Paar saugte Diesel aus Tank ab. 200 Liter hätten gefehlt, die Menge verringerte sich aber während des Prozesses.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 29. September 2019 (04:37)
Symbolfoto: Shutterstock/ AleSalM
Pärchen saugte Diesel ab, damit die 30-Jährige am nächsten Tag zur Arbeit fahren konnte.

Ein Paar drang im Mai auf ein Firmengelände ein – und verließ es wieder mit gestohlenem Diesel. Die Idee dazu hatte die 30-Jährige aus Dietmanns: „Das war eine Notsituation“, habe sie am nächsten Tag zur Arbeit wollen. „Das war alles eine einmalige Geschichte und wird auch nicht mehr vorkommen.“

Die Tat führte sie mit ihrem Freund aus: „Ich muss ehrlich sagen: Ich habe mich drei Mal ang’spieben“, saugte er den Treibstoff mit dem Mund ab, dieser sei dann langsam in einen Kanister geronnen. 200 Liter sollen geflossen sein, diese große Menge streiten beide ab. Der 25-Jährige habe schon Kraft, „aber die muss man mal zum Auto tragen“. Man hätte dafür die ganze Nacht und ein größeres Fahrzeug gebraucht.

Lediglich einen Kanister mit maximal 25 Litern will das Paar mitgenommen haben. Der Eigentümer bestreitet selbst, dass 200 Liter gefehlt hätten. Er wisse nicht, wie diese Angabe im Polizeibericht gelandet sei. Er hätte ihn sich auch nicht genau durchgelesen, weil er unter Zeitdruck gestanden sei. Es seien 60 bis 90 Liter Treibstoff gewesen. Einer seiner Maschinenschlüssel habe gefehlt, ersetzt will er zumindest 60 Liter Diesel mit 69 Euro haben.

„Was ist jetzt mit dem einen Kanister?“

Und der Geschäftsführer legt Bezirksrichter Thomas Brandstetter weitere Überwachungsfotos vor, die die Polizei nicht einbehielt. „Was ist jetzt mit dem einen Kanister“, zeigte Brandstetter der Erstangeklagten das Bild, wo zwei der Füllbehälter gerade getragen werden. „Ich mache das nicht professionell ...“, so die Frau. „Gerade dann müssen sie sich erinnern können!“ Dann seien es wohl zwei Kanister gewesen, aber „es waren 30 Liter und nicht mehr“.

Ihr Partner spricht jetzt von 40 Litern. „Ich würde die 69 Euro aufstocken auf 100“, meint der mehrfach vorbestrafte Zweitangeklagte. Das könne er sich mit dem Firmeninhaber ausmachen, verweist Brandstetter auf die bereits festgelegte Schadenshöhe. Der Mann bittet um ein mildes Urteil.

Seine Bewährungshelferin spricht von einer krisenhaften Zeit, die er erlebt habe, und finanziellen Engpässen. Er habe dann selbstständig Arbeit gefunden und die Suchtproblematik in Griff bekommen. „Ich bin zuversichtlich“, lautet ihr Fazit. „Vielleicht haben sie den Maschinenschlüssel genommen, an einen Vorsatz glaube ich nicht“, schließt Brandstetter die Verhandlung.

Für den Diebstahl von 60 Liter Diesel erhielt die 30-Jährige eine 400 Euro-Geldstrafe. Fünf Monate bedingt lautet das Urteil für ihren Freund,„aufgrund des guten Berichtes der Bewährungshelferin und des relativ geringfügigen Deliktes“, begründet der Richter. Beide müssen die 69 Euro bezahlen.