130 Jahre: SPÖ will ihre alte Stärke zurück. Kürzlich feierte die Sozialdemokratie ihr Jubiläum. Die Partei hat schon bessere Zeiten erlebt. Wie sieht die Basis die Zukunft?

Von Karin Widhalm. Erstellt am 16. Januar 2019 (03:35)
W. Jäger (Wiesinger)/Kalchhauser (Hofbauer)
Josef Wiesinger (li.): „Die Menschen brauchen die SPÖ, damit sie nicht auf der Strecke bleiben.“ Johann Hofbauer (re.): „Die europäische Sozialdemokratie befindet sich in einem Findungsprozess.“ Foto: W. Jäger (Wiesinger)/Kalchhauser (Hofbauer)

„Momentan ist wegen der Inszenierung der Bundesregierung schwer Fuß zu fassen“, hat für Johann Hofbauer die SPÖ derzeit kein leichtes Spiel. Dass aber ÖVP und FPÖ einen Gegenpol benötigen, ist für das SPÖ-Urgestein und Bezirksobmann des Pensionistenverbandes klar – wie auch anderen Funktionären.

„Die Menschen brauchen die SPÖ, damit sie nicht auf der Strecke bleiben, was jetzt den Anschein hat“, findet Bezirksvorsitzender Josef Wiesinger. ÖVP und FPÖ seien nicht für die Arbeitnehmer da, sondern für die Industrie. Er lässt kein gutes Haar an der Bundesregierung.

„Ohne SPÖ schläft das Gewissen ein“

Die Zusammenlegung der Krankenkassen ist für ihn eine Zerstörung und auch die Steuerreform sieht er kritisch. Niedrigere Sozialbeiträge wirken sich zwar kurzfristig positiv auf die Geldbörse aus: „Aber langfristig zerstören sie das Gesundheitssystem.“

Josef Kromsian, Regionalgeschäftsführer im Waldviertel: „Ohne unsere Konkurrenz in der Opposition schläft das Gewissen von ÖVP und FPÖ ein.“ Gerade diese Region sei von der Politik der Regierung betroffen. Er denkt dabei an die Einstellung der „Aktion 20.000“, die den über 50-Jährigen den Wiedereinsteig in den Beruf erleichtern sollte, und die Ermöglichung der 60-Stunden-Woche.

NOEN

Arbeit, Bildung, das Wohnen und der soziale Zusammenhalt: Die Themen am Beginn der 130-jährigen Geschichte der Sozialdemokratie gelten noch heute. „Denn gerade das sind Werte, die im Moment oft in Vergessenheit geraten“, erklärt Marco Stepan, SPÖ-Stadtrat in Horn.

Man müsse sie nur anders, auch verständlicher benennen, ergänzt Hofbauer. Ein Beispiel sei, dass ein Überwachungsstaat die Freiheit beschränke. „Die gesamte europäische Sozialdemokratie befindet sich gerade in einem Findungsprozess.“ Sie werde von populistischen Bewegungen überholt, fast überrollt. „In welche Richtung das geht, weiß man nicht. Aber die Sozialdemokratie ist nach wie vor ein Stabilitätsfaktor.“

Die Wähler erwarten aber Gegenkonzepte, ein gemeinsames Auftreten und eine Themenführerschaft so wie in Zeiten Kreiskys oder Vranitzkys. Hoffnung gebe, dass Parteichefin Pamela Rendi-Wagner mit der SPÖ bei einer Umfrage aus dem Jänner auf Platz zwei ist – zwar hinter „Ankündigungskanzler“ Sebastian Kurz, wie ihn Hofbauer nennt, aber vor der FPÖ.

„Wir haben viele Rückmeldungen von ÖVP- und FPÖ-Wählern, die ihre Wahl mittlerweile bereuen“, erzählt indes Kromsian, dass das Kraft gibt. „Wenn wir uns innerhalb der Partei einig sind, werden wir wieder unsere alte Stärke erlangen“, ist er überzeugt.

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