Kommandant Hausleitner: „Bin ein wenig beunruhigt“. Kasernen-Kommandant Hausleitner über die jüngsten Coronafälle im Bezirk Horn und wo er die Problemlage sieht.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. September 2020 (04:55)
Andreas Hausleitner: „Ich setze mich für ein Screening am Eingang ein.“
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Kommandant Andreas Hausleitner atmete im März auf, als ein Verdachtsfall unter den Soldaten doch keine Corona-Infektion aufgewiesen hatte, doch jetzt hat sich in der Radetzky-Kaserne ein Cluster gebildet.

NÖN: Wie verlief Woche nach Bekanntwerden der Coronafälle?

Andreas Hausleitner: Es waren extrem turbulente Tage, mein Telefon hat geglüht. Aber ich bin bei 45 Dienstjahren ein alter Hase (lächelt) . Wer kann besser mit Krisen umgehen als das österreichische Bundesheer?

Ich möchte eines klarstellen: Es handelt sich bei den betroffenen Soldaten um die Wiener Garde, die heuer im zehnten Jahr in Horn ihre Ausbildung absolviert. Ein Soldat hatte im Heeressanitätszentrum Ost auf der Orthopädie eine Untersuchung und wurde dort getestet. Das Ergebnis war positiv.

Wie hat man dann reagiert?

Hausleitner: Wir haben danach die gesamte Gardekompanie testen lassen, das sind derzeit 200 Soldaten. 15 Personen waren positiv: Alle sind in Heimquarantäne, werden am Wochenende noch mal getestet und kommen am Montag zurück, wenn das Ergebnis negativ ist. Wir haben auch alle Soldaten und Zivilpersonen der Garnison Horn testen lassen. Das Ergebnis war bei allen negativ.

Liefen die Tests reibungslos ab?

Hausleitner: Das organisiert das Amt für Rüstung- und Wehrtechnik, in Zusammenarbeit mit unserem Sanitätspersonal, die sehr professionell gearbeitet haben. Das hat ausgezeichnet funktioniert. Wir hatten schon am Abend die Ergebnisse.

Wie hat man sich in den letzten Monaten vorbereiten können?

Hausleitner: Wir hatten vom 12. auf den 13. März erstmals einen Verdachtsfall gehabt, zu dem Zeitpunkt hatten wir schon alle Vorkehrungen nach Vorgabe der Vorgesetzten mit allen Kompanien abgesprochen: Vorbereitung von Quarantäne-Zimmern, die Einrichtung von Sicherheitszonen und die verpflegsmäßige Vorbereitung. Das Garde-Gebäude wurde geschlossen, das Essen wurde vor die Tür gestellt und von den Soldaten der Garde abgeholt. Das Einweggeschirr wurde entsorgt. Nach zwei Tagen hat sich dann herausgestellt, dass der Soldat negativ war.

Wie sehen die Corona-Präventivmaßnahmen aus?

Hausleitner: Wir halten Abstand, man kann sich überall die Hände desinfizieren und wir haben unseren Mund-Nasen-Schutz, der erst beim Essenstisch abgenommen wird. Das Problem ist, dass wir im Gebäude, wo die Garde untergebracht ist, nicht auflockern können. Acht Soldaten liegen in einem Zimmer, ich kann keine Zimmer für zwei oder drei Personen machen. Es kann sein, dass wieder ein Cluster entsteht.

Gibt es keine Ausweichmöglichkeiten am Areal?

Hausleitner: Wir haben hier keinen Platz mehr, bei uns wird auch noch ein Assistenzzug untergebracht. Die zweite Kompanie kommt am 23. September vom Assistenzeinsatz aus dem Burgenland zurück. Eine Möglichkeit wäre, die Garde nach Allentsteig zu verlegen, aber das müsste mein vorgesetztes Kommando befehlen. Diese Situation beunruhigt mich ein wenig.

Warum?

Hausleitner: Die Garde darf am Abend rausgehen. Sie hält sich in der Stadt auf und fährt übers Wochenende nach Wien zurück, wo die Ampel auf orange steht. Wir können die Garde-Soldaten auf der anderen Seite nicht einsperren. Ich setze mich dafür ein, dass wir ein Screening beim Eingang machen. Das ABC-Abwehrzentrum war außerdem am Freitag bei uns, um das Garde-Gebäude und den Speisesaal zu dekontaminieren, und überall dort, wo sich Garde-Soldaten aufhielten. Ein Experte war dabei, er hat uns seine Unterstützung zugesagt und wir werden mit seiner Hilfe einen Bericht mit Vorschlägen, sodass nicht wieder ein Cluster entsteht, zum Streitkräfteführungskommando schicken.