Stephan Rabl: „Welcome to America“ in Horn. Redaktionsleiter Thomas Weikertschläger sprach mit Stephan Rabl über Utopien, gemeinsames Atmen und das „amerikanische Horn“.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 06. Juni 2019 (04:00)
Kalchhauser
Stephan Rabl heißt die Festival-Gäste im „amerikanischen Horn“ willkommen.

NÖN: Das Festival Szene Waldviertel begibt sich heuer auf eine Art Zeitreise. Wie ist dieser Schwerpunkt entstanden?

Stephan Rabl: Wir greifen 50 Jahre Woodstock und 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs auf, die Burg Raabs als einer unserer Spielplätze bietet alleine schon eine Reise durch viele Epochen. Ausschlaggebend war dann aber, dass ich die Gruppe „architects of air“ entdeckt habe, die in Gmünd eine ganz besondere Produktion liefern wird.

Was ist so besonders an dieser Produktion?

Rabl: Gmünd ist mit seiner speziellen Geschichte und der Teilung in Altstadt, Neustadt und eske Velenice eine besondere Stadt. 30 Jahre nach der Grenzöffnung wird hier in einem Luminarium – in aufblasbaren Pavillons – genau in der Mitte der drei Teile, in der Bleyleben, eine künstlerische Stadtutopie entstehen, in der sich Bewohner aus Österreich und Tschechien begegnen, sich erfahren und eine Zukunft in 30 Jahren denken können. Dass Utopien manchmal später wahr werden können, zeigt die aktuelle Entwicklung mit der gemeinsamen Gesundheitseinrichtung, die in Gmünd entsteht – etwas, das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Kommen wir zur Eröffnung in Horn, die unter dem Motto „Welcome to America“ steht. Was ist an Horn so amerikanisch?

Rabl: Die Eröffnung am 14. Juni geht im neuen Campus über die Bühne. Der ist für mich sehr amerikanisch. Das Gefühl in der Sky Lounge mit dem Blick auf die Horner Skyline – das gibt es sonst im Waldviertel, in dem es vor altehrwürdigen Gebäuden wie Burgen und Schlössern wimmelt, nicht. Außerdem setzt Horn Impulse auf so vielen Gebieten – wie eine amerikanische Stadt: Sport, Kultur, Bildung, Wirtschaft oder das einzige echte Einkaufszentrum im Waldviertel. Für mich ist Horn nicht nur die amerikanischste, sondern auch die urbanste Stadt im Waldviertel.

Wie äußert sich das „urbane“ an Horn?

Rabl: Die Horner sind – anders als etwa die Leute in Waidhofen oder Gmünd – vielmehr nach Wien und Krems orientiert. Dieses amerikanisch-urbane Gefühl wollen wir auch bei der Eröffnung zum Ausdruck bringen.

Weikertschläger
Philipp Hochmair überzeugte im Vorjahr mit „Werther“. Heuer bringt er ein Experiment mit Balladen und Gedichten Friedrich Schillers.

Bei dieser Eröffnung sind Stars wie Philipp Hochmair, Dorretta Carter oder Jelena Popržan dabei. Wie gelingt es, solche Leute ins Waldviertel zu holen – und wie denken sie über das Waldviertel?

Rabl: Persönliche Bekanntschaften machen es schon viel leichter, solche Künstler zu uns zu holen. Es gelingt aber auch, weil diese Leute gerne abseits der herkömmlichen Spielstätten – im Fall Hochmairs das Burgtheater oder die Salzburger Festspiele – spielen wollen. Durch die Nähe zum Publikum, die bei unserem Festival gegeben ist, entsteht auch für sie ein ganz besonders intensives Erlebnis. Es ergibt sich für die Künstler eine ganz andere Form der Kommunikation mit den Gästen – es ist wie ein gemeinsames Atmen der Künstler mit dem Publikum.

Sie wollen auch Kinder die Luft der Kunst atmen lassen. Was wartet in der Stadt der Kinder auf junge Gäste?

Rabl: Hier ist uns wichtig, dass der heranwachsende Mensch im Mittelpunkt steht. Natürlich sollen die Vorführungen in erster Line an die Kinder gerichtet sein. Unser Ziel ist es aber, dass die Kinder die Kunst nicht nur als auf sie gerichtet empfinden. Sie sollen merken, dass Kunst nicht nur sie verändert, sondern auch Einfluss auf ihre Eltern oder Großeltern – und auf ihre gesamte Umwelt hat. Ich bin in einem Haushalt mit drei Generationen aufgewachsen. Damals gab es Leben auf jedem Dorfplatz. Heute geht das Gemeinsame leider verloren. Nur ein Beispiel: In Raabs etwa hoffen wir, dass Eltern und Großeltern gemeinsam mit den Kindern bei den Erzählfesten durch die Burg wandern. Wir wollen zeigen, dass es in der Gesellschaft nicht ums Separieren, sondern ums Integrieren geht. Auch was das Thema Generationen betrifft. Die kulturelle Teilhabe der Kinder ist uns enorm wichtig.

Als Spielstätten sind heuer auch die Ruine Dobra oder Schloss Waldreichs dabei. Was erwartet die Gäste dort?

Rabl: Beide Spielstätten sind ideale Plätze für kleinere Formate wie das Sommerfest für Kinder und ihre Begleiter, bei dem Künstler aus Afrika Tanz, Gesang und Feststimmung mitbringen, oder das Stationentheater Don Quijote.

Den großen Abschluss gibt es dann am 14. Juli bei „Rock am Schrott“ mit „50 Jahre Woodstock“ in Irnfritz ...

Rabl: ... dabei werden heimische Künstler die Größen von damals – Janis Joplin, Jimi Hendrix, Joe Cocker oder Santana – wieder aufleben lassen. Woodstock hat die in dieser Breite erste Jugendbewegung in künstlerischer Form losgetreten. Das war ein weltweiter Impuls, daher wollten wir das heuer – 50 Jahre danach – gemeinsam mit der Firma Stark aufgreifen.