Dachsberger-Betrieb fährt hoch. 244 Mitarbeiter kommen etappenweise zurück. ABC-Abwehrtruppe übernimmt Coaching des verschärften Hygienekonzepts.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 05. August 2020 (06:09)
Der Stillstand des Betriebs gehört seit dem Montag der Vergangenheit an (von links): Geschäftsführer Kurt Dachsberger, Christine Dachsberger, Klaus Dachsberger und GeschäftsführerAlfred Dachsberger junior.
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Der Schlacht- und Fleischzerlegebetrieb Dachsberger stand drei Wochen still, nachdem 38 Mitarbeiter und fünf weitere Personen (zehn Folgefälle haben Nachbarländer später registriert) mit dem Coronavirus infiziert waren. Die Fälle sind ans Tageslicht gekommen, nachdem das Unternehmen freiwillig eine AGES-Testung genutzt hatte. Die Mitarbeiter-Quarantäne ist vor einer Woche zu Ende gegangen – und der Betrieb fährt seit Montag wieder hoch.

Das passiert sukzessive, wie eine Sprecherin des Betriebes in der Vorwoche erklärt: „Wir starten mit 3. August und ab 5. August gibt’s in den Filialen wieder die Einkaufsmöglichkeit.“ Zwei Geschäfte betreibt Dachsberger: eins beim Firmensitz in Gauderndorf, das zweite in Maissau (Bezirk Hollabrunn). Der Betrieb hat zudem das bestehende Hygienekonzept – mit etwa Desinfektionsschleuse oder gestaffelten Pausen – verschärft.

„Wichtig ist die Eigenverantwortung, die wir alle an den Tag legen müssen. Wir können Gesundheitsstandards setzen.“ Dachsberger-Sprecherin

Bezirkshauptmann Johannes Kranner war schon während der Ausarbeitung zufrieden: „Das ist sehr ordentlich gemacht worden.“ Man dürfe nicht vergessen, dass der Betrieb sehr vielschichtig sei. Kranner führt als Beispiele die Groß- und Feinzerlegung, das technische Personal den Verkauf, die Lkw-Chauffeure und Tierärzte, den Gemeinschaftsraum und die Großküche an. Die Abstimmung erfolgte in Kooperation mit der Dachsberger-Geschäftsführung.

„Wir haben eine gute Lösung gefunden“, findet die Dachsberger-Sprecherin. Sie lobt überhaupt das Zusammenspiel mit Bezirkshauptmannschaft, dem Land und den Gemeinden Eggenburg und Maissau; letztere organisierten die Versorgung der 18 Mitarbeiter im Quarantäne-Quartier Lindenhof, Eggenburg. „Da war schnelles Handeln gefragt, wofür wir uns sehr viel bedanken müssen.“

Die ABC-Abwehrtruppe des Bundesheeres, die man viel eher mit Gefahrstoffen in Verbindung bringt, war am Montag im Einsatz: Die Soldaten überprüften schon im Vorfeld die Schleusen und übernahmen das Coaching der 244 Arbeitnehmer, die am Montag in Etappen zurückgekehrt sind.

„Die Mitarbeiter werden in einzelne Gruppen aufgeteilt. Sie kriegen verschiedenfärbige Kärtchen und das gleiche Haarnetz und erhalten eine Schulung, wo sie in das Hygienekonzept eingeführt werden“, erklärt die Betriebssprecherin. Die Desinfektion des Betriebs erfolgte über eine Privatfirma.

Die Gruppen sollen nicht mit anderen Teams in Berührung kommen: Sollte noch mal ein Coronafall auftreten, muss nicht der gesamte Betrieb geschlossen werden. „Wichtig ist vor allem die Eigenverantwortung, die wir alle an den Tag legen müssen. Das können wir nicht beeinflussen. Wir können Gesundheitsstandards setzen.“ Das Konzept ist in den letzten Wochen ausgearbeitet worden, Dachsberger habe zudem bewusst eine Woche nach dem Quarantäne-Ende mit der Öffnung zugewartet. „Wir wollten die Mitarbeiter nach Hause zu ihren Familien fahren lassen, sobald die Aufhebungsbescheide draußen gewesen sind“, erklärt die Dachsberger-Sprecherin. „Sie haben nach dem Rechten schauen können, das ist einfach eine menschliche Seite.“ Wird Dachsberger den schlagartigen Stopp der Produktion verkraften und auch alle Mitarbeiter halten können?

„Wenn uns die Kunden und Lieferanten treu bleiben, dann wird man den Betrieb genauso weiterführen können. Das wird sich zeigen und von dem ist alles Weitere abhängig.“ Man sei zudem krisenerprobt: „1995 ist die Konsum-Pleite gewesen: Das war unsere größte Kundschaft und hat die Firma in eine ziemliche Krise geführt.“ Die Information erreichte zuletzt die Redaktion, dass der Betrieb Mitarbeiter des des deutschen Schlachtbetriebs Tönnies, der in der Belegschaft viele Coronafälle hatte, übernommen habe.

Die Geschäftsführung muss auf NÖN-Nachfrage darüber lachen. „Nein, was für ein Unsinn“, antwortete sie.