Was bleibt vom digitalen Unterricht?. Erfahrungen aus dem Online-Unterricht während der Coronazeit und welche Lehren man daraus für den Unterricht der Zukunft ziehen kann - dieser Themenkomplex stand im Fokus der aktuellen Sendung der Reihe "Im Weitblick", die am Freitag Abend im Campus Horn aufgezeichnet wurde.

Von Red. Horn. Erstellt am 30. Mai 2020 (10:52)
Diskutierten mit Stephan Rabl (Mitte) in der Sendung "Im Weitblick" über Bildung, Unterricht, Kinder und Jugendliche: Michael Ableidinger, Claudia Gantner, Rebekka Schneider und Angela Schmid.
Szene Waldviertel

Unter der Leitung von Szene-Waldviertel-Chef Stephan Rabl diskutierten dabei der Horner Gym-Direktor Michael Ableidinger, Claudia Gantner, Leiterin der Privatschule "Schule im Dialog", die vierfache Mutter und Pädagogin Rebekka Schneider und Angela Schmid, Leiterin der Bildungswerkstatt Mold. Einhelliger Tenor: Online-Unterricht habe sich in der Coronazeit als Krisen-Alternative durchaus bewährt, als gleichwertiger Ersatz für herkömmlichen Unterricht könne man ihn aber nicht sehen.

"Soziales Lernen" blieb auf der Strecke

Nicht ersetzen könne man auf digitalem Weg die soziale Komponente des Lernens. Nicht nur das Schulleben in der Schule selbst sei wichtig für Jugendliche, "auch in den Pausen, auf dem Schulweg, bei Sportwochen, Ski-Kursen oder beim Schwimmen gehen lernen die Kinder und Jugendlichen", strich Ableidinger die Bedeutung der persönlichen Interaktion der Schüler mit den Lehrpersonen hervor. Es sei auch schön, wenn sich beide Seiten - Schüler wie Lehrer - über den Lernerfolg freuen und dies gegenseitig vermitteln. Er wolle digitalen Unterricht künftig daher "wohl dosiert und bei den richtigen Themen" einsetzen. Gantner ergänzte, dass Lernen mit "Begreifen" zu tun habe:

"Das Arbeiten mit den Händen ist wichtig, nicht das Wischen über den Computer." Gerade Schüler im Grundschulalter bräuchten die soziale Nähe. Vorstellbar sei es aber, Schülern, die etwa krankheitsbedingt mehrere Wochen nicht zur Schule gehen können, Online-Unterricht anzubieten.

Coronazeit als "Familienzeit"

Gantner erzählte auch, dass viele Eltern die vergangenen Wochen als "Familienzeit" genutzt hätten und Online-Unterricht so als Chance gesehen hätten. Ihre persönlichen Erfahrungen brachte Schneider - sie bekam zwei Wochen vor dem Lock-Down ihr viertes Kind, das älteste ist sechs Jahre alt - ein. Auch sie habe die Zeit während des Lock-Downs als Zeit für die Familie gesehen. So sei etwa der Stress, mit dem Baby die größeren Kinder vom Kindergarten abholen zu müssen, weg gefallen. Ihren Kids aber "vier unterschiedliche Unterhaltungsprogramme" bieten zu müssen, sei auch nicht immer einfach gewesen.

Bildungswerkstatt: Theorie ging Online

Auch in der Bildungswerkstatt Mold habe man nach einer gewissen "Schockstarre" schnell gelernt, auf Online-Unterricht umzusteigen. Die theoretischen Teile der Kurse für landwirtschaftliche Fortbildung wurden digital durchgeführt, die praktischen Teile werden später nachgeholt. Manko aus ihrer Sicht: Gerade im Sommer haben die Teilnehmer in der Landwirtschaft viel zu tun, Zeit für Kurse bleibe da wenig.