Stadtkino-Publikum: „Bitte macht weiter“. Stadtkino Horn steht weiter vor Ungewissheit. Redaktionsleiter Thomas Weikertschläger sprach mit Betreiberin Silvia Meingast.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 21. Januar 2021 (04:16)
Silvia und Winfried Meingast lassen sich auch von der andauernden Krise nicht unterkriegen. Die Leidenschaft für das Stadtkino Horn brennt weiterhin.
Archiv/Reininger

Fast die Hälfte des Jahres 2020 konnte das Stadtkino Horn wegen der Coronakrise seine Pforten nicht öffnen. Auch derzeit ist kein Termin für einen Neustart in Sicht. Die NÖN wollte wissen, wie die Situation im Horner Traditionskino derzeit ist.

NÖN: Frau Meingast, wann dürfen wir endlich wieder Filme in der Atmosphäre des Stadtkinos genießen? Viele Leute warten schon sehnsüchtig darauf ...

Silvia Meingast: Das wüsste ich auch gerne. Wir leiden sehr unter der Ungewissheit, wie es weiter gehen wird. Als es geheißen hat, dass der Lockdown bis 18. Jänner dauert, haben wir gehofft, Mitte Februar wieder spielen zu können. Jetzt verschiebt sich wieder alles. Für uns ist es problematisch, dass wir auch nicht sofort nach dem Ende des Lockdowns starten können. Wir müssen schauen, welche Filme gibt es dann überhaupt? Dann müssen wir uns bemühen, sie zu bekommen. Wobei das für Programmkinos wie uns noch etwas leichter ist, weil wir nicht von den großen Blockbustern abhängig sind. Derzeit tappen wir aber nach wie vor im Dunkeln, vor allem, weil die Entscheidungen oft sehr kurzfristig fallen und man dann erst reagieren kann. Es ist schwer, immer wieder für einen möglichen Termin zu planen, wenn der dann nicht hält und die Arbeit wieder umsonst gewesen ist.

Denken Sie, dass diese Maßnahmen sinnvoll sind?

Meingast: Ich verstehe die Regierung. Sie muss kurzfristig handeln, wenn die Zahlen wieder steigen. Was soll sie anderes tun?

Sie würden aber lieber heute als morgen aufsperren?

Meingast: Natürlich! Wir haben jetzt schon wieder den gesamten Jänner verloren, im Vorjahr hatten wir mehr als fünf Monate geschlossen. Dabei war der Zuspruch im Oktober 2020 – nachdem es im Sommer eher schleppend angelaufen ist – wieder sehr gut, ehe der neuerliche Lockdown gegen Ende des Jahres gekommen ist. Für uns stellte sich im Fall eines Neustarts dann aber auch die Frage des „Reintestens“. Ich kann mir das für einen Betrieb unserer Größenordnung nicht vorstellen. Wie soll das in der Praxis funktionieren? Außerdem fällt die Entscheidung zu einem Kinobesuch oft sehr kurzfristig. Da haben die Leute dann keine Zeit, sich vorher noch schnell irgendwo testen zu lassen. Eine weitere Frage ist die, was wir tun, wenn es weiter Ausgangssperren ab 20 Uhr gibt. Wenn wir nur am Nachmittag spielen können, geht das gerade unter der Woche nie kostendeckend. Und auch wenn wir nur am Wochenende spielen, rechnen sich die Kosten nicht.

Wie fallen eigentlich die Reaktionen Ihres Stammpublikums auf die lange Sperre aus?

Meingast: Der Zuspruch, den wir von unserem Publikum bekommen, ist enorm. Es trudeln unzählige Mails mit bestärkenden Worten ein, das ist sagenhaft. Mit Aussagen wie ,Bitte hört nicht auf‘ drücken die Menschen aus, dass sie das Flair im Stadtkino und unseren persönlichen Betrieb sehr schätzen. Viele äußern die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen im Stadtkino – aber dieses Wiedersehen zieht sich jetzt schon sehr in die Länge. Und auch umgekehrt gilt: Uns geht unser Publikum schon sehr ab.

Angst, dass Sie Ihre Gäste etwa an Streaming-Portale verlieren, haben Sie nicht?

Meingast: Nein. Unser Publikum spricht nicht so auf Streaming an. Es schätzt auch die Möglichkeit sehr, soziale Kontakte bei uns zu pflegen. Es macht ja den Besuch bei uns aus, dass man sich danach in gemütlichem Rahmen mit anderen Gästen über die Filme austauschen kann. Auch das fehlt dem Publikum.

Bei all den Schwierigkeiten: Haben Sie in den vergangenen Monaten daran gedacht, den Kino-Hut an den Nagel zu hängen?

Meingast: Nie! Wir brennen für die Leidenschaft Kino. Meine Familie macht seit mehr als 100 Jahren Kino in Horn. Auch dieses Virus wird uns nicht umbringen. Wir werden jetzt mit umso mehr Eifer schauen, dass wir – sobald möglich – den normalen Betrieb wieder aufrecht erhalten. Wir blicken trotz der Situation positiv in die Zukunft.