Ansturm auf Grippe-Impfung im Bezirk Horn. Die Apotheken im Bezirk Horn verzeichnen einen Rekordanstieg der Nachfragen. Viele Menschen wollen gegen die Grippe impfen, doch der Impfstoff ist anscheinend Mangelware.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 23. September 2020 (04:24)
Martina Vorhemus von der Apotheke zum heiligen Leopold in Eggenburg berichtet von einem enormen Andrang auf den Grippeimpfstoff.
Petra Hauk

Schon im Mai warnte die Ärztekammer vor der nächsten Grippewelle und riet möglichst vielen Österreichern, sich impfen zu lassen. Zum einen natürlich aus gesundheitlicher Sicht, aber auch um mittels Herdenimmunität mehr Ressourcen für Coronapatienten verfügbar machen zu können. Auch von Seiten der Regierung wurde oftmals die Wichtigkeit der Impfung betont. Jetzt wird die Sache langsam ernst. Die Ärzte und Apotheker spüren bereits einen deutlichen Anstieg der Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Doch ist überhaupt genug Impfstoff verfügbar, um dem sprunghaften Anstieg gerecht zu werden?

Die Wartelisten sind bereits lang. „So wie es jetzt aussieht, werden wir nicht alle Anfragen erfüllen können“, meint Martina Vorhemus von der Apotheke zum heiligen Leopold in Eggenburg. „Wir haben bereits um die 80 Reservierungen, doch uns wurden nur 30 Impfstoffe zugesagt.“ Der enorm angestiegenen Nachfrage sei nicht mehr hinterherzukommen. Die Apothekenchefin ließ sich bisher jedes Jahr selbst gegen die Grippe impfen, da ihr Arbeitsplatz an sich ein hohes Risiko zur Weiterverbreitung bietet. Da heuer jedoch mittels Plexiglaswand und Maskenpflicht Abhilfe geschaffen wird, entschied sie sich gegen eine Impfung. Ein Risikopatient soll stattdessen ihre Impfdosis bekommen.

„Man wird in einer Ordination, in der alle husten, schnupfen und heiser sind kaum die Covid-Patienten heraus erkennen können.“Doktor Gerald Wunderer

Ist eine Nachproduktion überhaupt möglich? „Die Risikogruppen sollten bei der Impfung im Vordergrund stehen, doch es ist natürlich schwer zu handhaben“, erklärt Vorhemus. Ihrer Meinung nach müsste deutlich mehr Impfstoff nachproduziert werden. Das dürfte sich allerdings als nur schwer machbar erweisen, denn der aufwendige Herstellungsprozess des Impfserums kann bis zu sechs Monate dauern. „Medial wird kommuniziert, dass sich jeder impfen lassen soll, doch die Kapazitäten dafür sind nicht vorhanden“, beklagt Vorhemus.

Corona brachte Sensibilisierung mit sich. Auch der Horner Apothekenleiter Gilbert Zinsler berichtet von einem Anstieg der Impfbereitschaft. „Die Coronakrise führte anscheinend zu einer Sensibilisierung für Gesundheit und Impfstoffe“, meint Zinsler, der in Horn die Apotheke zum schwarzen Adler und die Stefans-Apotheke betreibt. Sorgen macht er sich keine, denn Impfstoffe hätte er für den Moment genug bestellt und glaubt auch an deren Lieferung. „Es sollte in Horn keinen Mangel geben“, betont Zinsler.

Die dreifache Menge bestellt. Der Eggenburger Arzt Gerald Wunderer fühlt sich ebenfalls gut auf die Grippeimpfungswelle vorbereitet. Die Anfragen seien auch bei ihm bereits in großer Menge vorhanden, doch besorgt ist er nicht. „Ich habe schon im Frühjahr in Voraussicht die dreifache Menge des Vorjahres bestellt. Es müsste reichen“, erklärt Wunderer. Für alle, die nicht rechtzeitig in größeren Mengen vorbestellt haben, sieht er jedoch schwarz: „Man bekommt einfach nichts mehr.“ Die Entwicklung sieht er trotz der neuen Problematik als eine äußerst positive. „Eine strikte Notwendigkeit für jeden gibt es vermutlich nicht, aber empfehlenswert ist es auf jeden Fall.“

Covid-19 und Grippe nur schwer unterscheidbar. Neben dem gesundheitlichen Aspekt sieht Wunderer auch aufgrund von Corona eine enorme Wichtigkeit in der Minimierung der heurigen Grippewelle. So sei die Differenzierung zwischen Covid-19 und einem grippalen Infekt auf den ersten Blick sehr schwierig. „Man wird in einer Ordination, in der alle husten, schnupfen und heiser sind, kaum die Covid-Patienten heraus erkennen können“, befürchtet Wunderer.

Bangen um Lieferung. Der ebenfalls in Eggenburg ansässige Arzt David Zandl ist noch sehr skeptisch eingestellt: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich heuer überhaupt eine Lieferung bekomme.“ Normalerweise würde er schon im September die ersten Impfungen erledigen, doch es fehlt der Impfstoff. „Von Seiten der Regierung wird jedem empfohlen, sich impfen zu lassen, doch womit, wenn wir nicht genug Reserven haben.“

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