Tops & Flops im Horner Kino-Jahr. Während im Cinemaplexx Horn Besucherrückgang verzeichnet wurde, versprüht das Stadtkino Zuversicht.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 16. Januar 2019 (04:49)
Thomas Weikertschläger
Der Film „Green Book“ – vor Kurzem mit dem „Golden Globe“ als bester Film ausgezeichnet, ist einer der Top-Filme im Stadtkino Horn von Silvia und Winfried Meingast im Kino-Jahr 2019.

„Es war das schlechteste Jahr der vergangenen 20 Jahre“ – keine zufriedene Bilanz über das abgelaufene Kinojahr 2018 zog Peter Hauswirth sen., der seit Beginn des Jahres 2019 gemeinsam mit seinem Sohn Peter Hauswirth jun. das Cinemaplexx-Kino in Horn führt. Der bisherige Geschäftsführer Wilfried Tampier hatte sich mit Jahresende aus dem Horner Kino zurückgezogen.

„Es war das schlechteste Jahr der vergangenen 20 Jahre. Es reicht zum Überleben, aber es wird immer schwieriger.“Peter Hausleitner sen., Cinemaplexx Horn

Ähnlich wie im Österreichschnitt, wo es bei den Kino-Besuchern 2018 einen Rückgang von 14 bis 15 Prozent gegeben hat, sei auch die Entwicklung im Horner Kino gewesen. Mit rund 2.000 Gästen sei der Film „Mamma Mia – Here We Go Again“ – voll mit ABBA-Klassikern – noch jener Film gewesen, der am besten gegangen sei. Auch „Fifty Shades of Grey 3“ und „The Avengers 3“ am Jahresanfang, aber auch „Hotel Transsilvanien“ und „Jurassic World 3“ hätten noch halbwegs gezogen.

Andere potenzielle Kassenschlager wie „Deadpool 3“ oder „A Star Wars Story“, die im Mai angelaufen sind, hätten aufgrund des guten Wetters die Erwartungen – genauso wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Book Club“ – nicht erfüllt. „Es war 2018 auch kein österreichischer Film dabei, der gut gegangen ist“, meinte Hauswirth.

Dass 2019 der große Kino-Boom einsetzen wird, glaubt er nicht, schwarzmalen wolle er aber auch nicht. Mit dem neuen James-Bond-Streifen oder dem neuen Teil der „Minions“ könnten sich Kinofans immerhin auf tolle Filme freuen.

Im Kino selbst wird es demnächst aber einige Investitionen geben. Neben einer neu angeschafften Bankomatkasse und einer neuen Website wird auch in die Tonanlage investiert. Die Toilettenanlagen im ersten Stock werden revitalisiert, außerdem werden im ersten Stock auch neue Billard-Tische kommen, um das Gesamt-Kinoerlebnis für die Gäste wieder attraktiver zu machen.

Generell sei die Zukunft für Kinobetreiber aber nicht rosig: „Es reicht zum Überleben, aber es wird immer schwieriger“, sagt Hauswirth, der vor allem die unterschiedlichen Regelungen bezüglich Lustbarkeitsabgabe in den verschiedenen Gemeinden beklagt. Jeder Cent tue den Kinobetreibern weh. In manchen Gemeinden müsse bis zu zehn Prozent an dieser Abgabe gezahlt werden, sagt Hauswirth.

Stadtkino setzte auf Dokus und Top-Filme

Zufriedener fällt die Bilanz hingegen im Stadtkino Horn aus. „Als Programmkino sind wir nicht rein kommerziell orientiert. Wir haben im Zentrum von Horn auch einen Kulturauftrag zu erfüllen, setzen daher stark auf Dokumentationen“, erzählt Silvia Meingast, die gemeinsam mit Sohn Winfried das Stadtkino führt.

Da es aber natürlich um das finanzielle Überleben des Kinos gehe, werden auch Filme für die breite Masse bewusst ins Programm genommen. Österreichische Filme, die besonders angekommen sind, waren „Arthur und Claire“ mit Josef Hader oder „Die Wunderübung“. „Sauerkrautkoma“ mit 800 Gästen war die erfolgreichste Komödie.

Der bestbesuchte Streifen im Vorjahr aber war „A Star Is Born“ mit Lady Gaga mit knapp 1.000 Gästen. „Solche Filme laufen von selbst“, erklärt Meingast, die in ihrem Kino immer wieder auf besondere Aktionen setzt. So gab es bei „The Green Lie“ gezielte Schulvorstellungen, bei denen Regisseur Werner Boote vor Ort mit den Schülern diskutierte.

Flair zieht Gäste aus ganzem Waldviertel an

Außerdem kooperiert das Stadtkino immer wieder mit anderen Organisationen und Vereinen zu Schwerpunktthemen, etwa Slowfood Horn, dem Weltladen, der Pfarre, dem Lionsclub, dem Alpenverein oder demnächst mit der Diözese St. Pölten, die allen Sternsingern aus dem Bezirk einen Besuch im Stadtkino ermöglicht. Ein besonderes Highlight wartet am 25. Jänner auf Kinofans. Da wird die Doku „Blue Heart“ über die letzten unberührten Flüsse Europas in Kooperation mit der Bürgerbewegung „Lebendiger Kamp“ gezeigt.

Als weitere Highlights für 2019 hat das Stadtkino Horn mit „Green Book“ (Golden Globe für den besten Film, Start nach der gut besuchten Vorpremiere am 30. Dezember im Februar), den Österreich-Film „Love Machine“ mit Thomas Stipsits (auch ab Februar) und „Monsieur Claude und seine Töchter 2“ im April im Programm. Auch der große Oscar-Favorit „The Favourite“ wird 2019 im Stadtkino zu sehen sein.

Mit dem Mix aus Dokumentationen – abgerundet mit Diskussionen und Besuchen der Protagonisten im Stadtkino – und Blockbustern will das Stadtkino sein Publikum 2019 wieder verwöhnen. Man habe zwar nicht „das ganz junge Publikum“, das Stammpublikum – darunter auch viele Gäste aus dem oberen Waldviertel – schätze aber die persönliche Betreuung und das Flair im Stadtkino, das sich „bemüht, ein Kino wie früher zu sein“, so Meingast.

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