Waldbrand in Frankreich: In Geisterstädten und Mondlandschaft

Erstellt am 16. August 2022 | 08:47
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Walter Fröhlich-Sindelir und Matthias Winkelmüller sind mit dem Pick-Up der Geraser Wehr in Frankreich.
Foto: privat
Mit Wolfgang Riener, Walter Fröhlich-Sindelir und Matthias Winkelmüller sind drei Waldbrand-Profis aus dem Bezirk Horn derzeit bei Großbrand in der Nähe von Bordeaux im Einsatz.

„Man fährt durch Geisterstädte und eine Mondlandschaft – dieser Brand hat Dimensionen, die kann man sich bei uns nicht vorstellen“ – mit diesen Worten meldete sich Zugskommandant Wolfgang Riener in einer Einsatzpause am Montag kurz vor Redaktionsschluss bei der Horner NÖN. Er ist derzeit gemeinsam mit seinen Kameraden Walter Fröhlich-Sindelir und Matthias Winkelmüller bei den rund um Bordeaux in Westfrankreich tobenden verheerenden Waldbränden im Einsatz – vermutlich noch bis Donnerstag.

In dieser Region wüten seit Wochen größere Waldbrände, insgesamt wurden 14.000 Hektar Wald zerstört. Allerdings, so Riener: „Der Wald dort ist nicht mit Wald bei uns vergleichbar.“ In erster Linie brannten Pinienplantagen ab, in denen Pinienbäume in Reih und Glied stehen: „Dort kann man mit dem Auto zwischen den Reihen durchfahren“, beschreibt Riener. Aber nicht nur der Zustand der Vegetation – „sie schaut wie eine Mondlandschaft aus“ – ist beängstigend. Auch die verlassenen Ortschaften – die Bevölkerung wurde geordnet in Bussen evakuiert – glichen bei der Ankunft der Einsatzkräfte aus Niederösterreich Mitte der Vorwoche Geisterstädten.

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Durch die Reihen der abgebrannten Pinien-Plantagen könnte man derzeit auch mit Fahrzeugen fahren.
Foto: Foto privat

Zu diesem Zeitpunkt hatte Frankreich ein Ansuchen über den EU-Mechanismus um Hilfe gestellt. Und das, obwohl Frankreich viel Erfahrung bei der Waldbrandbekämpfung habe und die Wehren dort gut gerüstet sind: „Normalerweise sind es die Franzosen, die anderen helfen. Wenn sie selbst um Hilfe ansuchen, zeigt das, wie schwierig die Lage vor Ort ist“, sagt Riener. Vor allem der Mangel an freien Löschflugzeugen hatte für Probleme gesorgt.

Dank Leistung: Aus Skepsis wurde großer Respekt

Bei der Ankunft seien die Einsatzkräfte aus dem kleinen und mit wenig Waldbrand-Erfahrung ausgestatteten Österreich von den einheimischen Einsatzkräften noch etwas kritisch betrachtet worden. Der anfänglichen Skepsis ist dann aber dank der Leistung der niederösterreichischen Feuerwehrmitglieder großer Respekt und Dankbarkeit gewichen, sagt Riener. Man habe die Franzosen sowohl durch die Professionalität beim Camp-Aufbau, durch die gute Logistik und auch die Arbeit direkt am Brandgeschehen überzeugen können. Die Kommunikation mit den heimischen Einsatzkräften wird über zwei Verbindungsoffiziere abgewickelt, wobei einer englisch, der andere perfekt deutsch spricht.

Groß ist aber laut Riener auch der Dank der langsam zurückkehrenden Bevölkerung. Nachdem Niederschläge in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine gewisse Entspannung gebracht haben, darf die Bevölkerung wieder in ihre Häuser zurück. Viele davon engagieren sich als freiwillige Helfer bei der Verpflegung der Feuerwehr-Mitglieder. Rund um das Camp sei so etwas wie eine kleine Stadt entstanden, in der sich die Einsatzkräfte in ihren Pausen sogar von Freiwilligen massieren lassen können.

Schon im Vorfeld des Einsatzes sagte Riener zur NÖN, dass jeder Waldbrand-Einsatz – zuletzt waren die Horner Florianis wie berichtet bei den Waldbränden in Hirschwang an der Rax bzw. Nordmazedonien im Einsatz – eine neue Herausforderung im Kopf sei. Im Bezirk gibt es aktuell einen Pool an speziell für die Waldbrand-Bekämpfung ausgebildeten Mitgliedern – landesweit soll es künftig insgesamt 600 davon geben. Im Bezirk wird es neben Geras künftig auch in Frauenhofen einen Waldbrand-Pick-Up geben.

Für beide soll es jeweils acht Mitglieder (vier fix, vier Reserve) geben, zu diesen insgesamt 16 Spezialisten soll es weitere rund 10 Mitglieder im Bezirk geben, die auf Waldbrandbekämpfung spezialisiert sind. Um für den Ernstfall bestens gerüstet zu sein, gilt bei den Wehren derzeit neben der Beübung von Blackout-Szenarien der Übungsschwerpunkt auch der Wald- und Flurbrandbekämpfung. Erst in der Vorwoche haben die Wehren aus Geras, Hötzelsdorf und Kottaun eine solche Übung abgehalten.