Umgangston am Fußballplatz: „Teilweise richtiger Hass“. Verband sagt Aggression und Überehrgeiz den Kampf an.

Von Bernd Dangl und Mathias Schuster. Erstellt am 13. März 2019 (04:50)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

„Es ist ziemlich abstrus und beschämend, was sich auf den Tribünen teilweise abspielt."Vorstufenleiter des LAZ Waldviertel, Helmut Lamatsch

Das scheint bitter nötig, denn: „Da ist teilweise richtiger Hass drin“, weiß der Vorstufenleiter des LAZ Waldviertel, Helmut Lamatsch. Als aufmerksamer Beobachter Waldviertler Nachwuchsspiele, hat er einiges zu erzählen. „Es ist ziemlich abstrus und beschämend, was sich auf den Tribünen teilweise abspielt. Die Eltern beflegeln sich gegenseitig, da kommt es fast schon zu Handgreiflichkeiten. Viele werden immer verständnisloser und haben dabei so wenig Ahnung“, erklärt der Experte.

Er selbst habe erlebt, dass es in der „dritten Halbzeit“ eines U15-Spiels zu einem handfesten Streit unter Eltern kam „Wir hatten da ganz beträchtliche Probleme. Teilweise wurden sogar Kinder wüst beschimpft. Das ist einfach unterstes Niveau.“

Ständige Nörgelei und Schmähungen

Auch der langjährige SV Horn-Nachwuchsleiter Alfons Baumgartner hätte die eine, oder andere Episode auf Lager, spricht im „Großen und Ganzen“ aber von „normalen Umständen“ in der hiesigen Nachwuchs-Szene. „Manchesmal habe ich mich aber schon gefragt, warum ich mir das antue.“ Fast alle Nachwuchstrainer würden diesen Job aus Idealismus ausüben. „Wenn dich Eltern dann blöd anreden, weil ihnen manches nicht passt, dann ist das nicht gerade motivierend.“

Einer, der am Fußball-Platz quasi zuhause ist, ist der Eggenburger Manfred „Mucky“ Mayer. Neben seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Kampfmannschaftstrainer, ist er auch schon seit vielen Jahren als Nachwuchs-Schiedsrichter unterwegs. „Bei uns im Waldviertel ist es ja relativ ruhig – im Vergleich dazu, wenn ich mir oft Erzählungen von Kollegen aus anderen Regionen, etwa aus den Ballungszentren anhöre.“

„Es ist teilweise kurios. Du wirst Vorfälle beim Nachwuchsfußball aber nie wegbekommen, weil Fußball emotionsgetrieben ist.“Jugendhauptgruppen-Obmann Walter Oberschlick

Mayer möchte nicht die Herkunft der Kicker automatisch mit Problemen verknüpfen, aber: „Südländer haben halt ein anderes Temperament – da geht‘s dann schon mal auch abseits des Platzes heftiger zur Sache.“

Wenn Schiri Mayer ab und zu blöde Bemerkungen von außen hört, weiß er, wie er die abstellt: „Ich kenne ja die meisten Protagonisten persönlich. Da wird im Vorbeilaufen mal ein kleiner Seitenhieb ausgeteilt und die Sache geht weiter“, schmunzelt der Routinier.

Dass es oft sogar „Schiedsrichter außer Dienst“ sind, die draußen stehen und ihre Kollegen beschimpfen, weiß Jugendhauptgruppen-Obmann Walter Oberschlick: „Es ist teilweise kurios. Du wirst Vorfälle beim Nachwuchsfußball aber nie wegbekommen, weil Fußball emotionsgetrieben ist.“

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