500. Auflage der Bürgerrunde: Gründer im Interview. Demnächst steigt die 500. Auflage in Gars. Anton Schrammel hat sie erfunden und moderiert sie immer noch.

Von Gerhard Baumrucker. Erstellt am 30. März 2019 (05:15)
Gerhard Baumrucker
Von jedem Jahr seit 1977 hat Anton Schrammel ein Buch mit seinen Notizen zu den Bürgerrunden aufgehoben. Auch Zeitungssausschnitte wie aus 1988 anlässlich 70 Jahre Gründung der 1. Republik.

Nächste Woche, genau am Donnerstag, 4. April, wird um 19.30 Uhr im Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“ die 500. Bürgerrunde stattfinden. Aus diesem Anlass hat NÖN-Mitarbeiter Gerhard Baumrucker Alt-Bürgermeister Anton Schrammel, den „Vater“ und Moderator dieser allmonatlichen Treffen, zu einem Gespräch getroffen.

NÖN: Die Bürgerrunden sind nun im 42. Jahr seit ihrer Gründung. Wie kam es dazu?

Anton Schrammel: Als damals der geschäftsführende Gemeinderat der Marktgemeinde Gars war ich unter anderem auch Mitglied der Arbeitsgruppe „Gars 2000“, die sich alle 14 Tage getroffen hat, um Ziele und Impulse für die Garser Wirtschaft und den Tourismus zu erarbeiten. Mit deren Ende kam mir die Idee der Bürgerrunde, um in diesem Sinne weiter zu tun.

Wann wurde sie gegründet und welches Motto gaben Sie ihr?

Zur Gründung kam es am 7. Juni 1977 im Gasthaus Klackl. Wie schon der Name sagt, sind alle Bürger bzw. Bewohner der Gemeinde zur Teilnahme eingeladen. Unsere monatlichen Treffen haben keine fixe Tagesordnung, sie sind überparteilich, jeder kann kommen und sich Informationen über Aktuelles aus der Gemeinde und Wirtschaft holen. Vor allem aber sollen die Bürger selbst Vorschläge und Hinweise auf eventuelle Probleme in der Gemeinde einbringen. Daher gehen wir auch hinaus in die verschiedenen Katastralgemeinden, um dort die Anliegen der Bewohner zu hören.

„Auch der Viktualienmarkt, der heuer 30 Jahre alt wird, hat mit der Bürgerrunde, „Gars 2000“ und mit mir als dem Namensgeber zu tun.“

Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?

Selbstverständlich, und außerdem habe ich jede einzelne Runde in einem Kalender festgehalten. Eine der ersten Bürgerrunden wurde bei einer Radio-Sendung 1979 anlässlich 700 Jahre Markterhebung Gars vorgestellt als Einrichtung, die es sonst nirgends im Land gibt.

Wie funktioniert eigentlich so eine Bürgerrunde?

Ich lade Referenten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Verwaltung ein. Wir hatten zum Beispiel Gesundheitspapst Willi Dungl, Ausgrabungsleiter Herwig Friesinger oder Wirtschaftskämmerer Günther Stummvoll hier. In letzter Zeit ist Gemeinderat Alfred Gundinger unsere wichtigste Informationsquelle. Das Bürgerecho ist derzeit allerdings leider gering. Offenbar ist man mit der Gemeinde zufrieden.

Was hat sich in den vielen Jahren geändert?

Ich bedaure das mangelnde Interesse unserer Gemeindevertreter an den Bürgerrunden. Und ich vermisse sehr die musikalische Begleitung durch Josef Jungwirth, der jahrzehntelang mit seiner Harmonika zum fröhlichen Mitsingen aufspielte. Ich danke ihm dafür recht herzlich.

Was haben Ihrer Meinung nach die Bürgerrunden bewirkt?

Wir haben mit den Bürgern schon einiges aufzeigen können. Im Besonderen verweise ich auf die Bürgermusikkapelle Gars hin, sie ist quasi mein Kind, ein Kind der Bürgerrunde. Damals, vor 42 Jahren, war die Blasmusik nicht so gefragt, aber ich habe an sie geglaubt und mit der Hilfe von Julius Buhl sen. aufgebaut. Damals gab es nur mehr vier uns bekannte Blasmusiker, aber als wir Horst Gruber als Kapellmeister gewinnen konnten, ist mit den Jahren sehr bald ein großartiger Klangkörper daraus geworden. Und auch der Viktualienmarkt, der heuer 30 Jahre alt wird, hat mit der Bürgerrunde, „Gars 2000“ und mit mir als dem Namensgeber zu tun.

Sie werden in wenigen Tagen 90 Jahre alt. Denken Sie eigentlich ans Aufhören?

Daran denke ich keinesfalls, es geht weiter. Allerdings suche ich schon einen Nachfolger, dem ich meine Bürgerrunden anvertrauen kann. Immerhin sind sie eine Institution, die es in dieser Form und Dauer kein zweites Mal in unserem Land gibt. Ich bin zuversichtlich, dass meine Stammgäste auch weiterhin treu bleiben werden.