Marty Brem: Vom Song-Contest bis zu Red Bull. Teilnahme am ESC war für den Eggenburger Marty Brem eine Enttäuschung. Karriere machte er trotzdem.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 20. November 2020 (11:42)

Fast 40 Jahre ist es her, dass sich ein 21-jähriger Eggenburger auf den Weg nach Dublin machte, um Österreich beim Eurovision-Songcontest zu vertreten. Für ihn war es bereits das zweite Mal auf der Bühne des Wettbewerbs, diesmal erstmals Solo.

Auftritt in Medien als „peinlich“ bezeichnet

Mit dem Traum des Popstars im Auge wurde es für ihn letztlich nur der 17. Platz. An sich nicht tragisch, doch auf dem Rückweg brach für den Sohn der NÖN-Legende Willi Brem eine kleine Welt zusammen. In den Medien wurde sein Auftritt gar als „peinlich“ bezeichnet und die Musikkarriere stand daraufhin eine Zeit lang still.

Den Traum des Popstars gab er auf und kehrte der Bühne den Rücken. Die Musik blieb trotzdem ein großer Teil seines Lebens. Heute ist Martin Brem „Head of Music Portfolio“ bei Red Bull und blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Musikjournalist, Manager und Modeschöpfer zurück. Mit etwas Abstand erinnert sich der mittlerweile 61-jährige mit einem Grinser im Gesicht an seine wilden Bühnenjahre.

Start bei Altenburger Sängerknaben

„Angefangen hat meine Begeisterung für die Musik mit 10 Jahren. Da habe ich entschieden, dass ich unbedingt zu den Altenburger Sängerknaben will“, erzählt Brem über seine musikalischen Anfänge. Bis zum Stimmbruch blieb er den Sängerknaben erhalten und lernte vor allem die Welt der klassischen Musik kennen.

Doch auch die Popmusik strahlte schnell eine gewisse Faszination auf ihn aus. „Es war für mich viel spannender und man konnte sich die Haare lang wachsen lassen“, resümiert Brem. Autodidaktisch lernte er Gitarre – nach eigener Aussage zum Leidwesen der Familie – und machte sich auf den langen Weg zum Popstar.

Erstes Album und erster „Fanclub“ mit 19

1978 veröffentlichte er, jetzt als Marty Brem auftretend, sein Debütalbum und erlangte erste Aufmerksamkeit. „Ich war jetzt keine große Berühmtheit, doch zumindest einen Fanclub hatte ich damals schon“, erzählt Brem.

Die große Chance ergab sich schließlich 1980, als der ORF für den Songcontest eine neue Gesangsformation zusammenstellte. „Blue Danube“ wurde extra für den ESC gegründet und war damit sozusagen eine der ersten Castingbands. Auch Marty Brem fand den Weg in die Gruppe.

Mit dem Lied „Du bist Musik“ und eingekleidet vom damals noch unbekannten Modeschöpfer Helmut Lang errang „Blue Danube“ beim Wettbewerb in Den Haag den 8. Platz.

Johnny Logan als Vorbild

Der Sieg ging damals an den Iren Johnny Logan, der mit romantischem Blick vor allem die Herzen der Zuseherinnen eroberte. In Österreich machten sich schnell Neidgefühle bemerkbar.

Für den nächsten Songcontest 1981 musste auch so jemand her. Die Wahl fiel auf Marty Brem und so durfte der Eggenburger nun auch alleine im Rampenlicht stehen. Mit dem Liebeslied „Wenn du da bist“ ging es erneut zum Song Contest, diesmal in Richtung Dublin.

Kuriose Bühnenshow geboten

Neben dem Lied sorgte vor allem die ausgefallene Bühnenshow für Aufsehen. „Ich hatte damals die Startnummer 1. Es war die Idee, etwas so Schräges und Auffallendes zu machen, dass sich die Leute am Ende der Show noch daran erinnern können“, erklärt Brem.

Heutzutage sind kuriose Bühnenshows beim ESC fast schon Standard geworden, doch damals galt die Performance von Marty Brem noch als avantgardistisch. Als Unterstützung hatte er mehrere unterschiedlich gekleidete Tänzerinnen dabei, von denen eine im Badeanzug und mit Footballhelm besonders hervorstach. Die Choreografie war eine Mischung aus Ballett und roboterhaften Tanzbewegungen. „Es war wirklich kurios und hat auch nicht wirklich zum Song gepasst, doch so etwas hatte man damals noch nicht gesehen“, schildert Brem schmunzelnd.

Platz 17 als „Blamage“

Am Ende reichte es nur für Platz 17. In den Medien wurde der Auftritt als Blamage angesehen, was für den damals 21-jährigen nicht leicht zu schlucken war.

