Gerda Erdner im Interview: "Mehr Frauen reden mit". Gerda Erdner blickt auf ihre Zeit als Bezirksobfrau der ÖVP-Frauen zurück.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 18. September 2020 (03:10)
Gerda Erdner: „Empathie spielt in der Politik eine große Rolle.“
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Das war der letzte Akt ihrer politischen Laufbahn, nachdem sie ihr Amt als Vizebürgermeisterin in Horn zurückgelegt hat: Gerda Erdner war seit 2011 Bezirksobfrau der ÖVP-Frauen, jetzt hat sie die Funktion an Gabriele Kernstock (St. Bernhard-Frauenhofen) übergeben. 15 Jahre lang war sie politisch aktiv.

NÖN: Was hat sich in Ihrer Zeit frauenpolitisch geändert?

Gerda Erdner: Ich habe das Amt von Pauline Gschwandtner übernommen, die sehr engagiert war. Es war so, dass schon eine Frauengruppe bestand, und um neue Mitglieder zu gewinnen, fragt man Frauen, die man kennt und wo man weiß, dass sie engagiert sind, ob sie mitmachen wollen.

Ist es dann Zeit, dass Jüngere zum Zug kommen?

Erdner: Ich konnte viele junge Frauen aus der Stadt und dem Bezirk überzeugen, sich anzuschließen. Die Gruppe Horn zählt derzeit über 70 Damen, die alle engagiert und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ich finde es als Bereicherung, wenn Junge ihre Ideen einbringen und verwirklichen.

Hat sich der Umgang der Männer mit Frauen geändert?

Erdner: Ich bin während der Amtsführung von Bürgermeister Alexander Klik eingestiegen, und er hat uns voll akzeptiert. Ich habe das sehr geschätzt, denn es war damals nicht gang und gäbe, dass Frauen im Gemeinderat waren. Und wir, – wir waren zu zweit, – sind sehr positiv aufgenommen worden. Ich habe mich sehr gut behandelt gefühlt. Unter dem nachfolgenden Bürgermeister Jürgen Maier bin ich Stadträtin geworden. Er hat mir viel Verantwortung übertragen und viele Gespräche mit ihm haben es mir ermöglicht, positiv zu reüssieren und somit viel für die Bürger der Stadt zu erreichen. Sein Stil war dynamisch, wobei das Wohl der Stadt immer im Vordergrund stand. Wir Mandatare und -rinnen haben auch unsere Ideen eingebracht, aber nicht alle waren – aus unterschiedlichen Gründen – zu verwirklichen.

Wie hoch war der Frauenanteil vor 15 Jahren in den Gemeinderäten des Bezirks?

Erdner: Frauen waren vereinzelt vertreten, seit der letzten Wahl 2020 sind meiner Meinung nach viel mehr als Gemeinderäte eingezogen. Die Gesinnung der Frauen hat sich geändert, sie sind mutiger geworden. Ich habe mit meinem Verhalten versucht, ein Vorbild zu sein und zu beweisen, dass „frau“ es auch kann. Mein Eintritt in die Politik war nicht nur eine Kopfsache, sondern auch Herzensangelegenheit, weil diese Stadt mein Lebensmittelpunkt ist.

Was braucht eine Frau, wenn sie politisch aktiv sein will?

Erdner: Wenn ich als Frau in die regionale Politik einsteigen will, dann brauche ich einen Partner, der zu mir und meinem Amt steht, und ich brauche ein familiäres Netzwerk, auf das ich mich verlassen kann. Ich bin ein absoluter Verfechter der Ansicht, dass Familie und Kinder für eine Frau, die politisch tätig ist, auch möglich sein müssen. Laut Statistik werden in Österreich 1,3 Kinder pro Familie geboren, ein niedriger Wert.

Woran liegt das?

Erdner: Es bedeutet noch immer eine Mehrfachbelastung für eine Mutter, wenn sie den Schulalltag der Kinder organisieren, auf die Gesundheitserziehung (Brille, Zahnspange, Impfungen) achten, den Haushalt organisieren und sich gegebenenfalls um betagte Eltern kümmern muss.

Sie hat die Netzwerkpflege in der Familie über, denn wenn ich ein Netzwerk brauche, muss ich es auch pflegen. In den Dörfern ist für die Freizeitgestaltung, die Musikerziehung und die Sportausübung der Kinder oftmals noch eine Fahrgemeinschaft zu organisieren. Und das alles neben einer Berufsausübung.

Hat es heute eine Frau schwerer als vor 20 Jahren?

Erdner: Sie hat andere Anforderungen zu erfüllen als vor 20 Jahren. Viele Frauen entscheiden sich als Halbtagskraft zu arbeiten, damit sie Zeit für ihre Kinder haben. Das akzeptiere ich voll. Aber Kinder und Familiengründung darf meiner Meinung nach die Frauen nicht benachteiligen, noch immer sind Einkommen und Pensionsregelungen unterschiedlich. Wenn sie, gut ausgebildet, sich engagieren und beruflich aufsteigen, sodass sie mitreden und gegebenenfalls mitregieren können, wird sich vielleicht in der Zukunft etwas ändern. Viele Frauen sind in der Bundesregierung schon aktiv, auf regionaler Ebene geht‘s in die richtige Richtung, aber langsam, step by step.

Warum ist Gabriele Kernstock die richtige für die Funktion?

Erdner: Weil sie genau das lebt, wovon ich gesprochen habe: Sie hat eine gute, fundierte Ausbildung. Sie hat ihre Berufsanforderungen gut gemeistert, hat Familie, und versucht das unter einen Hut zu bringen, – und das gelingt ihr sehr gut. Sie ist empathisch, menschlich, kennt zu 100 Prozent die Probleme der Frauen, ist umgänglich und kann mit Menschen reden. Empathie spielt meiner Meinung nach in der Politik eine große Rolle, nicht nur bei den ÖVP-Frauen, sondern überhaupt. Man muss die Menschen mögen, auf sie zugehen können, egal, welches Problem sie haben. Das Kritisieren ist leicht und schnell da. Beim Versuch, als Mandatarin im Gemeinderat ein Ressort zu bewirtschaften, sind zwei Dinge unablässig: Ausdauer und Argumente.