FF Gars-Kommandant Nichtawitz: „Es zehrt an Substanz“. Zwar gingen 2020 die Einsätze der Feuerwehr zurück, aber auch die Einnahmen.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 07. Januar 2021 (04:15)
Kommandant Thomas Nichtawitz und seine Garser Feuerwehrmitglieder mussten 2020 große Herausforderungen meistern.
Rupert Kornell

Ein in jeder Hinsicht forderndes Jahr war das vergangene, und so wie dieses zu Ende gegangen ist, beginnt 2021, mit einem Lockdown. NÖN-Mitarbeiter Rupert Kornell sprach über das vergangene und das zukünftige Jahr mit Thomas Nichtawitz, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gars.

NÖN: 2020 war ja kein besonders einfaches Jahr, sicher auch nicht für die Feuerwehr. Wie unterscheidet es sich von den vorhergehenden?

Thomas Nichtawitz: Eine Pandemie in dieser Form haben wir ja noch nie erlebt, darum waren auch wir vor große Herausforderungen gestellt. Mit dem ersten Lockdown im März sind Vorkehrungen getroffen worden, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Wir haben drei Gruppen gebildet, die untereinander keinen Kontakt hatten. Schwierig war die Zusammensetzung, denn in jeder Gruppe mussten ja kompetente Leute für Atemschutz, Bergung, Schadstoffe, Leute mit C-Führerschein sein. Wir haben natürlich darauf geachtet, dass Leute aus der gleichen Familie oder Verwandte in einer Gruppe waren.

Aber damit war es sicherlich nicht getan. Es gab ja auch nach den Einsätzen etwas zu tun.

Nichtawitz: Natürlich, alle Fahrzeuge, alle Geräte mussten desinfiziert werden. Jede Gruppe hatte einen Hygienebeauftragten, der auf die Einhaltung der Regeln geachtet hat. Wir haben eine eigene Dienstanweisung verfasst, ganz vorne stand da, dass Risikopersonen, also solche über 65, nicht mehr ins Feuerwehrhaus kommen durften. Auch von den anderen erhielten nur jene Zugang, die Dienst hatten, um Kontakte weitestgehend zu vermeiden. Das unser Konzept gegriffen hat bzw. greift, zeigt sich auch daran, dass wir keinen einzigen Covid 19-Fall in der Mannschaft hatten.

Die Einsatzbereitschaft war wohl zu jeder Zeit gegeben?

Nichtawitz: Darauf haben wir streng geachtet. Ein Vorteil in dieser Situation war, dass viele Mitglieder im Homeoffice waren und so für Einsätze bereit standen. Allerdings können wir jetzt keine drei Einsatzgruppen mehr stellen, sondern nur mehr zwei, dafür hat jede mehr Leute.

Aber das war wohl nicht alles, was anders war gegenüber den früheren Jahren?

Nichtawitz: Nein. So sind alle Besprechungen, alle Übungen, jegliche Ausbildung, alle gemeinsamen Vorhaben mit anderen Wehren, Jugend- und Kinderfeuerwehr total heruntergefahren worden. Für 2020 wäre eine Großübung gemeinsam mit den ÖBB und den anderen Blaulichtorganisationen geplant gewesen. Das haben wir auch streichen bzw. auf 2021 verschieben müssen. Ein wichtiger Punkt, der im Vorjahr auch zu kurz gekommen ist, ist die Kameradschaft, die Geselligkeit. Die Kaffee-Ecke war total verwaist, niemand ist zu einem Plauscherl vorbeigekommen, trostlos. Es zehrt an der Substanz.

Genaue Einsatzzahlen liegen ja noch nicht vor, aber Sie haben trotzdem den Überblick: Hat es weniger Einsätze gegeben?

Nichtawitz: Das schon, denn man darf ja nicht vergessen, dass während des ersten Lockdowns jeglicher Verkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist, weil sich die Leute an die Vorgaben gehalten haben, viel besser als beim zweiten. Und über den dritten kann man derzeit noch nichts sagen. Technische Einsätze waren rückläufig, Brandeinsätze gibt es ja kaum. Aber einen lustigen hat es gegeben: Anruf bei der Feuerwehr: „Im Haus ist Gasgeruch wahrnehmbar. Da gibt es irgendwo ein Leck!“ Als wir dort eingetroffen sind, hat sich herausgestellt, dass der Geruch von einem Spray kommt. Ein Nachbar hat seine Schuhe imprägniert …

Die Feuerwehren finanzieren sich ja durch Spenden und Subventionen, großteils aber durch Abgeltung für Einsätze.

Nichtawitz: Da wie schon erwähnt speziell letztere drastisch zurückgegangen sind, hat sich das selbstverständlich auch auf unser Budget ausgewirkt. Auch der Entfall der Einnahmen aus dem Feuerwehrfest oder dem Wandertag trifft uns sehr. Wir können daher keine großen Investitionen tätigen, müssen es auch nicht, denn wir sind gut ausgestattet. Nur der Unimog, den wir im unwegsamen Gelände brauchen, wäre zu ersetzen. Aber ein solches Fahrzeug gibt es nicht mehr, daher lassen wir das Auto reparieren.

Eine Investition steht aber dennoch an, nämlich das neue Feuerwehrhaus, dessen Bau ja schon von der Gemeinde zugesagt ist.

Nichtawitz: Der Plan ist nahezu fertig, er wurde bereits vom Landesfeuerwehrkommando fachlich genehmigt was etwa Größe, Raumaufteilung, Ausstattung, Betriebskosten betrifft. Jetzt sind wir dabei, die Finanzierung auszuarbeiten. Dass die Kommunen derzeit ein Finanzloch haben, ist leider Tatsache und betrifft somit auch uns. Die Gemeinde Gars hat allerdings ihre Bereitschaft zur Finanzierung erklärt, auch wir werden unseren Beitrag leisten, hauptsächlich wohl in Form von Arbeitsleistung.

Ist zu rechnen, dass man heuer noch in die Umsetzung geht?

Nichtawitz: Wir hoffen sehr stark, dass wir diesbezüglich zu einer Lösung kommen. Und auf ein ganz normales Jahr …