„Euphorie in der Landwirtschaft kommt nicht auf“. Heimische Bauern zwischen Dürre, Borkenkäfer und Klimawandel – eine Standortbestimmung.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:34)
Eduard Reininger
2020 feiert der Horner Bauernmarkt sein 30-jähriges Gründungsjubiläum: Obmann Alfred Zimmermann, Tina Reich, Maria Blaha, Leopoldine Blaim, Barbara Stabl und Ewald Kaindl (v. l.) verwöhnen von Februar bis Dezember jeden Freitag mit ihren Naturprodukten in der Pfarrgasse.

Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge, Dürreperioden, Borkenkäfer, Klimawandel. Die heimische Landwirtschaft steht aktuell einer Reihe an Herausforderungen gegenüber, die diese womöglich auch nachhaltig verändern werden.

„Wir dürfen nicht in Trauer untergehen, aber wir müssen uns Maßnahmen überlegen“, sagt Herbert Hofer, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer. „Die Preise sind unterdurchschnittlich. Die Lage der Forstwirtschaft ist durch den Borkenkäfer traurig. Im Grünland gibt es Missernten, die Bauern müssen Futter zukaufen.“

Klimawandel hat Landwirte im Griff

Kurzum: Der Klimawandel hat die Landwirte fest im Griff. „Wir werden ihn nicht mehr aufhalten, der Klimawandel ist da. Jeder, der das leugnet, ist weltfremd“, sagt Hofer. „Wir sehen das in den Wäldern nördlich der Donau. Im Wald-, Wein- und Mühlviertel, auch in Tschechien. Das ist ein Desaster! Und das wird in den nächsten Jahren die Landwirtschaft genauso treffen. Wir haben ja schon vor einigen Jahren gesehen, was passieren kann …“

Wie man dem vorbeugen könnte? „Man wird sich Wasser-Bewirtschaftung überlegen müssen, neue Kulturen, neue Bewirtschaftungsformen. Es gibt eine rege Diskussion mit Politik und Wissenschaft“, sagt Hofer. Diese befinden sich derzeit noch am Anfang, es sei aber noch nicht zu spät.

Derweil helfen sich die Landwirte selbst. „Im Herbst musst du nicht so aufpassen, aber im Frühjahr versuchst du, möglichst wasserschonend zu arbeiten, nicht zu tief in den Ackerboden zu kommen“, schildert Adolf Leutgeb, Landwirt aus Rodingersdorf. „Ein Umdenken ist auf jeden Fall da. Man schaut darauf, Kulturen zu pflanzen, die weniger Wasser brauchen. Für uns hat es heuer gepasst.“

Für alle passt es aber nicht mehr. Laufend sperren landwirtschaftliche Betriebe zu. Der Rückgang im Bezirk sei seit Jahren konstant, aber auf relativ geringem Niveau bei zwei Prozent, sagt Hofer. In zwölf Jahren brach trotzdem ein Viertel der Betriebe weg. Gab es 2007 noch 1.400 landwirtschaftliche Betriebe im Bezirk Horn, so sind es heute 1.050. Gestiegen sind hingegen die Zahlen der Bio-Betriebe (von 280 auf 350).

Hofer: "Scheitert oft an Nachfolge"

Nicht immer sei übrigens die Wirtschaftlichkeit Schuld, wenn ein Betrieb zusperrt, betont Hofer: „Oft scheitert es auch an der Nachfolge. Die jungen Menschen werden gut ausgebildet, verdienen außerhalb der Landwirtschaft gutes Geld. Die tun sich das dann nicht mehr an.“

Adolf Leutgeb hat es sich angetan, den elterlichen Betrieb in Rodingersdorf vor einigen Jahren übernommen. „Wichtig ist, dass du deinen Kindern die Landwirtschaft vorlebst, ihnen das Positive, Schöne daran zeigst. Jammern hilft nix“, sagt er, der lieber aktiv nach vorne arbeitet. Deshalb haben er und seine Frau Martina, die Erfahrung im Einzelhandel hat, vor drei Jahren einen Hofladen errichtet, der heute einen großen Kundenstock hat. „Patentrezept ist das jetzt keines“, sagt Adi Leutgeb. „Aber viele Landwirte haben etwa vergessen, dass sie auch Unternehmer sind.“

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