, dass auch vor 20

Jahren schon viel Energie im Waldviertel vorhanden gewesen sei. Aber es habe lauter kleine Verbände gegeben, alles sei segmentiert gewesen. Dann hat man aber mit dem Waldviertel Tourismus eine professionelle Organisation geschaffen, die vorbildlich auch für andere Regionen gewesen sei. Karin Weißenböck, Geschäftsführerin des Moorheilbad Harbach, hält rückblickend die Einbindung der Wirtschaft in den Tourismus im Waldviertel für entscheidend. Auch wenn anfangs viel Überzeugungsarbeit notwendig gewesen sei, sei es so gelungen, ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen.

Dass sich die Verantwortlichen hinter dem Waldviertel Tourismus aber nicht auf den Erfolgen der vergangenen 20 Jahre ausruhen wollen, zeigte ein weiterer Aspekt der Diskussion. Nachdem in den vergangenen Jahren die Professionalität im Tourismus der Region gestiegen sei, müsse man sich nun die Frage stellen, wie der Aufwärtstrend fortgesetzt werden könne. Dabei gelte es auch, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, wie Bauer festhielt: „Wir müssen jetzt herausfinden, was wirklich etwas bringt, und wovon wir uns vielleicht verabschieden müssen.“

W4 soll „Ganzjahres-Destination“ werden

Erklärtes Ziel dabei sei es, das Waldviertel zu einer „Ganzjahres-Destination“ zu machen, wie Veronika Schroll, Bürgermeisterin der Gemeinde Yspertal forderte. Dahingehend merkte Weißenböck an, dass es im Bereich des Gesundheitstourismus im Waldviertel noch viele Möglichkeiten gebe. Wichtig sei aber auch, die Balance zwischen Natur und Infrastruktur herzustellen. Ein Punkt, den auch Mundartdichterin Isolde Kerndl im zweiten Teil der Diskussion aufgriff. Sie forderte den Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Waldviertel, um auch „für Wiener, die kein Auto haben, besser erreichbar zu sein“.

Den Abschluss des Festaktes bildete dann die Ansprache von Tourismus-Landesrätin Petra Bohuslav. Sie griff Kerndls Forderung auf und meinte, dass die Möglichkeit, überall rasch hinzukommen, entscheidend für den Erfolg einer Region sei. Sie anerkannte den Beitrag, den das Waldviertel zur Niederösterreichischen Tourismusstraegie beitrage und lobte Initiativen wie „Handwerk & Manufaktur im Waldviertel“ oder „Waldviertel, ganz mein Geschmack“, die wahre Besuchermagneten seien. „Die tragen dazu bei, dass wir unser selbstgestecktes Ziel von 7,2 Mio. Nächtigungen für das Jahr 2020 schon längst erreicht haben“, sagte Bohuslav.

Als weiteren Mitgrund für den Erfolg des Waldviertel Tourismus nannte Schwarzinger abschließend das starke Tourismus-Netzwerk, das es im Waldviertel gebe: „Um diesen Zusammenhalt beneiden uns viele andere Regionen.“

NÖN