Spürnase! Borkenkäfer vom Hund überführt. Neue Arbeitsgemeinschaft setzt Borkenkäferspürhunde ein und bietet ab Ostern Ausbildungskurse an.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Februar 2019 (06:29)
Karin Widhalm
Förster Wolfgang Riener mit seinem neunjährigen „Cupper“ und Neuzugang „Noah“.

Wolfgang Riener versteckt drei Plastikfläschchen, gefüllt mit Pheromonen. Steckt der Mensch die Nase hinein, ist ihr intensiver Geruch selbst für ihn wahrnehmbar. Genauso riechen Borkenkäfer. Er schickt seinen Border Collie in den Wald: „Cupper“ setzt seine Nase ein und findet alle Behältnisse.

NOEN
Die Pheromone sind in einem Plastikfläschchen – und müssen von den Hunden gefunden werden.

Das Zweier-Team ist Teil der Arbeitsgemeinschaft (Arge) „BoDogs“, die zwei Bayern und eine Steirerin mit dem Waldviertler gegründet haben. Leopold Slotta-Bachmayr, Biologe und Hundeführer, ist der Chef der Truppe. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Vierbeiner zu Borkenkäferspürhunden auszubilden. Riener hat Erfahrung im Metier.

„Cupper“ ist im deutschsprachigen Raum unterwegs, um den asiatischen Laubholzbockkäfer zu orten, der mit importierten Waren aus dem Nachbarkontinent eingeschleppt wird.

Die Borkenkäfer-Problematik ist in der Zwischenzeit gewachsen. „Die Forstleute sind an ihre persönlichen Grenzen gestoßen, ihren Wald zu kontrollieren. Das geht einfach nicht mehr“, erklärt Riener. Das Ausmaß ist zu groß geworden, wenn man bedenkt, dass ein Borkenkäfer-Paar rechnerisch bis zu 150.000 Nachkommen zeugen kann.

„BoDogs“ geht es nicht um die Nester, die das menschliche Auge sieht, wenn sie auf braune Wipfeln blicken oder hinter der Rinde Larven und Käfer entdecken. Ihnen geht es um den Zeitpunkt, wenn sich der Buchdrucker oder Kupferstecher in eine Fichte gebohrt hat, also bevor sie mit einem bestimmten Duft die Weibchen anlocken und die Fortpflanzung einsetzt. Wenn Hunde diese optisch noch einwandfreien Bäume finden, kann die Entstehung eines Nestes verhindert werden.

„Wussten schnell, dass es funktioniert“

„BoDogs“ probierten ab dem April 2018, ob die Idee überhaupt aufgeht. „Wir haben nach einem Monat gewusst, dass es funktioniert“, berichtet Riener. Geprobt wurde mit acht Hunden, vom Deutschen Drahthaar bis zum Golden Retriever. Eingesetzt wurden Pheromone, Bohrmehl und Käfer. Nasenarbeit ist anstrengend, deswegen ist die Spurensuche auf eine halbe bis eine Stunde beschränkt.

„Viel länger solltest du als Förster auch nicht suchen“, sehe man dann vor lauter Wald den Baum nicht mehr. Zehn Hektar können aber durchstreift werden. Die Arge entwickelte eine Strategie, wie man das am besten macht: Windrichtung und Geländestruktur sind hierbei entscheidend. Vier Hunde sind derzeit einsatzbereit.

„Zu Ostern bieten wir den ersten Kurs an“, verkündet Riener. Slotta-Bachmayr registriert ein großes Interesse, wenn auch noch Vorsicht spürbar sei. „Weil man nicht so genau weiß, wie die Umsetzung aussieht.“ Forst-Kenntnisse sind bei den Teilnehmern erwünscht, grundsätzlich ist jede Rasse willkommen. „Sie brauchen Gehorsam und müssen selbstständig arbeiten können.“ Der Hund muss zum Schluss acht von zehn Proben finden können.

„Noah“, Rieners fast einjähriger Zweithund, ist auf dem besten Weg dahin. Er findet nach „Cupper“ alle Flaschen, das Anzeigen muss noch gelernt werden: Manche Hunde bellen, andere springen den Baum an. Riener: „Wir werden das Borkenkäfer-Problem nicht lösen, aber wir können einen Beitrag leisten, dass es eingedämmt wird.“