Meiseldorfs Orts-Vize erst gestalkt und dann geklagt. 58-Jährige will das „Aschenputtel“ von Erich Nendwich sein, schließlich bezichtigt sie ihn, sie geschlagen zu haben. Freispruch. Gestalkt Gemeinde-Vize über eine Frau, die ihn belästigt und verfolgt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. Oktober 2019 (05:12)
NÖN
Erich Nendwich: „Ich bin sehr verwundert, dass ich hier bin, ...“

„Wie kommt man dazu?“ Der Verteidiger des 56-Jährigen aus der Gemeinde Meiseldorf ist nicht begeistert, dass sein Mandant im Bezirksgericht Horn überhaupt auf der Anklagebank sitzt. Es handelt sich um Vizebürgermeister Erich Nendwich (Meiseldorf).

Ihm wird vorgeworfen, eine Frau mit einem Kunststoffschlapfen mehrmals ins Gesicht geschlagen zu haben. Doch gerade gegen die 58-Jährige aus Großweikersdorf (Bezirk Tulln) habe die Anwaltskanzlei unter anderem Beugestrafen verfügt, damit sie Stalking-Handlungen unterlasse. Der Anwalt spricht von einem Liebeswahn ihrerseits, der psychiatrisch belegt sei.

Nichtsdestotrotz steht der Vorwurf der Körperverletzung im Raum: Der 56-Jährige erzählt Bezirksrichter Thomas Brandstetter, dass er nach dem wiederholten Sturmläuten der Frau bei seinem Haus zwar den besagten Schlapfen gehoben habe, aber von Schlägen könne keine Rede sein. „Sie hat selbst einen Schuh in der Hand gehabt“, sei das nicht zum ersten Mal vorgekommen. Sie sage dann stets, dass sie das Aschenputtel sei und er der Prinz. Sie habe mit dem Schuh gewachelt, er habe dann seinen Schlapfen gehoben, „das war‘s.“

Polizei bei jedem Vorfall kontaktiert

Er wisse nicht einmal genau, wann das passiert sein soll, weil er fast täglich Probleme mit der Frau habe. „Ich bin sehr verwundert, dass ich hier bin, weil ich mich immer verstecken muss.“ Körperlichen Kontakt habe es nie gegeben. Die Polizei sei bei jedem Vorfall kontaktiert worden. „Mein Mandant hat sich vorbildlich verhalten“, ergänzt sein Anwalt. „Ich habe sie nie geschlagen“, betont Nendwich.

Der Bezirksrichter befragt die 58-Jährige zu dem Vorfall: „Ich mache zu dem keine Aussage“, winkt sie ab. „Zu einer richtigen Aussage gehört eine vollständige Aussage“, ermahnt sie Brandstetter. „Der Schlapfen ist geflogen, aber da ist nichts passiert“, zieht sie dann ihre Aussage gegenüber der Polizei zurück.

Widersprüchliche Angaben

Sie sei im Krankenhaus gewesen, weil sie bei Glatteis und Schnee im Jänner gestürzt sei. „Er hat sie nicht ins Gesicht geschlagen?“, hakt Brandstetter nach. „Nein.“ Warum stehe dann im Polizeibericht von mehreren Schlägen ins Gesicht? „Ich habe das gesagt, weil ich vorgeführt und für alle Sachen beschuldigt worden bin“, wolle sie nicht mehr dazu sagen. Widersprüchlich waren zudem ihre Angaben, ob ihr rechtes oder linkes Auge blau gewesen war.

Der Verteidiger stellt eine Verleumdungsanzeige in den Raum und spricht in seinem Schlussplädoyer von einer „massiven geistigen Störung“ der Frau. Das wühlt die 58-Jährige sehr auf, sodass Bezirksrichter einschreitet: „Sie sind ruhig oder ich verweise Sie.“ Brandstetter spricht den Angeklagten frei: „Ich glaube Ihnen, dass Sie das nicht gemacht haben“, begründet er. Rechtskräftig.