Mondscheinkino-Anfänge: Als das Kino mit dem Lkw kam. Andreas Zeugswetter schildert, wie die Open Air-Filmabende in Eggenburg Fuß fassten – und was ein umgebauter Lkw damit zu tun hat.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 28. Juli 2021 (08:05)

Oper Gars, Allegro vivo oder das Barocktheater in Altenburg, um 1997 herum ist in der Region vieles entstanden, wie sich Andreas Zeugswetter heute erinnert. Er war damals im Stadtrat, die Stadtgemeinde habe wie heute wenig Geld gehabt und die Frage sei im Raum gestanden: „Was könnten wir machen?“ Das war der Anfang des Mondscheinkinos, das heuer in die 25. Ausgabe geht.

Wobei, zuerst dachte man noch an ein Sommertheater. Das habe man dann aber doch als organisatorische Herausforderung in der Vorbereitung gesehen. Die zündende Idee kam Zeugswetter beim Lesen: In einer Zeitung stand, dass in einer Ruine bei Hainburg Filme gezeigt wurden. „Ich möchte genau das bei uns machen“, dachte er sich. Zeugswetter holte die Hainburg-Veranstalter nach Eggenburg, um ihnen die gerade vom Bürgerkorps revitalisierte Kanzlerwiese zu zeigen.

"Denen ist die Lade runtergefallen"

„Ich habe den Fluter aufgedreht und denen ist die Lade runtergefallen.“ Die Cineasten kamen dann mit einem „Kinomobil“, einem umgebauten Lastkraftwagen, bei dem zwei Fenster für zwei Projektoren rausgeschnitten waren. „Ein einziger Film hatte 25 Kilo, er war auf fünf oder sechs Rollen.“ Der 4.000 Meter Zelluloidfilm musste zusammengeklebt (und später wieder auseinandergenommen) werden, das Mondscheinkino-Team hat jeden Wechsel für die Buffetpause genutzt. „Erst nach etlichen Jahren haben wir gesehen: Eigentlich haben wir da oben einen Raum.“ Der Projektor steht heute nicht mehr im Lkw, sondern unterm Dach. „So ist das langsam gewachsen.“

1.500 Leute seien im ersten Jahr über die ganze Saison gekommen. 2003 war das absolute Spitzenjahr mit 8.700 Besuchern. „Das Mondscheinkino ist ein supertolles Zugsmittel, ein touristischer Anziehungspunkt und kulturelles Highlight“, sagt Stadträtin Margarete Jarmer. „Es ist schön, dass die Stadtmauer auch für diese Zwecke genutzt wird, nicht nur historisch, und man sieht, wie vielfältig man die Stadtmauer ins alltägliche Tun einbinden kann.“

Über Corona und der fehlende Gastwirt

Aber: „Wir merken heuer wieder: Die Coronageschichte sitzt den Leuten doch tief im Nacken, auch wenn wir im Vorjahr viele Besucher hatten, die noch nie bei uns waren“, schildert Zeugswetter. Eines findet er sehr schade: „Mir tut’s furchtbar weh, dass wir im Moment ohne Gastwirt sind. Das ist eine Katastrophe, wo wir uns schon fragen, wofür machen wir das, wenn niemand in Eggenburg essen gehen oder übernachten kann.“ Marie-Theres und Johannes Tutschek haben das Catering übernommen, nachdem sich Werner Oppitz in den Ruhestand verabschiedet hat. Eggenburg hat zudem mit dem Landgasthaus „Zum Seher“ ein Lokal verloren. „Aber das wird wieder anders werden, davon bin ich überzeugt“, ist Zeugswetter dennoch zuversichtlich.

Manchmal braucht’s nur eine Idee, wie im Fall des Mondscheinkinos – und trotzdem: „Eine Idee kannst du alleine haben, aber zum Umsetzen brauchst du viele Köpfe und Hände. Ohne meine freiwilligen Helfer wäre das nicht machbar!“, betont er. Und es zahlt sich aus: „Das Schönste ist immer, wenn alle mit einem Grinser rausgehen, dann geht‘s mir gut.“

Zeugswetters Programmvorschau: In Woche zwei warten „Nightlife“, eine Komödie in Berlin. Der Griff ins Archiv, „was Frauen wollen“, endlich wissen wir Männer, was Frauen so denken (zumindestim Jahr 2000). Hoffentlich Wetterglück am Samstag bei der fantastischen Reise des Dr. Dolittle, damit die Kinder im heurigen Kinosommer ankommen. Und am Sonntag wartet mit „Was wir wollten“ ein österreichischer Film rund um Beziehungsprobleme wegen unerfüllten Kinderwunschs.