Den Garten auf dem Ladentisch in Wartberg. Jeder Wartberger, der frühes Obst und Gemüse verkaufen will, kann dies am 14. Juli am Anger tun. Ein Dorferneuerungsprojekt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 08. Mai 2021 (03:10)
Der Dorferneuerungsverein hat vor über 20 Jahren mit dem Spielplatz einen Akzent gesetzt, 2021 werden Nahversorgungsprojekte angepackt (v.l.): Helene Hofbauer, Obfrau Maria Weber, Günther Fritthum, Werner Prokop mit seinem sechs Monate jungen Sohn Elias und seiner Frau Leopoldine sowie Bürgermeister Andreas Fleischl.
Karin Widhalm, Karin Widhalm

1842 erhielt Wartberg das Marktrecht: Das Dorf war mit seiner von Weitem sichtbaren Kirche und den dort abgehaltenen Messen ein Anziehungspunkt für Gläubige – und damit für Händler, die am Kirchenberg ihre Waren feilboten. 2021 wird sozusagen der Markt zurückkehren, der Standort und die dahinterstehenden Motive sind aber durchaus andere.

Die Initiative geht vom Dorf, das 80 Häuser und 120 Einwohner hat, selbst aus. Der wiederbelebte Dorferneuerungsverein hat sich in seinem Anfangsprozess, begleitet von „NÖ.Regional“ mit den Fragen auseinandergesetzt: Was wollen wir? Der Verein bemüht sich seitdem um die Entstehung eines Dorfhauses (wie berichtet). „Wir müssen schauen, wie wir’s wirklich finanzieren können“, erklärt Bürgermeister Andreas Fleischl, dass dies noch nicht klar ist. Bis dahin wird das Team an anderer Stelle aktiv.

„Das Ganze ist gemeinschaftsfördernd, klimaunterstützend und regional stärkend.“ Günther Fritthum über den Dorfmarkt

Wäre denn nicht ein Nahversorger interessant? Die Idee ist in einem der Gespräche aufgeploppt: Günther Fritthum, Werner Prokop und Helene Hofbauer haben eine Kleingruppe gebildet, um ausloten zu können, was in diesem Bereich möglich ist. Und siehe da: Man hat gleich drei Schienen ins Auge gefasst.

Erstens: Ein Markt soll drei Mal im Jahr und erstmals am 14. Juli stattfinden. Jeder Wartberger kann seine abgewogenen und „möglichst umweltfreundlich“ verpackten Lebensmittel (wie Zucchini oder Marillen) am Anger verkaufen. Obfrau Maria Weber will Mehlspeisen backen. „Das Ganze ist gemeinschaftsförderend, klimaunterstützend und regional stärkend“, betont Fritthum.

Der zweite Markt wird im August stattfinden, der dritte Termin wird vor dem Nationalfeiertag angesetzt, um Gemüse einlagern oder Obst einkochen zu können. Nachbarortschaften sollen einbezogen werden, um das Lebensmittelangebot (etwa um Getreide oder Kraut) erweitern zu können.

Zweitens: Ein kleiner Selbstbedienungsladen wird entstehen. Der Bürgermeister stellt hierfür die alte Gemeindekanzlei zur Verfügung. Der Raum wird geteilt und ein schon bestellter Automat, gefüllt mit Lebensmitteln, wird dort platziert. Die Umrüstung erfolgt im Mai, der Betrieb soll im Juni starten.

Der Verein arbeitet hierfür mit Nahversorger Neuhold-Bertow in Sitzendorf zusammen. Brot, Speck, Milch, Topfen, Naschereien, Wurstsemmeln und Getränke sind so rund um die Uhr verfügbar.

Drittens: Jeder im Dorf soll wissen, welche Direktvermarkter vor Ort oder in der Nähe zu finden sind. Die kleine Gruppe rund um Fritthum arbeitet gerade an der Gestaltung eines Folders, reichlich gefüllt mit Informationen. Das Kleine, aber Feine soll aufgezeigt werden.

Zum Beispiel: Ein Wartberger hat Nussbäume, bietet aber die kernige Frucht nicht aktiv an. Wenn er allerdings gefragt wird, verkauft er diese sehr wohl. Nur muss der Käufer erst wissen, wer was anzubieten hat: Diese Wissenlücke schließt der Folder, der laufend aktualisiert werden soll.

„Wir eröffnen die Möglichkeiten, sodass man sieht, was es alles vor Ort gibt“, führt Fritthum aus. Den Preis, die Menge und alles Weitere machen sich die Beteiligten untereinander aus. Und so tritt nebenbei eines ein: „Die Leute kommen miteinander ins Gespräch.“

Spielplatz, ein Fest und reichlich Lesestoff

Dorfhaus und Nahversorgung sind die zwei höchst priorisierten Projekte. Der Spielplatz soll zudem modernisiert werden. Dieser besteht seit über 20 Jahren: Die Initiative setzten Menschen, die später den Dorferneuerungsverein gründen sollten. Die Mitglieder erinnern sich noch heute an die gut besuchten Spielplatzfeste, die zur Stärkung der Kommunikation wieder organisiert werden sollen. Die Erneuerung eines Buswartehäuschens steht zudem auf der Agenda, außerdem soll ein Sitzplatz in der Nähe der Leonhard-Kirche und eine kleine Bücherei entstehen.

Vielleicht wird eine alte Telefonzelle mit Lesestoff gefüllt oder vielleicht nutzt man gleich die Gemeindekanzlei dafür: Paletten werden als Raumteiler genutzt, die könnten ja mit Büchern bestückt werden, schlägt Bürgermeister Fleischl vor. Seine Idee kommt gut an.

Die Motivation unter den Vereinsmitgliedern ist spürbar und sie sind gespannt, wie die Ideen angenommen werden. „Es ist wichtig, dass man etwas miteinander macht. Es geht ausdrücklich nicht ums Geld oder um persönliche Bereicherung, sondern um die ideelle Einstellung und die Grundwerte“, betont Fritthum. „Wir wollen gemeinsam etwas fürs Dorf tun.“