Berufsfotografie: Gegenwind schon vor Corona. Umsatzeinbrüche kamen in der üblichen Hochsaison rapide, leicht war das Geschäft der Meister schon zuvor nicht.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. Mai 2020 (04:14)
Emil Jovanov beschäftigt sich gerade mit der Kunstfotografie, weil ihn wenig Anfragen erreichen, – und lässt sich dabei von der Coronakrise inspirieren.
Jovanov

Stark getroffen hat die Coronakrise die Berufsfotografen: Sie müssen eklatante Umsatzeinbrüche hinnehmen.

„Plötzlich vor dem Nichts“

„Ich habe am 12. März mein letztes Projekt umgesetzt und seitdem noch keinen Auftrag ausgeführt“, berichtet Emil Jovanov. „Wochenlang war das Geschäft zu“, ergänzt Kollegin Alrun Andraschek-Holzer, beide in Horn. „Es wäre die Hochsaison in sämtlichen Sparten der Fotografie gewesen. Man ist plötzlich vor dem Nichts gestanden.“

Alfred Kusdat ist erleichtert, dass er jetzt Porträt- & Familienshootings machen kann.
NOEN

Alfred Kusdat aus Klein-Meiseldorf hat im März seine erste Hochzeit verloren, fünf weitere folgten. „Zehn waren insgesamt geplant, vier stehen noch aus“, erklärt er. Kirchliche Ereignisse wie Firmung oder Erstkommunion könnten im Herbst nachgeholt werden. Nur: „Wenn nur zwei große Termine mit etwa 40 Kindern auf einen Tag zusammenfallen, dann verliere ich wieder, weil ich mich ja nicht zerreißen kann.“

„Kunden meiden Investitionen“

Alrun Andraschek über den Härtefallfonds: „Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.“
NOEN

Die Einnahmen sinken rapide, die Fixkosten bleiben: „Bei mir zum Beispiel betragen die Gesamtausgaben ungefähr 60 Prozent des Umsatzes, mehr als 65 Prozent davon sind die Fixkosten“, erläutert Jovanov. Eine weitere Herausforderung sei, „dass auch unsere Kunden Liquiditätsprobleme haben oder welche befürchten und deswegen wichtige Investitionen meiden.“ Andraschek hat in der Vorwoche ihr Geschäft geöffnet. „Die Kunden sind sehr glücklich darüber.“ Sie benötigen Ausweisbilder oder „haben alte Fotos gefunden, die sie nachgemacht brauchen“. Die Fotoausarbeitung habe sich angehäuft.

Ist der Härtefallfonds eine Hilfe?

Andraschek hat viel Zeit investiert, um „Gewisses neu zu überdenken“, ihre Mitarbeiterin für die Kurzarbeit anzumelden und den Antrag für den Härtefallfonds aufzusetzen. „Aber, meine Güte, das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das kann niemals die Ausfälle kompensieren.“ Dennoch: „Jede Hilfe ist etwas, besser als nichts.“ Kusdat hatte mit seinem ersten Antrag keinen Erfolg, „weil ich in eine Firma investiert habe“. Der Einzelunternehmer hoffe, dass er in Phase II Unterstützung erhält. „Überbrückungskredite bringen nichts, auch weil die Verschuldung hoch wird. Man muss außerdem oft Ansuchen. Es heißt nicht automatisch, dass die Bank okay sagt.“

Emil Jovanov: „Auch die Kunden haben Liquiditätsprobleme oder befürchten sie.“
Jovanov

Jovanov ist dankbar, dass der Regierung „vieles tut, um Kleinunternehmer und Arbeitnehmer von fatalen wirtschaftlichen Folgen zu schützen“. Er sieht den Rettungsschirm „auf jeden Fall“ als eine Hilfe, „um die Liquidität eine gewisse Zeit zu bewahren“.

Zukunftssorgen bleiben

„Existenzbedrohend ist es für alle Sparten“, sagt Andraschek. „Uns sind alle Aufträge weggebrochen, die kann man nicht mehr herzaubern.“ Ähnliches sagt Kusdat, aber er ist erleichtert, dass er jetzt Porträtshootings und Familienshootings machen kann – mit Mundschutz und Abstand. „Wenn die Coronakrise, die verschärften Maßnahmen und die Wirtschaftskrise noch länger andauern, ist sie definitiv existenzbedrohend für viele Berufsfotografen“, sagt Jovanav.

Gegenwind mit Gewerbe-Öffnung

Eines beschäftigte die Berufsfotografen schon vor Corona: die Öffnung des Gewerbes 2012. „Vorher war man nur mit Meister-Prüfung und dementsprechender Ausbildung Berufsfotograf, jetzt kann jeder ein Gewerbe anmelden, der eine Kamera in den Händen halten kann“, erklärt Andraschek. „Der Markt ist durch gewisse Preise ruiniert worden.“ Kusdat hält eine Preisregelung für überlebenswert – und eine Kostenminimierung an anderer Stelle. „Wir zahlen mit 270 Euro einer der höchsten Kammerumlagen. Meine Frau, die Zuckerbäckerin ist, um 100 Euro weniger. Leistung sehen wir deswegen aber nicht mehr.“

Der Wert des Professionellen

Kusdat habe das Beispiel einer Kundin gesehen, wo der freiberufliche Fotograf zwar die Hälfte verlangt, aber keine Nachbearbeitung getätigt habe. „Viele schauen aufs Geld, was am Ende rausschaut, ist eine andere Frage.“ Andraschek ergänzt: „Die Nachbearbeitung erfordert zwei bis drei Mal so viel an Zeit, wenn man’s ordentlich macht.“ Die Fotografie müsse außerdem „immer gut“ sein: „Man kann kein schlechtes Bild am Computer super machen.“ Die professionelle Fotografie sei anstrengend, zeitaufwendig, erfordere Konzentration und vor allem Verantwortung. „Man muss außerdem die Steuern, die Sozialversicherung und das Gehalt einkalkulieren.“

Gehofft wird dennoch

Andraschek, in vierter Generation Fotografin, wünscht sich für die Zukunft, „dass wir alle gesund bleiben und dass die Wirtschaft nicht komplett wegbricht, sondern dass sie sich normalisiert. Das wird sicher dauern.“ Kusdat sagt: „Ich überstehe es sicher. Ich habe mein Studio zu Hause und muss keine Miete zahlen.“

Jovanov hoffe auf schnelle Bewältigung der Krise und Rückzug zur „Normalität“. „Mein Wunsch ist, dass wir dass wir aus der Krise unsere Lehren ziehen und Regionalwirtschaft nachhaltig stärken!“