Waldviertler Orthopäde modelliert Beinschiene für Gans. Jungtier hatte Schwierigkeiten, weil das Gelenk raussprang. Hubert Schleritzko fertigte ein passgenaues Stützmodell an.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. August 2020 (05:24)

„Schnick“, eine mittlerweile zwölf Wochen junge Gans, hatte in ihren jungen Jahren Anlaufschwierigkeiten. Ihr Kniegelenk sprang an einem ihrer Beine ständig heraus, das Gehen fiel ihr schwer. „Wir haben es zuerst mit Gips probiert, aber dann ist sie nur gelegen“, schildert Besitzerin Monika Berchtold, die Rat bei Tierärztin Agnes Hufnagl in Groß Siegharts (Bezirk Waidhofen) suchte.

Eigenkonstruktion hat auf Anhieb gepasst

Ein Zustand, der weder für die Gans, noch für Pina Berchtold zufriedenstellend war: Die Zwölfjährige zieht mit Leidenschaft Tiere groß, „Schnick“ ist über Bekannte in ihre Hände gekommen.

Eine Schiene musste her: Die Helnwein-Orthopädietechnik hatte zwar nichts Passendes im Sortiment, aber einen guten Rat. Die Familie solle sich an Hubert Schleritzko wenden.

Der Orthopäde mit Ordination in Mühlfeld behandelt vorwiegend Menschen, aber hatte schon – besonders während seiner Tätigkeit in Wien – etlichen Hunden und sogar einem Reh geholfen. „Das war meine erste Gans“, lächelt er. Eine Herausforderung, der er sich gern gestellt habe: Das Gelenk, das doch ein Teil des Gewichts der Gans tragen muss, musste gestützt werden – mit einer Schiene, die vergleichsweise klein ist und nicht zu schwer sein darf, damit das Bein seine Beweglichkeit behält.

„Die Hülse ist aus Kautschuk, ein weiches Material, das bei niedriger Temperatur angeformt werden kann; und die Schiene ist aus Aluminium“, erklärt Schleritzko. Die Eigenkonstruktion hat auf Anhieb gepasst – und funktioniert. Die Eingewöhnungsphase habe nur einen Tag gedauert: „Das ist so schnell gegangen“, freut sich Berchtold. „Sie geht insgesamt besser.“

Man wartet jetzt die weitere Entwicklung ab: „Entweder sie braucht weiterhin eine Schiene oder das Bein stabilisiert sich wieder“, sagt die Besitzerin. „Das Gelenk springt nicht mehr so leicht hin und her“, bemerkt Schleritzko schon jetzt eine Verbesserung.

Wasservögel-Familie hält zusammen

„Schnick“ lebt in einer Wasservögel-Familie bei den Berchtolds in Kollmitzgraben: Der beste Freund der Gans ist die Ente „Schnack“ und damit beide nicht alleine sind, gibt’s noch eine Gans und eine Ente. Sie bleiben stets zusammen – und bei „Schnick“, die nicht weit gehen kann. „Sie sind sehr soziale Tiere“, beobachtet Monika Berchtold. Schnack protestiert tatsächlich, als Pina Berchtold Schnick zum Fototermin trägt.

Die blutjunge Pflegerin weiß, wohin ihr beruflicher Weg führen wird: Dieser soll ganz bestimmt etwas mit Tieren zu tun haben.