Erste Risse! Angst vor dem Wolf geht um

Erstellt am 28. Dezember 2017 | 06:13
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Wolf Symbolbild
Foto: Symbolbild
Wölfe sollen bei Mödring und Kamegg zugeschlagen haben. Jägerschaft im Bezirk ist uneins, ob wirklich Wolf der Täter war.

Jäger und Bauern haben es schon lange befürchtet, jetzt verdichten sich im Bezirk Horn Gerüchte und Anzeichen, dass es erstmals tatsächlich Risse von Wölfen gegeben hat. Ein derartiger Fall dürfte sich in der Vorwoche in der Nähe von Mödring ereignet haben, das ist sich zumindest ein Teil der Jägerschaft sicher.

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Der Kadaver, der bei Mödring von Franz Umfogl gefunden wurde, war bis auf die „Federn“ abgefressen.
Foto: privat

Am Schauberg bei Mödring stieß Franz Umfogl, der gemeinsam mit etwa 50 Schützen an einer Jagd teilnahm, beim Übersteigen einer Leiter in ein umzäuntes Waldstück, auf den Kadaver eines toten Bock-Kitzes, nachdem einige Hunde das tote Tier aufgespürt hatten.

Umfogl und seinen Kollegen sei bei der Betrachtung des Tieres rasch klar gewesen, dass es sich um den Riss durch einen Wolf handeln muss. „Ein Fuchs schneidet das Wild anders an. Er frisst auch die Federn (Anm.: Die Rippen des Tieres) nicht so an“, so Umfogl.

Außerdem habe ein Fuchs auch nicht die Kraft, einen Lauf durchzubeißen.

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Franz Umfogl fand in der Nähe von Mödring ein totes Reh, das vermutlich von einem Wolf gerissen worden war.
Foto: Martin Kalchhauser

Zahlreiche weitere Kollegen, denen er die Fotos gezeigt habe, seien ebenfalls der Meinung, dass das Reh von einem Wolf gerissen wurde. Im Umfeld des Kadavers sei auch eine Fährte gefunden worden, die lasse sich laut dem Jäger aber nicht eindeutig einem Wolf zuordnen.

Keine Bestätigung von offizieller Seite

Bei einem Spaziergang im Bereich der Hoyos‘schen Forstverwaltung in der Nähe von Kamegg soll eine Frau einen Rehkadaver gefunden haben, der ebenfalls eindeutig Bissspuren eines Wolfes aufweise, so die Gerüchte.

Den Fund an sich bestätigt auch der zuständige Förster Robert Hafenscher, dass es sich beim „Täter“ aber um einen Wolf gehandelt habe, sei nicht festzustellen.

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Gleich ein ganzer Schlegel fehlte am Reh-Kadaver, der bei Kamegg gefunden wurde.
Foto: privat

„Das sind reine Mutmaßungen. Nicht jedes tote Tier, das jetzt gefunden wird, wurde von einem Wolf getötet“, so Hafenscher.

Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock meint, dass in beiden Fällen bisher keine offizielle Bestätigung vorliege, dass es sich tatsächlich um Risse durch Wölfe handle.

Der Wolf sei in der Jägerschaft – und auch in der übrigen Bevölkerung – derzeit großes Thema, die Zahl angeblicher Sichtungen nehme rasant zu. Risse, die man früher dem Fuchs in die Schuhe geschoben habe, werden jetzt häufig dem Wolf angelastet, sieht Ruttenstock die Sache ähnlich wie Hafenscher.

Gerüchte über den Riss eines Wildschweins in der Nähe von Irnfritz machten zuletzt ebenfalls die Runde. Der Irnfritzer Hegering-Leiter Wolfgang Ebner erklärt auf NÖN-Anfrage nach Rücksprache mit weiteren Jagdkollegen, dass ihm ein derartiger Fall aber nicht bekannt sei.

Nicht bestätigen konnte die Risse auch Georg Rauer, Wolfsbeauftragter des Landes NÖ. Ihm sei nichts über die Fälle im Bezirk Horn zugetragen worden.


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