Interview mit Gräff: „Mensch muss im Mittelpunkt stehen!“

Erstellt am 29. November 2022 | 08:44
Lesezeit: 4 Min
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Matthias Laurenz Gräff und Indra Collini, Landessprecherin und Klubobfrau NEOS Niederösterreich vor dem Garser Rathaus.
Foto: GeorgiaKazantzidu
Im NÖN-Gespräch äußert Matthias Laurenz Gräff, Kandidat der NEOS im Waldviertel, Gedanken zu seinem Polit-Einstieg.

Der in Zitternberg wohnhafte Akademische Maler Matthias Laurenz Gräff (38) über seinen Einstieg in die Parteipolitik und über Gedanken zur Politik im Allgemeinen und zur Gesellschaft. Gräff ist neuer Gemeindesprecher in Gars und Waldviertler NEOS-Kandidat für die Landtagswahlen 2023.

NÖN: Was war Ihr Beweggrund, in die Parteipolitik zu gehen?

Matthias Laurenz Gräff: Jeder Mensch ist Teil der Politik. Unter diesem Aspekt ist auch die Aussage des Aristoteles, der Mensch sei ein „zoon politikon“, ein politisches Wesen, zu verstehen. Es liegt ganz einfach in der Natur der Sache, dass sich der Mensch mittels vielfältiger Themen in der Gesellschaft an der Politik beteiligt.

Warum sind Sie parteipolitisch gerade bei NEOS tätig?

Gräff: Die NEOS stellen für mich eine gute Antwort zum vorherrschenden parteipolitischen Zwist, dem überbordenden Proporz und einem daraus resultierenden gesellschaftspolitischen Stillstand dar. Sie präsentieren eine andere Sicht der Dinge, etwas, das wir jetzt in unserer stagnierenden Situation benötigen. Leider sind die staatlichen Institutionen, das heißt unser aller Institutionen, zumeist den diversen Parteien und deren Funktionären dienlich, aber nicht uns Bürgern.

Was sind Ihre persönlichen Ziele in der Politik?

Gräff: Parteipolitik ist kein Beruf und schon gar kein Selbstzweck. Darum ist hier nicht so sehr meine persönliche Zielsetzung maßgeblich. Ich glaube, es ist höchste Zeit, nach all den Krisen und Skandalen national wie international das Leben für alle wieder etwas lebenswerter zu gestalten. Daran müssen wir alle, ob parteipolitisch engagiert oder nicht, mitarbeiten. Gute Politik muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen, und das muss das primäre Ziel sein.

Welche Themen sind Ihnen persönlich wichtig?

Gräff: Weg vom Überwachungsstaat, der bevormundet, vom gläsernen Menschen hin zum mündigen und freien Bürger. Die Politik ist dazu da, dem Einzelnen mehr Möglichkeiten im Bereich des Erlernens, der Bildung, und daraus folgend des Berufes und des Fortkommens zu bieten, eine funktionierende Balance zu gewährleisten.

Haben Sie als Selbstständiger auch weitere Anliegen?

Gräff: Ein weiteres negatives Beispiel ist für mich die eingeschränkte, hoch besteuerte Gewerbefreiheit. Es gibt viel zu viele Auflagen etwa bei den Öffnungszeiten oder den hohen Steuersätzen. Den Menschen bleibt nur das Auspendeln in Ballungsräume, um ein angemessenes Gehalt zu erwirtschaften, aber die verlieren Lebensqualität. Es bräuchte wesentlich höhere Anreize und Unterstützung für Jungunternehmer. In Summe sehe ich die Probleme bei einem ineffizient gewordenen Staat, dessen Verwaltung in einer groß angelegten Misswirtschaft untergegangen ist. Weiters meine ich, dass wir uns der Frage nach einer gerechten Entlohnung der Arbeitsleistung sowie den Fragen nach einem Bürgergeld oder Grundeinkommen nicht verschließen sollten.

Was denken Sie sollte sich im Allgemeinen bei den politischen Parteien ändern?

Gräff: In Bezug auf politische Parteien und deren Protagonisten sind den NEOS, aber auch mir drei Punkte essenziell: Die Sinnhaftigkeit der immens hohen staatlichen Parteiförderung ist zu überdenken, eigentlich zu kürzen. Dieses Geld wäre im Sozial-, Bildungs- und Pflegebereich viel besser verwendbar. Weiters sollte man eine befristete Laufzeit auf politische Ämter einführen, um die Korruption zu schwächen. Dritter Punkt ist eine umfassende Politikerhaftung, damit nicht Gelder der Steuerzahler unbestraft missbräuchlich verwendet werden.

Wie glauben Sie lassen sich diese Ziele umsetzen?

Gräff: Indem die Bürger von den politischen Parteien endlich einmal als mündige Persönlichkeiten behandelt werden. Kein erwachsener Mensch, der im Leben steht, der Kinder hat, Steuern zahlt und um sein Fortkommen bemüht ist, braucht allzu gut gemeinte Ratschläge von Politikern. Was wir benötigen, ist mehr direkte Demokratie und politische Bildung.

Ist das in Anbetracht der jahrzehntelangen Entwicklung in Österreich nicht utopisch?

Gräff: Ja, wenn man alles so belassen möchte, die negativen Trends etwa im Sozialbereich, in der Bildung, in der Pflege, im politischen System, bei den Mieten oder im Umweltthema, dann natürlich. Es ist immer Zeit, etwas zu ändern. Der Schlüssel dazu liegt bei der Bevölkerung selbst, denn diese weiß durch all die Probleme und Herausforderungen, die sie tagtäglich erlebt und mitträgt, was und wie etwas zu verbessern ist.