Eine Weltneuheit aus Zettenreith. Bierbrauer Günther Dangl stellte weltweit erstes Bier aus Waldstaudenkorn her.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 21. April 2019 (04:11)
Weikertschläger
Günther Dangl produzierte in seiner Brauerei in Zettenreith das weltweit erste „Waldstaudenkorn-Bier“.

Hanfbier und Bier mit Gemüse- oder Obstgeschmack gibt es schon wie Sand am Meer – für den Zettenreither Bierbrauer Günther Dangl war dies der Grund, sich eine absolute Nische zu suchen: Er produziert nun das seiner Aussage zufolge weltweit erste Bier aus Waldstaudenkorn.

„Diese Ur-Roggen-Art liegt derzeit auch bei Bäckern voll im Trend“, erzählt Dangl. Nachdem er schon vor drei Jahren ein „Khorasan-Bier“ (eine Ur-Weizen-Sorte, die in den ägyptischen Pyramiden gefunden wurde) produziert hatte, sei es wieder an der Zeit für eine Besonderheit aus dem Hause Dangl gewesen. Im Unterschied zu damals kann Dangl nun aber auch den aufwendigen Malz-Vorgang – im Unterschied zu vielen anderen Privat-Brauern – selbst durchführen. Dadurch hebe er sich von seinen Mitbewerbern ab. Die besondere Herausforderung bei der Produktion dieses Bieres sei eben dieser Malzvorgang gewesen. Waldstaudenkorn sei von der Keimung her sehr intensiv. „Das ist fast in einer einzigen Nacht gegangen. Da hat man die ,Ur-Kraft‘ gespürt, die in diesem Getreide steckt“, sagt Dangl. Er habe das genaue Verhalten des Korns während des Prozesses erst kennenlernen müssen: „Bei anderen Getreidesorten kann man nachlesen, wie es sich verhält. Aber wenn du der Erste bist, geht das natürlich nicht. Da brauchst du auch eine gewisse Leidensfähigkeit.“

Nach der Trocknung ließ er das Korn vier bis fünf Wochen rasten, ehe es weiter verarbeitet wurde – und dank oftmaligem Kosten dann schlussendlich so geworden sei, wie er sich das vorgestellt hatte.

Rohstoffe stammen allesamt aus Waldviertel

Das Waldstaudenkorn-Bier zeichnet sich durch einen vollmundig runden Geschmack aus. Im Gegensatz zu anderen Roggenbieren, die meist obergärig sind, produziert Dangl sein Waldstaudenkorn-Bier aber bewusst untergärig, damit nicht die Hefearomen den Geschmack dominieren. „So gelingt es, ein nussig-erdiges Bier zu produzieren“, beschreibt Dangl. Dass sich dieses Bier nicht zum „Massenprodukt“ entwickeln werde, sei zwar klar, aber „es ist einmal etwas anderes“, meint Dangl.

Einmalig ist übrigens auch die Produktionsanlage bei Dangl. Die Geräte stellt der leidenschaftliche Bastler nämlich in mühevoller Kleinarbeit selbst her.

Die Rohstoffe für sein Bier, das 12,4 Grad Stammwürze und 5,2 Prozent Alkohol hat, stammen übrigens allesamt aus dem Waldviertel. Das Waldstaudekorn wird von einem Landwirt aus Rappolz bezogen. Erhältlich ist das Bier direkt bei Dangl, aber auch in zahlreichen Gastronomiebetrieben in der Region und auch in Wien, wo Dangl immer stärker Fuß fasst.

Und eines ist fix: Das Waldstaudenkorn-Bier wird nicht die letzte kreative Schöpfung des Zettenreithers bleiben. „Es gibt noch viele Ideen und noch viele Getreidesorten, die es zu entdecken gibt“, sagt Dangl, der neben seiner neuesten Kreation auch ein Helles, ein Märzen, ein Schwarzes und sein Exclusiv-Bier ständig im Sortiment hat. Außerdem bietet er auch Bock- und Weizenbier an.