„Der ganze Plan ging kaputt. Ich dachte, ich mache da etwas Gutes für meine Musikkarriere, doch es ging danach in die komplett falsche Richtung.“ Für ein halbes Jahr kamen keine Konzertbuchungen mehr, die Karriere stand still. Für den jungen Martin Brem eine harte Zeit, in der er aber auch eine wichtige Lektion lernte.

„Ich wurde da hingestellt, eingekleidet und musste ein Lied singen, dass nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Es war nicht aus eigener Überzeugung heraus. Ich bin durch diese Erfahrung erwachsen geworden und wollte nur mehr Musik nach meinen Vorstellungen machen.“

Auftritte mit Falco und Fendrich

Der Eggenburger kam damals an einen Scheideweg. Trotz der „Blamage“ des ESC-Auftritts erholte sich die Musikkarriere. Einige Zeit war Brem noch unterwegs und gab Konzerte. In der Wiener Stadthalle war er bei der „Austria Rock Show“ zu hören, neben Größen des Austropop wie Falco, Morak und Fendrich.

„Anfangs haben Leute noch gepfiffen. Die kannten mich alle nur von dem schnulzigen Songcontest. Ich bin aber mit meiner Musik aufgetreten und konnte die Stimmung doch noch drehen. Es war ein gutes Gefühl, zu sehen, dass es immer noch funktioniert“, erzählt Brem.

„Zweit-Karriere“ als Journalist

Trotzdem ging es für Brem danach in eine andere Richtung. Er begann Artikel für eine Popkulturseite der Kronenzeitung zu schreiben. Daraus entwickelte sich parallel zur Musik eine Karriere als Journalist. 1983 ging es nach München zum Magazin „Musik-Express/Sounds“, der damaligen Bibel für Rock und Pop Musik.

Nach einigen Jahren machte sich Brem gemeinsam mit seiner Frau selbstständig und schrieb unter anderem für die Münchner Abendzeitung. „Das Schreiben wurde zu meinem Leben und die Bühne hat mich einfach nicht mehr so interessiert.“

Schritt in Welt des Marketing

Einen Schritt weiter ging es 1988 mit einem Beratungsmandat beim Tabakkonzern Philip Morris, der damals in der musikalischen Nachwuchsförderung aktiv war. So öffnete sich für Brem der Weg in die Welt des Marketings.

In weiterer Folge wurde er Marketingchef bei Phonogram, später Vizemarketingchef bei Sony Europe. In dieser Zeit arbeitete er mit Musikern wie Elton John, Bruce Springsteen und Maria Carey. 1997 folgte die Position als Geschäftsführer bei Columbia Records in Berlin.

Auszeit nach Schicksalsschlag

Ein Schicksalsschlag erwischte Martin Brem 2001. Seine Ehefrau starb unerwartet. Es folgte eine längere Auszeit. „Die Musik war fürs Erste abgemeldet. Ich habe Zeit mit meinen Kindern verbracht und die wirklich wichtigen Dinge im Leben erkannt.“

Beruflich ging es danach erneut in eine ganz andere Richtung. Brems verstorbene Ehefrau Ursula hatte auf ihren Reisen nach Japan etliche Kimonos gesammelt. Gemeinsam kamen sie auf die Idee, aus dem Stoff Schals herzustellen.

Zur Erinnerung an die Ehefrau entwickelte er daraus ein Geschäftskonzept. Unter dem Label „Sai So“ produzierte Brem Schals und Röcke aus Kimono-Stoffen und verkaufte diese weltweit. „Ich konnte mich damit ganz gut austoben, doch auf Dauer war es nicht das, was ich wollte. Die Musik musste wieder her“, erzählt der Ex-Modeschöpfer.

Perfekte Position“ bei Red Bull

Seit 2012 ist Martin Brem „Head of Music Portfolio“ bei Red Bull. Dort ist er für die Musiklizenzierungen des Unternehmens weltweit verantwortlich. „Es ist für mich die perfekte Position. Ich kann dabei alles, was ich bisher in meinem Leben gelernt habe, einbringen“, schildert Brem.

Nach einiger Zeit in Salzburg und zwischenzeitlich in Los Angeles, lebt er mittlerweile wieder in der Mozartstadt. Auch wenn er schon lange nicht mehr in Eggenburg lebt, kommt er immer wieder gerne an seinen Ursprungsort zurück. „Ich fahre total gerne ins Kloster Pernegg zum Fasten und natürlich besuche ich auch meinen Vater.“

Der ist übrigens niemand anderes, als der langjährige NÖN-Fotograf Willi Brem. Über die „Blamage“ von 1981 kann er mittlerweile nur mehr lachen. Der Songcontest interessiert ihn heutzutage „null“.