Job-Chance im Bezirk Horn: „Habe Lunte gerochen“. Die Altenburgerin Martina Pfeifer fasst mit Hilfe des AMS NÖ Fuß in Gesundheitsbranche – und will noch mehr.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:13)
Martina Pfeifer erhält dank der Qualifizierungsoffensive des AMS NÖ derzeit eine Ausbildung als Ordinationsassistentin. Mit AMS-Geschäftsstellenleiter Ferdinand Schopp plant sie schon die weitere Ausbildung.
TW, TW

„Auch wenn die Ausbildung herausfordernd ist und ich viel lernen muss: Ich habe Blut geleckt“ – mit diesen Worten beschreibt die Altenburgerin Martina Pfeifer ihre aktuelle berufliche Neuausrichtung. Ermöglicht wurde ihr dieser Schritt durch eine Qualifizierungsoffensive, die das AMS NÖ gemeinsam mit dem Land NÖ und den Sozialpartnern durchführt.

Denn auch wenn der Arbeitsmarkt im Bezirk Horn vergleichsweise gut durch die pandemiebedingte Krise gekommen ist – die richtige Berufswahl ist laut AMS-Geschäftsstellenleiter Ferdinand Schopp wichtiger denn je. Daher wolle man mit dieser Qualifizierungsoffensive, in deren Zentrum Schulungen in den Bereichen Technik und betriebsnahe Ausbildung stehen, Betroffenen unter die Arme greifen. Landesweit stehen für diese Aktion 63 Mio. Euro zur Verfügung.

Schwester motivierte zu Einstieg in Gesundheitsberuf

Geld, das zumindest im Fall von Pfeifer gut angelegt ist. Die 43-jährige gelernte Einzelhandelskauffrau war zunächst 14 Jahre in ihrem Stammberuf tätig. „Dann habe ich Kinder bekommen und es wurde immer schwieriger, im Verkauf zu arbeiten“, erzählt sie. Unregelmäßige Arbeitszeiten – teilweise bis 19 Uhr – hätten Probleme bei der Betreuung der Kinder verursacht. Als sie dann nach einem Unfall auch körperlich gehandicapt war, traf sie die Entscheidung, sich beruflich neu zu orientieren.

Die Motivation durch ihre Schwester, die ebenfalls im medizinischen Bereich tätig ist, habe sie dann dazu gebracht, sich für einen Beruf im Gesundheitsbereich zu interessieren, sagt Pfeifer. „Dass ich es wirklich mache, war dann eine spontane Entscheidung. Ich habe mir gedacht, was gibt es besseres, als in einer zukunftsträchtigen Branche Fuß zu fassen?“, erzählt sie. Dankbar ist sie dem AMS, dass sie dann noch in die bereits angelaufene Schulung einsteigen durfte: „Da hat man sehr flexibel und schnell reagiert.“ Da die Schulungen derzeit online abgehalten werden, sei auch die Vereinbarkeit mit der Betreuung ihrer Kinder gegeben gewesen.

Job schon in Aussicht

Noch bis nächsten Jänner wird sie so zur Ordinationsassistentin ausgebildet – und dennoch stehen ihre Jobaussichten schon jetzt gut. Denn sie hat nicht nur schon die erste Prüfung absolviert und ein Vorstellungsgespräch fixiert, auch ein Praktikum ist schon angedacht. „Und wenn ich dann die letzte Prüfung absolviert habe, kann ich direkt in ein Arbeitsverhältnis übergehen“, ist die Vorfreude auf die Tätigkeit in ihrem neuen Job schon groß.

Wieder „lernen“ gelernt

Die Ausbildung selbst sei sehr herausfordernd. „Wir müssen da schon sehr viele Dinge lernen. Anfangs tut man sich schwer damit, aber man kommt wieder rein. Man lernt auch wieder, wie man lernt“, berichtet sie. Die Mühe sei es ihr aber auf alle Fälle wert, denn die Aussicht auf einen neuen Job hebe auch ihr Selbstwertgefühl – und macht Lust auf mehr. Die Motivation, später weitere Ausbildungen zu absolvieren und zusätzliche Qualifikationen – etwa als Röntgen-Assistentin – zu erwerben, sei groß: „Ich habe jetzt Lunte gerochen“, sagt Pfeifer.

Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften hoch

Für das AMS Horn stehe laut Schopp derzeit die Vermittlung Arbeitssuchender im Zentrum. Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften sei hoch – insbesondere in Zukunftsbranchen wie technischen Berufen, Transport und Logistik, Elektronik und digitale Technik und im Pflegebereich. Im Bezirk Horn befinden sich übrigens seit Beginn der Coronakrise 229 Jobsuchende in Programmen der Corona-Qualifizierungsoffensive, berichtet Schopp. Mit Ende April waren übrigens 156 Personen – um 40 mehr als vor einem Jahr – in AMS-Schulungen.

Arbeitslosigkeit sank im April fast um 50 Prozent

Mit Ende April waren im Bezirk Horn übrigens 494 Personen beim AMS arbeitslos gemeldet. Gegenüber April 2020 ein Rückgang um 441 oder 47,2 Prozent. Mit den Schulungsteilnehmern sind gegenüber dem Vorjahresmonat mit 650 um 399 Personen (38,0 Prozent) weniger beim AMS Horn gemeldet. Ein Blick auf den Vergleich mit April 2019 zeige aber, dass die Krise noch nicht vorbei sei. Die wirtschaftliche Erholung wirke erst zeitverzögert auf den Arbeitsmarkt, da Unternehmen ihren erhöhten Personalbedarf zuerst über eine stärkere Auslastung der bestehenden Personalkapazitäten abdecken, sagt Schopp. Besonders betreffe das den Abbau von Kurzarbeitszeitkontingenten.

Langzeitarbeitslosigkeit wird wieder mehr zum Problem

Wenig Optimismus lasse die Situation bei der Langzeitarbeitslosigkeit zu. Bereits 48 – somit etwa 10 Prozent aller Arbeitslosen – gehören zu dieser Personengruppe. Dieses Phänomen einzudämmen, müsse daher ein weiteres großes Anliegen in den kommenden Monaten sein, sagt Schopp. Wie das klappen kann? „Wir müssen die gute Zusammenarbeit mit den Betrieben der Region weiter forcieren und den Betrieben maßgeschneiderte Förderangebote unterbreiten.“