Das Handwerk leidet unter Corona und den Maßnahmen. Handwerker aus der Region Horn zeigen Verständnis für Maßnahmen, leiden aber unter fehlenden Absatzmöglichkeiten.

Von Georgia Kazantzidu. Erstellt am 02. Dezember 2020 (05:58)

Das Handwerk hat schon immer eine vorrangige Rolle in der Prägung der Kultur und der Erhaltung der Tradition gespielt. Es liegt ihm eine hohe Kompetenz, Qualität, Vielfalt und Kreativität zugrunde. In der Corona-Pandemie wird es für Handwerker aber schwierig, ihre Produkte an den Kunden zu bringen.

Hinter den tüchtigen Handwerkern stehen Familien und deren Bedürfnisse. Alle, die das Handwerk als Nebentätigkeit betreiben, sind nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Beispiel aus dem Bezirk Horn ist Robert Kürzinger aus Kühnring. „Ich habe zwar Einbußen, aber mich betrifft das nicht so stark, weil ich nicht hauptberuflich als Handwerker tätig bin“, sagt er. Neben seiner Tätigkeit als Möbelrestaurator baut er Holzlampen aus heimischen Hölzern, vorwiegend aus Zirbe, Lerche und Fichte.

Geigenbauerin: Auftragslage rückläufig

Über die Schließung der Adventmärkte gehen die Meinungen auseinander.

„Die Regierung hat gut reagiert, vor allem zu Beginn der Krise. Natürlich kann man es der Bevölkerung nie zu 100 Prozent recht machen“, sagt etwa Katharina Kurz, Geigenbauerin aus Röschitz, die neben Sanierungen und Reparaturen auch im Geigenhandel tätig ist. Sie spüre die Krise in der Auftragslage deutlich, da alle Konzerte ausgefallen sind.

„Eigenverantwortung nicht gelebt“

Die Keramikerin Maria Schneider aus Wartberg bei Eggenburg sieht die Maßnahmen als Folge im Verhalten der Bürger: „Es hat keinen anderen Weg gegeben“, und erklärt, dass die Eigenverantwortung nicht richtig gelebt wurde, weil ansonst die Situation jetzt nicht so eskaliert wäre. Sie habe zwar keine anderen Absatzmöglichkeiten als Adventmärkte, hofft aber auf Besserung im nächsten Jahr, weil: „Die Gesundheit ist ohnehin wichtiger als das Finanzielle.“

Auch Dorit Hofbauer aus Eggenburg – sie stellt Schmuck und Seife her – ist mit den Maßnahmen grundsätzlich zufrieden, weil es, wie sie betont, keine Alternative gibt: „Wir müssen uns daran halten, denn nur so kommen wir durch die Krise.“ Sie bewirbt ihre Produkte über soziale Medien und berichtet über „absolut spürbare Einbußen“.

Kürzinger hat hingegen wenig Verständnis für die Schließung der Adventmärkte und meint: „Die Märkte, die im Freien stattfinden, hätte man offenlassen können und sollen. Viele Handwerker haben bei dieser Gelegenheit mit Umsatz gerechnet“, sagt Kürzinger.

Kritik kommt auch von Gerhard Hackl aus Unterweißenbach. „Im Sommer hätte die Regierung vernünftiger organisieren sollen. Man hätte die Ärzte mehr zu Wort kommen lassen sollen, anstatt Panik zu verbreiten“, sagt Hackl. Er befürchte, dass viele Arbeitsplätze nicht mehr zu retten sein werden. „Das Drama kommt erst“, fürchtet er.

Mehr Verständnis für die Maßnahme, die Adventmärkte nicht stattfinden zu lassen, zeigt Georg Gilli von der Gilli-Mühle in Eggenburg. Er findet es persönlich schlimm, dass die Märkte geschlossen sind, gibt sich aber einsichtig, dass es eben so sein muss. Die finanziellen Einbußen von vier bis fünf größeren Adventmärkten vor allem in Wien nimmt er in Kauf.

Online als Alternative?

Auch bei den Handwerkern hat ein Umdenken stattgefunden, was die Online-Vermarktung und den Online-Handel betrifft. „Wir müssen uns die Nischen suchen, die funktionieren“, so Katharina Kurz.

Dabei sei Werbung und Marketing sehr wichtig, aber auch sehr teuer, und für kleine Unternehmen nicht wirklich leistbar. Sie selbst hat daher noch keinen Online-Shop, weil „das bis dato verkaufstechnisch nicht notwendig“ gewesen sei.

Die teuren Werbungskosten bekrittelt auch Gerhard Hackl aus Unterweißenbach. Er produziert Holztaschen in großer Vielfalt. Er vermisst eine Werbeoffensive seitens der Regierung für kleinere Unternehmen und regionale Produkte. Solche Investitionen wären langfristig eine wertvolle Investition, die zudem auch Arbeitsplätze sichere.

„Das Unterstützen regionaler Produkte anstatt internationaler Großkonzerne, die bei uns keine Steuern zahlen wäre wichtig“, meint auch Gilli. Er verkauft über seinen Online-Shop schon jetzt seine Produkte in ganz Österreich.

Auch Kunden in der Pflicht

Ausschlaggebend sei aber das Kaufverhalten der Kunden: „Die Menschen sollen achten, wo sie ihre Geschenke kaufen und dadurch die regionalen Produzenten unterstützen“, meint Gilli. Problematisch sieht Hackl auch die Situation des Preisdumpings seitens der Großkonzerne: „Oft sind Produktpreise weit unterhalb des reinen Materialwertes. Das ist unverständlich und kein fairer Handel.“

Auch unverständlich: „Internationale Konzerne machen durch die Coronakrise exorbitante Umsätze, und kleine Händler – die Steuern zahlen und Menschen beschäftigen – dürfen nicht öffnen“, ärgert er sich. Laut Kürzinger bleibe zu hoffen, dass sich die Lage verbessert und 2021 die Märkte wieder öffnen können.

Handwerks-Kalender ist fertig

Wie viele seiner Handwerker-Kollegen ist auch Kürzinger Mitglied bei der „Manufactura“, einem Verein zur Erhaltung und Bewahrung des Handwerks mit Sitz und Geschäftsstelle in Eggenburg. Über die Manufactura kann man den neuen Handwerker-Kalender der Eggenburger Fotografin und Manufactura-Obfrau Margarete Jarmer erwerben.

Mit diesem jährlich erscheinenden Kalender will die Fotografin, die selbst Handwerkerin aus tiefstem Herzen ist, die Vielfältigkeit und kreative Einzigartigkeit des Handwerkes aufzeigen. Handwerke aus den verschiedensten Bereichen werden stimmungsvoll und eindrucksvoll wiedergegeben.

Der Kalender ist bei Jarmer (office@fotojarmer.at, 0664 90 27 166) oder im Online-Shop der Manufactura erhältlich (25 Euro, 28 Euro mit Versand).