Regen, aber zu wenig. Vorsichtig geschätzt: 40 % weniger Niederschlag. Idee: eine Wasser-Strategie.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 22. Mai 2020 (06:02)
Trockenheit und das jedes Jahr: Erkennen lässt sich schon jetzt, dass sich die Kulturen schwertun – und laut Bauernkammer von Spitzenerträgen sowieso keine Rede sein könne. Wie kann das Wasser länger in der Region gehalten werden?
Shutterstock/R_Tee, NÖN-Archiv

Klar ist längst, dass die Trockenheit kein Einzelereignis ist, sondern seit Jahren anhält. Rinderbauer Franz Winkelhofer „ist täglich von einer nicht zu leugnenden Veränderung betroffen“, wie er im NÖN-Interview (20/2020) erzählt. Er passt seine Bewirtschaftungsweise an, „aber letztlich wird es ohne Wasser schwierig“. Bauernkammer-Obmann Herbert Hofer lässt bei jedem Gespräch über die Landwirtschaft eines nie unter den Tisch fallen: Es werde höchste Zeit für eine Strategie, damit das nasse Gut in der Region gehalten werden kann.

Bis zu 40 Prozent weniger: „Ganz bestimmt vorsichtig gerechnet“

Die Niederschläge reichen zuletzt nicht, obwohl der Weizen dankbar reagiere. „Er fängt das Wasser fast eins zu eins über die Blätter auf, weil sowieso fast nichts zum Boden gelangt“, führt Hofer aus. Solche Niederschlagsereignisse brauchen wir mehr. Nicht umsonst heißt es: Wenn’s im Mai regnet, wächst alles.“ Wenn er sich die Menge konkret ansieht, zeigt sich schon im Mai: 2020 verzeichnet durchschnittlich um 35 bis 40 Prozent weniger Niederschlag im Bezirk. „Und das ist ganz bestimmt vorsichtig gerechnet.“

„Wir müssen schauen, dass wir das Wasser in der Region halten – und ich weiß: Das ist ein Monsterprojekt.“ Herbert Hofer, Bezirksbauernkammer-Obmann in Horn

Manche Gebiete haben sogar schon die 50 Prozent überschritten, eine der trockensten Regionen ist das Horner Becken.

Hofer: „Gespräche auf höchster Ebene"

Herbert Hofer sieht es als Auftrag, die Zukunft nicht aus den Augen zu lassen.
NOEN

Hofer ist im Kontakt mit Funktionären und politischen Vertretern, um die Problemfelder zu erläutern und in weiterer Folge einen ersten Schritt in Richtung Veränderung setzen zu können. „Es gibt Gespräche auf höchster Ebene.“ Diese werden aber derzeit nur telefonisch geführt, sodass er sich „noch kein Gesamtbild“ machen kann. Ein Termin mit Spitzenkräften stehe aber vor der Tür.

Strategie: Das Wasser länger zurückhalten

Einer umfassenden Bewässerung im Bezirk Horn steht er skeptisch gegenüber, schon alleine wegen der Topografie. Er führt ein Beispiel an: Was ist, wenn in einem bewässerten Gebiet plötzlich ein Unwetter-Ereignis niedergeht? Alternativen, was die Quellen, das Fließgewässer und die Niederschläge anbelangt, sind ihm lieber: „Wir müssen schauen, dass wir das Wasser in der Region länger zurückhalten.“ Er rede nicht von einer Menge, sodass das Weinviertel oder Marchfeld noch mehr austrocknet.

Ein Teil müsse aber die Chance haben, im östlichen Waldviertel versickern zu können. „Ich habe das Gefühl, dass ich auf offene Ohren stoße“, gibt ihm das Zuversicht. „Durch Corona ist das Bewusstsein größer geworden.“

„Monsterprojekt“: Komplex und viele Betroffene

Hofer weiß aber: „Das ist ein Monsterprojekt.“ Es geht nicht nur darum, zwei Regionen – Waldviertel und Weinviertel – im Auge zu behalten. Man müsse über die Bereitstellung von landwirtschaftlichen Grundflächen für Wasserreservoirs, über die Fischereirechte, Raumordnung und viele andere Bereiche reden. „Das sind komplexe Materien und sehr viele, die betroffen sind“, erläutert er. „Wir werden Gebiete haben, die wir vielleicht nicht retten können.“ Es könne aber auch eine touristische Chance bedeuten und „vielleicht geht’s in Richtung Energieproduktion“.

Die Lösungsansätze sollen aber nur zur Umsetzung kommen, „wenn die Wissenschaft uns sagt, dass das g’scheit ist“. Er wisse von Forschenden etwa und der Universität für Bodenkultur in Wien, die sich mit der Thematik befassen.

Bestehende Kulturen könnten in 20 Jahren verloren sein

Die Zeit eile aber. „Ich habe immer gesagt: Sollte sich diese Trockenheit fortsetzen, dann werden wird innerhalb einer Bewirtschaftungsgeneration nicht mehr die Kulturen wie jetzt haben. Jetzt bin ich der festen Überzeugung, dass es nicht mehr so lange – 15 bis 20 Jahre – dauern wird“, betont Hofer, der in Röhrawiesen seine Landwirtschaft betreibt. „Wir trocknen im wahrsten Sinn des Wortes aus.“

„Wir sind in der Landwirtschaft immer einer Veränderung unterworfen gewesen, aber in den letzten Jahren ist diese massive Veränderung klar vom Klima gesteuert – und das wird so bleiben.“ Die einzelnen Landwirte können Maßnahmen wie die kulturtechnische Fruchtfolge umsetzen. Der Bauernkammer-Obmann sehe es in seiner Funktion als Auftrag, Gespräche zu führen, um den Kampf aufnehmen zu können.