NÖ Hundehaltegesetz: Ist Reform nötig?. Die NÖN fragte bei der Hundeschule, dem Tierschutzverein und einem Jäger des Bezirks nach, was sie von der geplanten Novellierung halten.

Von Kerstin Oberbauer und Karin Widhalm. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:17)
Franz Linsbauer appelliert an jeden Hundebesitzer, Eigenverantwortung zu übernehmen. Er und seine Familie sind gerade ganz verliebt in dem jüngsten Spross des Hofes: Amy ist gerade mal fünf Wochen jung und als Einzelkind (das zweite Hundebaby starb) von Mama Angi verwöhnt. Der sechsjährige Jack Russel-Terrier hat zum ersten Mal geworfen.
Karin Widhalm

Der Hund ist der beste Freund des Menschen – und um das Zusammenleben noch harmonischer und problemloser zu gestalten, soll die Hundehaltung reformiert werden. Irene Kohlhofer führt die Hundeschule Mold – und befürwortet die angedachten Reformen.

Kohlhofer: „Vorzeitige Sensibilisierung nicht schlecht“

 „Für mich klingt das nach einer guten Idee“, sagt sie. „Mir kommen immer wieder Menschen unter, die keine Ahnung von Hunden haben. Da wäre eine vorzeitige Sensibilisierung nicht schlecht.“ Die Hundetrainerin erachtet vor allem das Beratungsgespräch als sinnvoll, da viele vor der Anschaffung eines Hundes nicht wissen, wie viel Zeit, Arbeit und Ressourcen die Vierbeiner benötigen.

Noch dazu sei Hund nicht gleich Hund. Jede Rasse habe seine Eigenheiten, die man vor der Anschaffung kennen sollte. Den Sachkundenachweis hält Kohlhofer für weniger wichtig: „Durchgeführt wird der Sachkundenachweis meist erst nach zehn Monaten. Da ist es oft schon zu spät.“ Sie denkt dabei an Menschen, denen zu spät bewusst wird, wie viel Arbeit ein Hund bedeutet. Eine Haftpflichtversicherung für den Hund würde die Erziehungsberaterin noch befürworten.

Drechsler: „Wer wird das kontrollieren?“

Sabine Drechsler betreibt den Tierschutzverein „Countryhof“ in Feinfeld. Sie empfindet die Maßnahmen ebenfalls als positiv, sieht dabei aber ein großes Problem: „Wer wird kontrollieren, ob die Hundehalter sich an alle neuen Gesetze halten? Im Moment gibt es eine Registrierungspflicht für Hunde. Trotzdem sind sehr viele Vierbeiner nicht registriert.“

Ein weiteres Problem sieht Drechsler bei Hunden, die aus dem Ausland geholt werden. Suchen Interessierte das Tierheim oder den Züchter auf, werden sie dort ohnehin beraten und aufgeklärt. Bei Auslandshunden leiste diese Aufklärungsarbeit keiner.

Über die Eigenverantwortung der Besitzer

Der Sachkundenachweis sei eine gute Idee, jedoch schwierig umsetzbar. Mehr Hunde im Tierheim sowie eine erhöhte Sicherheit sieht Drechsler aufgrund der Reformen nicht auf das Land zukommen. „Leider gibt es immer wieder Hundehalter, die vieles falsch machen. Mir wäre wichtig, dass die Leute mehr nachdenken, um den Hunden ein bestmögliches Leben zu bieten“, meint sie. Bemühte Menschen würden sich ohnehin gut um ihre vierbeinigen Freunde kümmern.

Linsbauer: „Ist kein Garant, dass nichts passiert“

Franz Linsbauer ist Bürgermeister in Langau und als Weidmann Hundebesitzer: „Wir Jäger haben eine gewisse Ausbildung“, schickt er voraus. Er hält Beratungsgespräche für jene wichtig, die zum ersten Mal einen Hund mit nach Hause nehmen, fragt sich aber, wer dies durchführen wird: der Tierarzt oder jemand anderer?

Den Sachkundenachweis für alle Hundebesitzer hält er für „nicht notwendig“, denn „man muss schon an die Eigenverantwortung des Hundebesitzers appellieren und diese einfordern“. Linsbauer, der gerade Hundenachwuchs bekommen hat, ergänzt: „Ich glaube nicht, dass es ein Garant ist, dass nichts passiert.“ Selbst die Verschärfung des NÖ Hundehaltegesetzes, wonach Hunde mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial bei der Gemeinde gemeldet werden müssen, habe Vorfälle nicht vermeiden können.

Den NÖ Hundepass, den er sogleich als „E-Card für Hunde“ erkennt, hält er für äußerst praktisch: Man behalte selbst bei einem Wechsel des Hundebesitzers den Überblick etwa über Impfungen.

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