Forderung nach dem Gemeindearzt

Erstellt am 30. September 2022 | 04:06
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Fordern unter anderen die Wiedereinführung des Gemeindearztes: Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig und Bezirksvorsitzender-Stellvertreter Kurt Lobenschuss.
Foto: TW
SPÖ will Kampf gegen Ärztemangel am Land forcieren – und fordert auch Primärversorgungszentren und Gruppenpraxen.

Auf den Mangel an Haus- und Fachärzten mit Kassenverträgen im Waldviertel machte die SPÖ im Rahmen einer Pressekonferenz mit Gesundheits-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig in Horn aufmerksam. Aus Sicht der SPÖ werde die Bürde, sich um Ärzte im ländlichen Raum zu kümmern, immer mehr den Gemeinden aufgedrückt. Es gelte jetzt, die eigentlich Verantwortlichen – Bund, Land und Gesundheitskassa – in die Pflicht zu nehmen, sagte Königsberger-Ludwig.

Sie sprach Ärztekammer und Sozialversicherung an. Der niedergelassene Gesundheitsbereich werde grundsätzlich zwischen diesen beiden Institutionen geregelt, sie legen in quartalsweisen Stellengesprächen die Besetzung der Kassenstellen fest, sagt die Landesrätin: „Da es bei diesem Prozess nach dem Gesetz keine zugedachte Rolle für andere Akteure gibt, liegt es primär an den Krankenversicherungsträgern, attraktive Angebote zu schaffen und gemeinsam mit der Ärztekammer möglichst viele Ärzte in das kassenärztliche System zu bringen.“

Es seien inzwischen die Gemeinden, die sich „nach Kräften dafür einsetzen, dass die hausärztliche Versorgung gesichert“ sei, sagt Bezirksvorsitzender-Stellvertreter Kurt Lobenschuss. Immer öfter kämen „Scouts“ zum Einsatz, die „für viel Geld Interessenten für Landarztpraxen“ finden sollen. Den „Zuschlag“ bekomme dann jene Gemeinde, die – etwa bei Investitionshilfen bei Übernahme von Praxen – die besten Rahmenbedingungen zur Verfügung stelle. Daher brauche es gesundheitspolitische Weichenstellungen. Konkret fordert die SPÖ die Wiedereinführung des Gemeindearztes, die Verbesserung des Facharztangebots durch Primärversorgungszentren, Gruppenpraxen oder Anstellung von Ärzten in bestehenden Praxen, aber auch eine Veränderung beim Aufnahmeverfahren an den Medizinunis. Statt einer Wissenschaftsorientierung solle mehr Augenmerk auf die soziale Kompetenz der Bewerber gerichtet werden.

Laut Lobenschuss kommen im Bezirk Waidhofen mit seinen 25.511 Einwohnern auf einen Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag 1.500 Patienten. Auf einen Facharzt im Bereich Innere Medizin 6.387, in der Kinder- und Jugendheilkunde 3.176 Personen, in der Urologie 3.749 Männer über 60, in der Gynäkologie 12.813 Frauen und bei Lungenerkrankungen gleich alle 25.511 Einwohner.