VP-Huber übt Kritik: "Das ist wie im Kaisermühlenblues". Die Stimmung an der FP-Basis im Bezirk Horn ist nach dem Bekanntwerden des „Ibiza-Videos“ unverändert positiv – zumindest sagt das Bezirks-Obmann Klemens Kofler. Vertreter anderer Parteien im Bezirk Horn finden harte Worte zu Ibiza-Video.

Von Thomas Weikertschläger und Karin Widhalm. Erstellt am 20. Mai 2019 (15:03)

„Alles, was da an diesem turbulenten Wochenende passiert ist, hat uns nicht deprimiert – ganz im Gegenteil, es hat sogar den gegenteiligen Effekt“, sagt Kofler. Er habe mit so gut wie allen FP-Funktionären im Bezirk gesprochen und dabei festgestellt, dass seine Mitstreiter nun noch mehr dazu bereit sind, sich für die Freiheitliche Partei zu engagieren. Ob die Veröffentlichung des Videos Auswirkungen auf das Verhalten der Wähler bei der EU-Wahl habe, könne er nicht abschätzen, sagte Kofler.

Zu den Inhalten des Videos sagte Kofler, dass er „erschüttert“ gewesen sei. Zwar sei das ganze eine „besoffene G’schicht“, denn haben ihn die Aussagen Straches nachdenklich gemacht, sagte Kofler. Die im Video getätigten Aussagen seien nicht Meinung der Freiheitlichen Partei.

Viel Vertrauen setzt Kofler nun in die Führungsarbeit von Norbert Hofer, den er auch persönlich gut kenne. Mit Hofer sei die Partei für die Zukunft gut aufgestellt.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Hart mit dem Ex-FPÖ-Chef und der gesamten Partei gehen hingegen die Vertreter der anderen Parteien im Bezirk Horn ins Gericht. ÖVP-Bezirksobmann Jürgen Maier ist es unverständlich, wie man so agieren könne. „Aber, das hat eines deutlich gezeigt: Das Sittenbild dieser Partei“, sagte Maier. Das Video bringe die gesamte Politiker-Kaste in Verruf. Maier fordert daher lückenlose Aufklärung. „In erster Linie dahingehend, was die Inhalte des Videos betrifft. In zweiter Linie aber auch, wer hinter dem Video steckt.“

 SPÖ-Bezirksvorsitzender Josef Wiesinger glaubt, dass in der nächsten Zeit noch einiges zum Vorschein kommen werde. „Das, was bis jetzt bekannt ist, ist nur die Spitze des Eisbergs und dessen, was seit dem Sturz von Reinhold Mitterlehner im Mai 2017 passiert ist“, sagte Wiesinger. Es sei auch möglich, dass sich nicht nur die FPÖ vor weiteren Aufdeckungen fürchten müsse, sondern auch die ÖVP.

Auch Walter Kogler, Bezirkssprecher der Horner Grünen, befürchtet, dass in den nächsten Tagen noch weiteres Material auftauchen wird. Die FPÖ habe einmal mehr ihr wahres Gesicht gezeigt: „Wann auch immer die FPÖ an einem Trog gesessen ist, hat sie ihn leergefressen. Zumindest die denkenden Wähler werden sich jetzt von dieser Partei abwenden.

"Wie in einem schlechten Film"

Harte Worte findet auch Franz Huber, Obmann des ÖVP-Gemeindevertreterverbands im Bezirk. „Strache war nicht ganz lupenrein, das war absehbar. Aber dass er so deppert ist: Das erinnert mich an die Politiker Gneisser und Schoitl im Kaisermühlenblues. Wie in einem schlechten Film.“ Was ihn auch bewege, sei die Reaktion „Jetzt erst recht“ vieler FPÖ-Fans. „Das ist sowas von deplatziert“, sagte Huber. Die FPÖ habe erneut bewiesen, dass sie nicht regierungsfähig sei. Die Ideen Straches, die Medienlandschaft zu korrumpieren oder das Trinkwasser zu verscherbeln, seien „NoGos.“ Er plädiert auch für die Absetzung des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl: „Er kann nicht ermitteln.“