Nein zu Öl: Was wird sich ändern?. Seit 1. Jänner dürfen Öl-Heizungen nicht mehr eingebaut werden. Die NÖN zeigt, wer im Bezirk profitiert und wer verliert.

Von Karin Widhalm, Karin Pollak und Michael Schwab. Erstellt am 09. Januar 2019 (04:43)
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Symbolbild

Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem es in Neubauten keine Öl-Heizungen mehr geben wird. Dennoch: Jeder sechste Haushalt heizt immer noch mit Öl. Um ihnen den Umstieg zu erleichtern, gibt es einen Bonus. Bis zu 5.000 Euro erhält, wer von Öl auf ein alternatives Heizsystem umsteigt.

Das Lagerhaus Horn-Hollabrunn rechnet als Heizöllieferant mit keinen dramatischen Verlusten, weil: „Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten zwei, drei Jahren jemand eine Ölheizung installiert hat“, erklärt Geschäftsführer Edwin Vorhemus. Interessanter sei ein Brennwertkessel-Tausch. Erdgas, Pellets und Hackschnitzel seien zuletzt stark gestiegen: „Pelletsheizungen kosten mehr als die Ölheizung, das hat gewisse Auswirkungen“, kann der Installationsbetrieb davon profitieren.

„Ganz ohne Öl wird‘s nicht gehen, nicht aber, was das Heizen betrifft. Da gibt‘s Interessanteres.“Franz Reiss, Obmann der Fernwärmegenossenschaft Langau

Die Firma „Y-Pellets“ in Gars wird indes im Sommer mit einer weiteren Produktionsstätte in Altweitra starten (die NÖN berichtete), auch, weil sich ein neuer Markt in Italien mit einem Volumen von 3,2 Millionen Tonnen Pellets jährlich eröffnet hat. Ende Jänner startet nach einem Brand im Garser Werk wieder die Auslieferung, so Betriebsleiter Andreas Rusch.

Aufwind für die Fernwärmegenossenschaft in Langau wird das „Nein zu Öl“ nicht verleihen: „Ich sage Ihnen ehrlich: Wir werden nicht die ganze Ortschaft versorgen können“, sagt Obmann Franz Reiss, dass die Erweiterung des Netzes mit einem zusätzlichen Ofen (zwei sind’s jetzt) die Abnehmer nicht tragen können. „Da müsste sich die Förderpolitik ändern, damit wir auch dort graben können, wo wir jetzt nicht sind.“

Die Anlage ist seit ihrer Gründung im Jahre 2000 stetig gewachsen, von 65 zu 123 Haushalten (Stand: 2019). Zu den Beziehern gehört die Waldviertler Siedlungsgenossenschaft (WAV) mit Sitz in Raabs. Sie begrüßt das Verbot, auch wenn Öl als Heizquelle in ihren Bauten nicht mehr verwendet wird. „Aktuell haben wir eine klare Vorgangsweise, wie Neubauten energietechnisch ausgestattet werden“, so Geschäftsführer Manfred Damberger.

Der Anschluss an Nahwärmeanlagen wird in erster Linie forciert, erst dann kommen eigene biogene Anlagen (Hackschnitzel oder Pellets) zum Zug. Wärmepumpen setze die WAV vor allem bei Reihenhäusern ein.

Heizen: Borkenkäfer beschert viel Holz

Die Langauer Fernwärme verbrennt Hackgut. „Der Borkenkäfer hilft uns leider in den nächsten zehn Jahren. Wir können nicht einmal alles nehmen, was wir kriegen könnten“, erklärt Reiss. Das Holz kommt aus der Region: Der CO -Ausstoß könne gering gehalten werden. Die Genossenschaft denke auch über Solar für den Sommerbetrieb nach. Der Ölkessel ist für den Notfall gedacht. Reiss ist froh, dass er nie genutzt werden musste. Techniker seien in Störungsfällen rasch vor Ort oder nutzen die Fernwartung.

Dass sich einiges weiterentwickeln wird, davon ist Damberger überzeugt. „Im Bereich der Wasserstofftechnik sind intensive Bemühungen im Gange.“ Mehr Raum werde Strom in Niedrigenergiehäusern gewidmet werden müssen – bei gleichzeitiger Verwendung von Photovoltaik, deren Strom vielleicht bald gespeichert werden kann.

Das Thema bleibe spannend und sei von einer nachhaltigen Entwicklung geprägt. Reiss ergänzt: „Ganz ohne Öl wird’s nicht gehen, nicht aber, was das Heizen betrifft. Da gibt’s Interessanteres.“ Wie steht Vorhemus persönlich zum Verbot? „Die Vorgaben des Kyoto-Protokolls sind okay. Ich glaube aber nicht, dass das Verbot großartige Veränderungen bringen wird.“

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