Verkehr wird zu Zank-Apfel: Fehlt das Konzept?

Erstellt am 30. November 2022 | 04:32
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Als eines der vordergründigen Verkehrsthemen sieht Walter Kogler-Strommer den Radweg, der aktuell durch das Stadtsee-Areal führt.
Foto: TW
Entlastungsstraße, Radweg und temporäre Fahrverbote sorgen für Unmut in Horn.

Der vorwöchige NÖN-Bericht über die Eröffnung des Gesundheitsplatzes in Horn hat viele Reaktionen gebracht – auch solche zur Verkehrsanbindung des Gesundheitsplatzes. Auch der Horner Grünen-Sprecher Walter Kogler-Strommer hält dieses Thema für diskus-sionsreif. Er erhalte viele Mails und Anregungen von Hornern wegen der Verkehrssituation in der Stadt. Die für die „Ost-Erweiterung“ im „Himmelreich“ geplante Straße parallel zur Bahnstraße sei das vordergründigste Thema. Wie die NÖN berichtete, will die Stadtgemeinde im Hinblick auf die Direktanbindung Horns an die Franz-Josefs-Bahn ab 2029 im Bereich Hopfengartenstraße-Lagerhausstraße und Sportplatz in Richtung der alten Molkerei ein neues Siedlungsgebiet „Horn-Ost“ schaffen.

Er vermisst für die Errichtung dieser Straße ein schlüssiges Konzept seitens der Gemeinde, sagt Kogler-Strommer. Die sage zwar, eins zu haben, vermittle es aber nicht. Er vermisse Transparenz. „Es heißt immer lediglich, dass derzeit Experten die Details klären“, sagt Kogler-Strommer. Und diese Haltung begründet Bürgermeister Gerhard Lentschig gegenüber der NÖN: „Es macht keinen Sinn, über ungelegte Eier zu reden.“ Es sei nicht zielführend, etwas hinauszuposaunen, was dann vielleicht so nicht umgesetzt werden könne. Derzeit werden laut Lentschig etwa Fragen des Hochwasserschutzes oder der Finanzierung geklärt. „Ehrlich: Ich hätte die Straße lieber gestern als morgen gehabt. Aber es gibt eben noch Details zu klären.“

Aus seiner Sicht müsse vor dem Bau dieser Straße viel Geld für den Hochwasserschutz in die Hand genommen werden, meint Kogler-Strommer. Denn im „Himmelreich“ fließen mit dem Mödringbach, dem Breiteneicher Bach und einem Gerinne aus einem Brunnen gleich drei Bäche. Es habe einen Grund, warum das „Himmelreich“ bisher nicht bebaut ist: „Weil dort alles nass ist.“ Technisch gebe es für das Problem relativ einfache Lösungen, aber praktikabel sei keine: „Was passiert dann mit dem Brunnen dort? Man kann die Straße auf Pfählen bauen. Aber was kostet das?“, fragt er sich. Dazu komme das Problem der Versiegelung. Dass dieses Problem in der ÖVP nicht zähle – „auch bei jungen Müttern nicht“ –, könne er nicht nachvollziehen.

Ein weiteres Problem aus seiner Sicht: Die oft als „Entlastungsstraße“ bezeichnete neue Straße sorge nur für eine Verlagerung des Verkehrs. Derzeit kommt es im Kreuzungsbereich der Hopfengartenstraße mit der Bahnstraße und der Wiener Straße immer wieder zu Problemen. Man müsse sich die Frage stellen, ob mit der neuen Straße diese gelöst wären. Denn dann würden die Bewohner der Siedlung bzw. die Patienten des Gesundheitsplatzes seiner Meinung nach nur an anderer Stelle in die Bahnstraße geleitet werden: „Und alle, die nicht nach links nach Breiteneich fahren, müssen dann erst wieder nach rechts zu dieser Kreuzung fahren.“ Eine Alternative habe er selbst nicht, gibt Kogler-Strommer zu. Das müsse er als Opposition auch nicht unbedingt.

Als weiteres verkehrspolitisches Thema bringt Kogler-Strommer temporäre autofreie Zonen im Bereich der Schulen zu Unterrichtsbeginn bzw. zu Mittag ins Spiel. Das gehe in anderen Gemeinden auch, wäre auch in Horn sinnvoll. Aber: „Das wird man vor der Landtagswahl nicht mehr angreifen, aus Angst, Stimmen von Autofahrer-Eltern zu verlieren.“ Laut Lentschig sei das aber durchaus eine sinnvolle Alternative: „Das ist nicht nur eine Forderung der Grünen“, sagt er. Man sei dabei, dieses Konzept zu überprüfen, aber: „Auch das muss dann ja ins Gesamt-Verkehrskonzept passen.“

Auch den Radweg in der Ferdinand-Kurz-Gasse, der aktuell durch das Stadtsee-Areal, führt, ist für die Grünen Thema. Der sei zwar ideal für Freizeitradler, nicht aber für Alltagsradler. Gerade im Sommer, wo das Freibad gut gefüllt sei, koste diese Streckenführung viel Zeit. Und: „Auch Radler am Weg zur Arbeit oder zum Einkauf haben das Recht, auf schnellstem Weg zu ihren Zielen zu kommen. Nicht nur Autofahrer.“ Als Alternative schlägt er eine Streckenführung am Freibadareal vorbei. „Ja, da fallen Parkplätze weg. Aber was solls? Man muss es Autofahrern so schwer wie möglich machen“, sagt er.

Auch diese Frage sieht Lentschig gelassen. Es sei ja nicht verboten, auch jetzt mit dem Rad normal auf der Straße – also genau auf der von Kogler-Strommer geforderten Route – zu fahren. Man könne ohnehin nicht in jeder Straße einen baulich abgetrennten Radweg machen.