Experten: Wir haben den Umgang mit Tieren verlernt. Angst müsse man vor Raubtieren keine haben, aber Respekt, sagen zwei Experten im Bezirk Horn.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 20. Februar 2019 (05:20)
NÖN-Archiv
Aug’ in Aug’ mit der Wildkatze, die im Nationalpark-Gehege durchaus ihre Krallen ausfahren kann, wie Christian Übl weiß.

Einige einst abgewanderte Tiere – wie Biber oder Seeadler – sind zurückgekehrt. Sichtungen von Elch und zuletzt einem Goldschakal wurden dem Nationalpark Thayatal gemeldet. Dort führt man Aufzeichnungen darüber und eruiert, ob es sich auch tatsächlich um die seltenen Wildtiere oder ihre oft ähnlich aussehenden, aber häufiger vorkommenden Verwandten handelt.

Für Direktor Christian Übl ist das Ziel eines Nationalparks die freie Entwicklung der Natur, „insofern passt der Wolf sehr gut in unser natürliches Gefüge.“ Allerdings weiß er, dass es für die Gesamtregion natürlich ein ganz anderes Thema sei und sich der grenzüberschreitende Nationalpark nur über eine vergleichsweise kleine Fläche erstreckt.

Nationalpark ist kleiner als ein Wolfsrevier

Ein kleines Wolfsrevier umfasst immerhin mindestens 100 Quadratkilometer und ist somit deutlich größer als das Schutzgebiet an der Thaya (77). „Wir leben in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft. Weil es sehr lange keine Wölfe gegeben hat, fehlt bei uns die Erfahrung im Umgang mit dem Raubtier.“ Dies müsste man jetzt wieder entsprechend anpassen, will man im Einverständnis mit dem Wildtier leben. So müssen etwa Weidehalter in Wolfsrevieren Schutzmaßnahmen setzen, um Risse zu vermeiden.

„Er ist ein Raubtier, vor dem man Respekt, aber keine Angst haben muss. Wir haben einfach verlernt, mit dem Wolf Seite an Seite zu leben, und das löst noch immer Unbehagen aus“, weiß auch Nationalpark-Förster Wolfgang Riener aus Geras. Wölfe seien äußerst vorsichtig und neugierig – dieses natürliche Verhalten werde manchmal von Menschen falsch interpretiert. „Dort, wo wir Menschen den Wolf dulden, wird er auch künftig ein Zuhause haben und eine wertvolle Bereicherung für unser Ökosystem sein“, ist Riener überzeugt. Übl verweist auf Beispiele aus anderen Ländern, die zeigen, dass das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf funktionieren könne.

Auch wenn es aktuell in Niederösterreich noch sehr wenige Wölfe gibt, wurden schon entsprechende Maßnahmen für ein Zusammenleben getroffen, die Übl ebenfalls positiv bewertet. Ein Beispiel hierfür sei etwa die Wolfsverordnung, die im Dezember beschlossen wurde oder das gemeinsame Grundlagenpapier „Wolfsmanagement in Österreich“.

Umfrage beendet

  • Wildtier-"Exoten": Bereicherung oder Belastung für heimische Ökosysteme?