Glocken „flogen“ zu Freunden in Stálky. Die alte Freundschaft zwischen Gottfried Bach und Franz Reiss führte zur Spende der Pfarre Pernegg.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 18. August 2019 (04:50)
Karin Widhalm
Warten gespannt auf das Erklingen alt bekannter Glocken an einem neuen Platz (v. l.): Vizebürgermeister Andreas Nendwich, Bürgermeister Franz Huber, Bruno Pleßl, Pfarrer Milan (Stálky), Alois Liebhart, Bürgermeister Jiří Willmann, Pfarrer Sebastian Kreit und Gottfried Bach. Pernegg schenkte Stálky zwei Glocken, die in der Waldviertler Pfarrkirche zu den weiteren drei klanglich nicht passten.Widhalm

„Zu viele tschechische Worte“, seufzte ein Bewohner aus Stálky (Stallek) während der Samstagsmesse und deutete mit einem Handzeichen dem Dechant zum Ende zu kommen, was dieser mit einem Lächeln tat. Die Sorge des Stallekers begründete sich darin, dass Österreicher den Gottesdienst verfolgten: Die meisten verstanden die tschechischen Worte in der Predigt nicht. Und ihr Besuch hatte ein Ziel vor Augen: Sie warteten mit ihren tschechischen Freunden auf den Klang zweier Glocken.

Nicht unbedingt, weil sie das Ende der Messe ersehnten: Die Pfarre Pernegg spendete ihre Glocken der Kirche Mariä Himmelfahrt in Stálky. Die alten Klangwerke im tschechischen Ort hatten einerseits einen Sprung oder wurde andererseits als zu blechern erachtet. Sie stammten aus dem Jahr 1919.

Pernegg hat fünf Glocken, wobei jene zwei, die jetzt in Stálky hängen, klanglich nicht dazu gepasst hatten. „Sie wurden uns vom Stift Geras geschenkt“, berichtet Vizebürgermeister Andreas Nendwich. Die Restaurierung des Glockenstuhls hatte die Entscheidung zur Folge, zumindest eine zu spenden. Die zweite könnte in einer Kapelle angebracht werden, so die erste Idee. Aber: „Sie war zu groß“, schildert Pfarrer Sebastian Kreit.

Nichts Voreiliges: Das Warten lohnte sich

Die Verbindung zwischen Pernegg und Stálky legten Franz Reiss (Langau) und Gottfried Bach (Stálky), die sich beide aus Volksschulzeiten in Langau kennen. Bach ist ein gebürtiger Stallker und gehört zu den vertriebenen Südmährern, blieb aber seinem Heimatort verbunden. Er erfuhr, dass man an neue Glocken für die Kirche denkt. „Ich habe zum Bürgermeister gesagt: warte.“ Eine gute Entscheidung, wie sich erwies, denn die Kontakte über die Grenze hinweg machten die Spende gleich zweier Glocken möglich. Bürgermeister Jiří Willmann zeigte sich sehr dankbar.

Die „Neuen“ wurden 1949 gegossen. Das Erklingen quittierten die Kirchenbesucher mit Applaus – und Pfarrer Sebastian kam beim Hinausgehen zur Erkenntnis, dass eine Verständigung über die Grenze hinweg auch ohne Sprachkenntnisse funktioniert. Alle ließen den Tag beim Spanferkel ausklingen.