Sensations-Funde in Reinprechtspölla blieben leider aus. Exakt gehauene Steinplatten ließen Archäologen hoffen. Immerhin wurden Fundamente aus Mittelalter gefunden.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 25. April 2019 (05:21)
Thomas Weikertschläger
Vor den gespannten Augen von Pfarrer Sebastian Schmölz, Krahuletzmuseum-Direktor Johannes Tuzar und den Archäologen Martin Krenn und Martin Obenaus wurden die verheißungsvollen Steinplatten gehoben – die erhofften Funde blieben allerdings aus.

Die Stimmung sei andächtiger als bei so mancher kirchlichen Veranstaltung – treffender als Pfarrer Sebastian Schmölz hätte man die Anspannung nicht beschreiben können, die am 18. April in der Pfarrkirche zum Heiligen Pankraz in Reinprechtspölla herrschte. Der Grund dafür: Bei den derzeit laufenden Sanierungsarbeiten in der Kirche war man auf exakt gehackte Steinplatten gestoßen, die Anlass zu Spekulationen über eventuell darunter befindliche Sensations-Funde gegeben haben.

Auch Martin Krenn, Archäologe aus der Archäologie-Abteilung des Bundesdenkmalamts wohnte der Hebung der Steinplatten bei. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir bei der Renovierung eine Fußbodenheizung einbauen können“, erzählt Pfarrgemeinderat Josef Pfaller.

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Auch Pfarrgemeinderat Josef Pfaller legte selbst Hand an.

Daher habe man eine Betonschicht unter dem alten Boden entfernt. Und dabei ist man auf Überreste des Vorgängerbaus der heutigen Kirche gestoßen.

So wurden Teile der damals noch eckig gebauten Apsis aus dem 11./12. Jahrhundert und Fundamente des alten Triumphbogens gefunden. „Schon das ist eine unglaubliche Sache“, erzählt Pfaller.

Ähnliche Artefakte wie in Sachsendorf erhofft

Die im hinteren Bereich der Kirche gefundenen Steinplatten hatten unter anderem die Vermutung nahe gelegt, dass sich darunter die Grabstätten der Kirchengründer befinden. Bei den Archäologen keimte die Hoffnung auf, ähnlich wertvolle Artefakte wir Ende der 1990er-Jahre bei der Burganlage in Sachsendorf (damals wurden unter anderem ein Gruftstein mit Inschrift, Waffen und Werkzeuge, Münzen, Ringe, eine Schreibfeder und mehr als zehn beinerne Spielwürfel sowie ein mit Löwenköpfen verzierter Prunkbecher gefunden) zu entdecken.

Gefunden wurde dann aber lediglich Sand und Steine. Auch die „Minimal-Hoffnung“, dass die Steinplatten alte Altarplatten seien, dürfte sich nicht bestätigen. Über die genauen Ergebnisse der Funde wird es demnächst eine Pressekonferenz mit Vertretern des Stiftes Klosterneuburg geben. In dieser Woche soll noch beim Eingang an der Südseite gegraben werden. Hier sollen Holzproben zur genauen Altersbestimmung entnommen werden.

Sanierung kostet rund 500.000 Euro

Notwendig wurden die Renovierungsarbeiten in der Kirche, da die Mauern durch das schlechte Raumklima nass und feucht waren. Zudem war auch die Vergoldung an diversen Objekten stark beschädigt. Am Tabernakel und einigen Heiligenfiguren hatte sich auch der Holzwurm gütlich getan. Auch die Orgel in der Kirche muss um einen fünfstelligen Euro-Bereich saniert werden.

Da die erhofften Sensationsfunde nun ausgeblieben sind, bleibt aber zumindest der Zeitplan der Renovierung aufrecht. „Wir hoffen, die Christmette wieder in der Kirche feiern zu können“, erzählt Pfaller. Derzeit dient der Schüttkasten als Ausweichquartier.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Renovierung auf rund 500.000 Euro, wobei die Pfarre Reinprechtspölla selbst 50.000 Euro (ein Teil davon durch Eigenleistungen) aufbringen muss. Den Rest übernehmen die Diözese und das Stift Klosterneuburg.