Neukirchen: Die Dollfuß-Tafel ist weg. Renovierte Tafel wurde während Sanierungsarbeiten von Kriegerdenkmal in Neukirchen (Gemeinde Brunn an der Wild, Bezirk Horn) entwendet.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 03. Oktober 2018 (06:25)
ÖKB-Obmann Kurt Stefal hofft, dass der Dieb der „Dollfuß-Tafel“ (Foto rechts) diese zurückgibt. Ansonsten soll für das Kriegerdenkmal in Neukirchen eine neue Tafel angeschafft werden. Fotos: Weikertschläger, Archiv
Weikertschläger, Archiv

Große Aufregung herrscht derzeit im beschaulichen Örtchen Neukirchen. Der Grund dafür: Vom Kriegerdenkmal am Friedhof wurde am 26. September die eben restaurierte Gedenktafel an Engelbert Dollfuß gestohlen.

Debatten um Tafel schon bei ihrer Ankunft

Die Tafel hatte schon in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt. Zuletzt war sie vor fünf Jahren ins Gerede gekommen, als in Kattau in der Gemeinde Meiseldorf der damalige „Dollfuß-Platz“ umbenannt wurde.

Die gestohlene Dollfuß-Tafel aus Neukirchen (Gemeinde Brunn)
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Damals wurden auch in Neukirchen Stimmen laut, die Tafel, die an den „Ständestaat-Bundeskanzler“ erinnert, zu entfernen. Da weder der damalige Kameradschaftsbund-Obmann Josef Schütz noch Pfarrer Andreas Wingen damals einen Grund für die Entfernung der Tafel gesehen haben, blieb sie bis zuletzt erhalten.

Jetzt dürfte ein Befürworter der Demontage der Tafel die Möglichkeit ergriffen haben, während der laufenden Sanierungsarbeiten am 1919 errichteten Kriegerdenkmal die Tafel zu entwenden. Auch im Zuge der Sanierungsarbeiten habe es Überlegungen gegeben, die Tafel zu entfernen, berichtet Kurt Stefal, Obmann des Kameradschaftsbundes Fuglau und Umgebung. Da man aber den Auftrag gehabt habe, das Denkmal so wieder herzustellen, wie es gewesen ist, habe man auch die Dollfuß-Tafel restaurieren lassen.

Neu-Anfertigung: Mehrkosten von bis zu 400 Euro

Im Zuge der Sanierung, die rund 6.000 Euro kostet und aus Spendengeldern sowie Mitteln des ÖKB und der Gemeinden Brunn, St. Bernhard und Röhrenbach finanziert wird, wurden bereits die Tafeln, die die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs tragen, restauriert. Die weiteren Tafeln, auf denen die Gefallenen des Ersten Weltkriegs samt Bildern verzeichnet sind, werden demnächst wieder am Denkmal angebracht. Auch die Bäume neben dem Denkmal wurden entfernt, da ihre Wurzeln das Denkmal bereits gehoben hatten.

Wie man mit der verschwundenen Dollfuß-Tafel nun vorgehen will? „Wir haben bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Aber wir hoffen, dass der Täter die Tafel zurück- bringt. Vielleicht deponiert er sie ja wieder beim Kriegerdenkmal“, meint Stefal.

Wenn sie nicht auftaucht, dann will man bis zur Segnung des Kriegerdenkmals zu Allerheiligen allerdings eine neue Dollfuß-Tafel anfertigen lassen. „Das würde Mehrkosten in Höhe von 300 bis 400 Euro bedeuten. Außerdem: Auch wenn man die Tafel weggibt, kann man die Geschichte nicht ungeschehen machen“, begründet Stefal die geplante Vorgehensweise.

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