Irnfritzer Start-up: Mit Naturpools gegen Verschwendung. Der Irnfritzer Mathias Gabler will mit seinem Start-Up und „Naturpools“ Alternative zu Chlorbecken etablieren.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 04. März 2021 (04:03)

Wer braucht schon chemische Wasseraufbereitung, wenn die Natur eh alles selber kann? Das ist das große Credo hinter den Naturpools. Das Zauberwort heißt Biofilm. Mithilfe dessen soll der Pool auch ohne Chlorzusatz sauber bleiben. Die Methode sorgte in den letzten Jahren für einige Wellen im Poolbereich.

Auch im Waldviertel sind die Naturpools mittlerweile angekommen. Wenn man sich hier auf die Suche begibt, stößt man schnell auf den Namen Mathias Gabler. Der Irnfritzer setzt mit seinem kürzlich gegründeten Start-up „dernaturpool“ voll auf den Trend. Gemeinsam mit dem Vertriebspartner, dem auf Naturpools spezialisierten Salzburger Unternehmen „Biofermenta“, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, für chemiefreie Badeoasen in der Region zu sorgen.

„Einen Berg in den Garten zu versetzen ist unmöglich, dort eine dauerhafte, klare Ruheoase zu erschaffen aber schon.“ Mathias Gabler

Leistbar und leicht zu realisieren. „Allein schon der Gedanke, in einem Pool mit chemischer Wasseraufbereitung zu schwimmen oder Kindern diesen zuzumuten und dann noch jedes Jahr das Wasser wechseln zu müssen, spricht gegen Chlorbecken“, meint Gabler. Die Anschaffung eines Naturpools sei in keiner Weise aufwendiger als ein herkömmlicher Pool. „Mit dem richtigen Know-how ist ein Naturpool für jeden realisierbar, leistbar und umsetzbar.“

Das Herzstück der Pools ist die von „Biofermenta“-Geschäftsführer Heimo Kurzmann entwickelte Filtertechnik. „Ein Kalkstein-Kies Filter wird rund um die Uhr gleichmäßig durchströmt“, erklärt Gabler. „Im Filter bildet sich dabei ein Biofilm. Das ist eine Lebensgemeinschaft aus Bakterien, Algen und anderen Mikroorganismen. Der Biofilm entzieht dem Wasser alle Nährstoffe, bindet Phosphate und zaubert damit kristallklares und chemiefreies Wasser.“ Das Prinzip sei ähnlich dem eines fließenden Gebirgsflusses. Das heißt auch: nie wieder rote Augen nach dem Tauchgang.

Ein Zeichen gegen die Wasserverschwendung. Vorteile gibts es natürlich noch viele mehr. So sind die Naturpools deutlich ressourcenschonender. Das Wasser müsse laut Gabler nicht so oft gewechselt werden und auch im Winter könne der Pool gefüllt bleiben. „Gerade in der heutigen Zeit sollte der Natur- und Klimaschutz an oberster Stelle stehen. Mit dem System kann man der Verschwendung von Wasserressourcen entgegenwirken“, betont der Pool-Experte. In weiterer Folge gibt es dann noch den nicht ganz unwesentlichen Wohlfühlfaktor. „Man spürt den Unterschied im Wasser.“

Schon immer von Technik fasziniert. Die Begeisterung für die Technik ist bei dem Irnfritzer deutlich zu spüren. Die war auch schon lange vor dem Schritt zum eigenen Start-up da. „Ob beim Mountainbiken, Skifahren oder Wandern, mich haben die unberührte Natur, die Berge und die klaren Gewässer schon immer fasziniert. Die Energie, die man dort aufzusaugen und zu speichern vermag, ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Lebensphilosophie.“ Daraus entstand schließlich die Frage, wie man diese Energie auch nach Hause bringen kann. „Einen Berg in den Garten zu versetzen ist unmöglich, dort eine dauerhafte, klare Wasser-Ruheoase zu erschaffen aber schon – einen Naturpool mit perfekter Wasserqualität im Garten.“ Als Magister der Naturwissenschaften recherchierte Gabler intensiv zum Thema natürliche Wasseraufbereitung und stieß dabei auf den jetzigen Partner „Biofermenta“. Schon war die Idee geboren, den Naturpool auch ins Waldviertel (und darüber hinaus) zu bringen.

Die Zeichen lassen jedenfalls hoffen. Online-Suchanfragen zu Folge werden Naturpools immer beliebter. Gerade jetzt machen sich viele Menschen Gedanken über kommende Projekte im Sommer. Auch der Urlaub im eigenen Garten gewinnt in Coronazeiten an Bedeutung, da über Auslandsreisen im Sommer immer noch ein großes Fragezeichen steht.

Schritt für Schritt zur Realisierung. Wie sieht also der Weg zum Naturpool im eigenen Garten aus? „Zuerst arbeite ich gemeinsam mit dem Kunden am Design und der Planung des Pools und entscheide über das dafür am besten geeignete Filtersystem“, schildert Gabler. Im Anschluss folgt der Rohbau und die Verlegung der Folie, entweder in Eigenregie oder mithilfe einer Fachfirma. Bei dem Filtersystem kommt schließlich wieder Mathias Gabler ins Spiel und kümmert sich um die korrekte Installation. „Bis auf den Filter kann mit ein wenig Geschick eigentlich alles selbst gemacht werden“, erklärt der Fachmann. Vor allem für Hobby-Handwerker eine sinnvolle Alternative, um Kosten zu sparen.

Klare Formen im minimalistischen Design. Und wie sehen die Schwimmbecken selbst aus? Lange dominierten weiche und runde Formen die Poollandschaft. „Bereits in den vergangenen Jahren ebbte dieser Trend ab“, erklärt Gabler. „Käufer entscheiden sich zunehmend für rechteckige, klare Formen. Schlankes und minimalistisches Pool-Design ist auf jeden Fall ein Trend.“ Nicht nur hinsichtlich des Designs gibt es Veränderungen. Auch die bevorzugte Größe der Pools hat sich verändert. „Je größer ein Pool, desto mehr ist er ein Statussymbol. Diese Prämisse galt früher, hier haben wir einen starken Wandel erlebt.“ Mittlerweile gelte der Pool mehr als eine private Oase, gerade in Zeiten der Coronakrise. Die Größe sei irrelevant. „Das liegt wohl auch daran, dass oftmals nicht mehr so viel Grundstücksfläche wie früher verfügbar ist“, spekuliert Gabler. Naturpools sind aber auch bei wenig vorhandener Grünfläche kein Ding der Unmöglichkeit. Den Irrglauben, dass für einen Naturpool große Flächen benötigt werden, kann der Experte widerlegen. Für alle, die bereits einen Pool haben, heißt es auch nicht verzagen. Die Umrüstung zum Naturpool ist möglich.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Vision Gablers Früchte tragen wird. Im Sommer könnten schon die ersten Naturpools von Mathias Gabler aus dem Boden sprießen und für klares Gebirgswasser im Waldviertel sorgen.