Allegro vivo: "Wir glauben an die Kultur". Wie wichtig die Musik ist, war im Stift Altenburg mehr als spürbar: Ihren Wert hoben alle Festredner hervor. Bravo-Rufe ließ das Publikum nach dem Eröffnungskonzert hören.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 11. August 2020 (12:13)

„Das Einzige, das Wert hat, ist die Musik. Sie lässt unsere Herzen höher schlagen.“ Vahid Khadem-Missagh, der künstlerische Leiter des Kammermusik Festivals Allegro Vivo, leitete so beim Eröffnungskonzert des 42. Festivals in der Altenburger Stiftsbibliothek von Ludwig van Beethovens Kreutzersonate auf Roland Bartiks Divertimento, einem Auftragswerk des Festivals und des Landes NÖ, über. 

Auch ihm stand die Freude wie Geschäftsführer Nikolaus Straka ins Gesicht geschrieben, der meinte: „Bis vor zwei Monaten haben wir nicht gewusst, ob wir starten können. Aber heute haben wir die Sommerakademie mit fast 250 jungen Musikern eröffnet, nun folgt der Reigen der Konzerte vor allem in Altenburg und Horn. Durch die große Unterstützung vieler Förderer und des Publikums können wir das Festival unter dem Motto ,appassionato‘ beginnen, das mittlerweile zu ,molto appassionato‘, also ,Mit viel Leidenschaft‘ geworden ist.“ Und zitierte aus Beethovens Vorwort zu dessen „Missa solemnis“: Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen.

„Unmögliches gibt es für den Glaubenden nicht“, stellte Altenburgs Prior Pater Michael Hüttl an den Beginn seiner Ausführungen, als er an die Wanderung Jesu über den See Genezareth erinnerte. „Der Glaube versetzt Berge, verändert Welten. Der Wert der Kultur war uns zu selbstverständlich, jetzt wird er uns neu bewusst – und wir glauben daran!“

In die gleiche Kerbe schlug auch Nationalrätin Martina Diesner-Wais: „Kultur ist Nahrung für die Seele. Heuer passiert zwar alles mit Abstand, aber es findet statt und bietet Künstlern die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Und dafür sei Allegro Vivo gedankt.“

Das Konzert war ein voller Erfolg (mehr im Landesteil auf den Kulturseiten), tosender Applaus für die virtuosen Solisten Vahid Khadem-Missagh (Violine) und Roland Batik (Klavier) sowie die konge niniale Academia Allegro Vivo und viele „Bravo-Rufe“ des begeisterten (und sehr disziplinierten) Publikums waren der verdiente Lohn.


Allegro vivo: Wie geht's weiter?

Kurz nach dem glanzvollen Auftakt eröffnet Allegro Vivo am Mittwoch, 12. August, 19.30 Uhr, im Stift Altenburg, dem Herzstück des internationalen Festivals, der Jahresregent Ludwig van Beethoven den Abend in der Stiftsbibliothek. Seine dritte Sonate für Klavier und Violine wird von Christopher Hinterhuber und Sophia Jaffé interpretiert – gleich darauf folgt das samtig-weiche Violoncello in den Händen von Wen-Sinn Yang mit virtuoser Musik des Franzosen Camille Saint-Saëns. Zum Abschluss formieren sich alle Musikerpersönlichkeiten zum Ensemble, um den Abend voller kammermusikalischer Kostbarkeiten quasi „à la Française“ mit Gabriel Faurés zweitem Klavierquartett ausklingen zu lassen.

Weitere Konzerte im Arkadenhof des Kunsthauses Horn (bei Regenwetter im Vereinshaus) folgen am Donnerstag und Freitag um 19.30 Uhr, am 15. 8. ist dort der „Russian Gentlemen Club“ um 20.30 Uhr zu hören, am Mittwoch, 19. 8., 19.30 Uhr im Stift Altenburg gibt es Beethovens Klavier-Sonate c-Moll und Ernö von Dohnányis Sextett für Krarinette, Horn, Violine, Viola, Cello und Klavier.