Erst Polizeisperre hielt Fahrerin auf. 47-jährige Pkw-Lenkerin fuhr Schlangenlinien und gefährdete den entgegenkommenden Verkehr: „Das Ganze tut mir aufrichtig leid.“

Von Karin Widhalm. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:11)
Nur eine Straßensperre stoppte eine 47-Jährige, die Schlangenlinien fuhr.
Symbolfoto: APA

Polizisten hatten im Jänner alle Hände voll zu tun, um eine offensichtlich in ihrem Reaktionsvermögen beeinträchtigte Autofahrerin zum Stoppen zu bewegen, – und das schafften sie letztlich nur mit einer Straßensperre in Maissau. Die 47-Jährige aus Retz (Bezirk Hollabrunn) kann sich an rein gar nichts erinnern, erzählt sie am Bezirksgericht Horn.

Sie ist wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit angeklagt, außerdem wegen Betrugs: Die Frau hat in einem Horner und später in einem Retzer Lokal Getränke konsumiert und nicht bezahlt. Die Schulden habe sie beglichen. Die Autofahrt ist gänzlich aus dem Gedächtnis gestrichen. „Ich weiß das nur von Erzählungen der Polizei und meinen Leuten“, fühle sie sich dennoch schuldig. Sie sei von Alkohol und Tabletten abhängig: „Ich habe immer wieder Gedächtnisverluste.“

„Haben uns gewundert, dass nichts passiert ist“

Zwei Polizisten beschreiben die Autofahrt der Frau, die ihnen auf der B 4 bei Mold aufgefallen ist. Die 47-Jährige sei in einem Tempo von 60 km/h bis zur „Autobahngeschwindigkeit“ stets nach links abgedriftet, der Gegenverkehr musste zum Teil ins Bankett ausweichen.

Die gefährlichen Momente an jenem Freitagnachmittag, „wo ganz Wien ins Waldviertel pendelt“, seien zahlreich gewesen. „Wir haben uns gewundert, dass vorher nichts passiert ist“, sagt der 44-jährige Polizeibeamte. Blaulicht und Anhaltezeichen habe die Lenkerin ignoriert – und fast habe sie einen Auffahrunfall mit dem Polizeiwagen verursacht. Man habe sich dann hinter ihr gehalten, mit Lichthupe den Gegenverkehr gewarnt und die Kollegen aus Ravelsbach und Ziersdorf zu Hilfe gerufen.

Diese bauten eine Straßensperre bei Maissau auf. „Das Anhalten ist gelungen, auch mit Glück“, sagt der 39-Jährige. Die Lenkerin habe versucht, über die Böschung auszuweichen.

„Das Ganze tut mir aufrichtig leid“, sagt die elffach vorbestrafte Beschuldigte. Bezirksrichter Thomas Brandstetter will wegen ihrer massiven Erinnerungslücken ein Gutachten einholen, um die Schuldfähigkeit der Frau zu klären. Verhandlung vertagt.