Schulschluss: „Drückte auf die Stimmung“. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern in Horn, wie es ihnen ergangen ist.

Von Thomas Weikertschläger und Sebastian Dangl. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:32)
Beim Malen der „Abstandsblumen“ vor der Horner Volksschule: Tschechisch-Lehrerin Zuzana Maskow, Vivian Fux, Alexander Raith, Eric Janda, Anna Menhart und Lehrerin Evelyn Schmidt.
Thomas Weikertschläger

Auch wenn die Schulen im Bezirk Horn die Coronakrise gut gemeistert haben, die Spuren des Lockdowns sind noch deutlich zu spüren. „Der Unterricht wurde unter den Hygieneauflagen verdünnt, was natürlich auch auf die Stimmung der Schüler drückt“, brachte Gym-Direktor Michael Ableidinger die Situation auf den Punkt.

Beeinflussung durch Hygieneauflagen

Besonders stark trafen die Hygieneauflagen etwa den Sportunterricht im Gym, der nur mehr auf freiwilliger Basis stattfindet. Der Turnsaal darf nicht mehr benutzt werden, Ballspiele sind aufgrund des Körperkontakts nicht erlaubt. „Die Beteiligung ist leider sehr gering, weil wir außer Gymnastik nicht viel mehr mit den Schülern machen können“, sagte Ableidinger. In den Schulen werden die Kinder mit Desinfektionsmittelspendern empfangen, häufig werden Pausen in den Klassenzimmern verbracht.

Generell gehe es der Schule darum, das Gesundheitsbewusstsein der Kinder zu fördern, erklärte die Horner Volksschul-Direktorin Herta Ucsnik. Viele Maßnahmen, die anderswo bereits gelockert seien, werden in den Schulen noch streng gehandhabt. Daher werde es immer schwerer, die Schüler zu Maßnahmen wie Händewaschen und Abstandhalten zu bringen, meinte Peter Hofbauer, Direktor der HAK und HLW.

E-Learning

Positiv habe sich laut Hofbauer das „e-Learning“ entwickelt. Es habe „einen großen Innovationsschub für digitale Medien“ bewirkt. Er hofft, dass die neuen Unterrichtshilfsmittel auch zukünftig als Ergänzung zum normalen Unterricht benutzt werden dürfen: „Wir haben viel positives Feedback von Eltern und Schülern erhalten. Auch die hohe Beteiligung war erfreulich.“ Trotzdem präferiere der Großteil der Schüler normalen Unterricht.
Auch in der Polytechnischen Schule Horn und in der NMS Eggenburg wurde das Homeschooling positiv aufgenommen. „Wir hatten den Vorteil, dass schon vor dem Lockdown rund die Hälfte aller Schüler mit dem Programm Microsoft Teams gearbeitet hat“, erklärte Poly-Direktor Christoph Meinhard. Auch in der NMS Eggenburg waren e-learning-Programme teilweise schon vor der Krise im Einsatz, wie Direktorin Judith Grafinger erzählte.

Wie in anderen Schulen gab es auch hier anfangs Engpässe mit der Bereitstellung von Laptops, was aber schnell behoben wurde. Für viele Lehrer sei es zwar ein höherer Aufwand, die Lerninhalte auch digital bereitzustellen, doch die Schüler hätten sich rege an der neuen Unterrichtsform beteiligt, sagte Meinhard. Problematisch wurde das Wegfallen der auf Praxis beruhenden Werkstattstunden. Gut funktioniert hätten dagegen die Kochstunden von zu Hause aus. Weiters positiv: Die gelernte Selbstorganisation werde den Jugendlichen im weiteren Berufsleben von Nutzen sein.

Auf zweite Welle vorbereitet?

Einen erneuten Anstieg der Corona-Fälle befürchtet Ableidinger. „Wenn es soweit ist, hoffe ich auf bessere Kommunikation mit dem Ministerium, damit planmäßiger Maßnahmen getroffen werden können und die Unterrichtsumstellung reibungsloser funktioniert“, sagte er. Ähnlich sieht Hofbauer die Situation. Falls es im Herbst wieder zu verschärften Maßnahmen kommen sollte, hofft er auf bessere Lösungen als Klassenaufteilungen in Gruppen, da sich das bisherige System sehr belastend auf den Unterricht ausgewirkt habe.

Eine komplette Umstellung auf Fernunterricht sei wieder möglich, allerdings nur für einen kurzen Zeitraum: „Die sozialen Kontakte und die Kommunikation in der Schule lassen sich langfristig einfach nicht ersetzen.“ Für die Zukunft ist man jedenfalls vorbereitet. „Die Infrastruktur mit ausreichend PCs und Notebooks ist in der HAK geschaffen und eine Umstellung auf e-learning würde beim nächsten Mal sich besser funktionieren“, meinte Hofbauer.

Im Horner Poly wird für den Fall eines erneuten Lockdowns zu Beginn des nächsten Schuljahres in der ohnehin üblichen Orientierungsphase auch eine Einschulung in Microsoft Teams stattfinden. „Wir müssen vorbereitet sein, aber eine langfristige Lösung bietet das e-learning nicht“, erörtert Meinhard.

Elternseite: Lob für Geleistetes und Zuversicht

Angesichts der Tatsache, dass die Schulen die Coronakrise, in die sie „von einem Tag auf den anderen gestoßen wurden“, gut gemeistert haben, könne man davon ausgehen, dass die Arbeit in einer zweiten Welle noch besser ablaufen würde. Karina Witzer, Elternvereins-Obfrau am Horner Gym, meinte: „Die technischen Sachen sind jetzt allen klar, man könnte sich dann noch intensiver um die Inhalte kümmern, als das ohnehin passiert ist.“ Die Schulen – aber auch viele Kinder – seien technisch gut ausgerüstet und für eine eventuelle zweite Welle gut gewappnet.

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