Ohrfeige oder doch ein Faustschlag? Mann vor Gericht. Was wirklich bei einem Fest vorging, konnte nicht restlos geklärt werden – Freispruch.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 22. Februar 2019 (04:54)
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Das Bezirksgericht verhandelte über eine Auseinandersetzung.

Die Hauptverhandlung war schon im November, aber das Hinzuziehen eines Sachverständigen und zweier Zeugen erforderte den zweiten Bezirksgerichtstermin in der vorigen Woche. Eine Frau wirft einem jungen Mann vor, sie bei einem Fest in Pernegg mit der Faust geschlagen zu haben. Der Angeklagte weist das zurück: Er habe sie mit beiden Händen an den Schultern weggestoßen.

Der behandelnde Arzt aus dem Landeskrankenhaus Horn wurde als Zeuge geladen: Er habe außer einer leichten Schwellung äußerlich nichts gesehen. Der Mund der Frau habe sich aber nicht ganz öffnen lassen. Die Computertomografie (CT) zeigte keine Fraktur.

„Die Verletzungen sind objektivierbar“

Sachverständige Milan Hyza, Facharzt für Unfallchirurgie, schließt einen Faustschlag jedenfalls aus. Die Frau wäre sonst mehr verletzt gewesen. Sie sei mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der flachen Hand auf den Kiefer getroffen worden. Das habe die Schwellung verursacht und sei auf dem CT zu sehen.

Der Polizeibeamte, der die Betroffene einvernommen hat, betonte, dass er die Einvernahme genauestens durchgeführt habe. Bei ihm war die Rede von einem Faustschlag, vor Gericht hat die Frau eingeräumt, dass es sich um eine Ohrfeige gehandelt haben könnte. Dem Sachverständigen habe sie wiederum gesagt, sie sei sich zu 98 Prozent sicher, dass es die Faust gewesen war.

Der Richter sprach den Angeklagten im Zweifel frei. „Die Verletzungen sind objektivierbar, sondern gibt’s nur Widersprüche“, begründet Thomas Brandstetter. Das gelte besonders für die Frau, die ihre Aussage mehrmals geändert hat. „Die anderen Zeugen waren um nichts glaubwürdiger“, ergänzt er. „Es wird wohl eine Ohrfeige gewesen sein.“ Wie die Auseinandersetzung vonstattenging, wurde aber nicht restlos geklärt.