Der Horner Nikolaus kommt 2020 digital. In St. Bernhard-Frauenhofen setzt Nikolaus auf persönliche Videos. In Sigmundsherberg gibt es „Lieferservice“.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 02. Dezember 2020 (05:27)
Im Vorjahr besuchte der Nikolaus auch die Kinder in der Mittelschule Gars.
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Viel Verunsicherung herrschte in der letzten Woche zum Thema Nikolaus in Coronazeiten. Eigentlich fällt der 6. Dezember noch in den Lockdown und Abstand halten lässt sich zudem nur schwer mit dem Gedanken des Brauches vereinbaren. Die Entscheidung wurde aber zugunsten des Nikolauses getroffen.

Hausbesuche sind erlaubt, doch auch nur stark eingeschränkt. Bis zur Haustür darf der Nikolaus kommen. Dann ist aber Endstation. Manche Nikoläuse nehmen den Kompromiss in Kauf, andere bleiben dabei, und sagen ihre Auftritte für heuer ab.

Kein Nikolausbesuch in den Kindergärten

Auch Othmar Schürz gehört zur letzteren Gruppe. Seit 1983 ist er als Nikolaus unterwegs. Letztes Jahr schlüpfte er in Mold, Meiseldorf, Sigmundsherberg und Walkenstein in die Rolle. Allerdings standen bei ihm nie Hausbesuche auf dem Programm. Er war vor allem in den Kindergärten und Pfarren der Ortschaften unterwegs. Darauf muss heuer garantiert verzichtet werden.

„Ich habe schon mit den Kindergärten geredet und es geht heuer einfach nicht. Abstand halten ist beim Nikolausbesuch unmöglich“, erklärt Schürz. Es bleibt also ein Jahr des Verzichtens, auch für die Kinder.

Die Entscheidung, den Nikolausbesuch zu erlauben überraschte ihn. „Ich hätte es nicht geglaubt, aber da ich ja eh keine Hausbesuche mache, betrifft es mich nicht.“ Abgehen wird ihm die Tradition jetzt natürlich schon. „Wenn man einmal in die Rolle geschlüpft ist, lebt man den Nikolaus“, sagt Schürz. Der Bart ist bei ihm echt und wird vom Sommer an gehegt und gepflegt.

Freude bereiten ist Lohn genug

Am meisten Freude bereiten ihm die strahlenden Kinderaugen, wenn er durch die Tür kommt. „Die Kinder geben mir so viel zurück“, schildert er. Zusätzlich motiviert ihn die Aufrechterhaltung der Nikolaustradition, mit der er auch das Interesse der Kinder am christlichen Glauben wecken möchte. „Es geht wirklich nur darum, Freude zu bereiten, und das ist schon Lohn genug“, sagt Schürz, der seit jeher unentgeltlich in das Kostüm schlüpft.

Dabei war der Nikolaus für ihn auch immer eine große Herausforderung, besonders als er noch berufstätig war. Damals brauchte er noch fast eine Woche Urlaub, um den Nikolaus-pflichten nachkommen zu können. Jetzt in der Pension kann Schürz entspannter an die Sache herangehen.

Blindes Kind als Gänsehaut-Erlebnis

Ein ganz besonderes Schlüsselerlebnis hatte er bei einem Nikolaustreffen in einem Horner Konsum-Markt.

„Ich habe gerade Geschenke verteilt. Da zupft mich plötzlich ein Kind am Ärmel und fragt, ob es meinen Bart angreifen darf“, erzählt Schürz. Es stellte sich heraus, dass das Kind erblindet war.

Er bejahte und ließ es mit der Hand durch den Bart und über die Mithra fahren. „Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

Auch kein Nikolaus in Horn

Der traditionsreiche Nikolausbesuch am Horner Hauptplatz fällt heuer Corona zum Opfer. Auch eine Alternativlösung gäbe es für die Organisatoren von der FPÖ nicht.

„Wir werden mit der Tradition ein Jahr aussetzen. Es macht gerade keinen Sinn“, meint der Horner FPÖ-Chef Klemens Kofler. Bei Nikolaus würde es ja ums Zusammenkommen gehen, ein Widerspruch zu allem, was gerade wichtig ist.

Ein Nikolaus per Videobotschaft

Ein Alternative gibt es in der Gemeinde St. Bernhard-Frauenhofen. Hier geht man neue Wege und lässt den Nikolausbesuch heuer online stattfinden. „Wir hätten sehr viel geplant gehabt. Der Nikolaus wäre normalerweise wieder von Haus zu Haus gegangen und auch eine Runde im Gemeinschaftshaus hätte es gegeben“, erzählt Bürgermeisterin Gabriele Kernstock.

Nachdem das verboten wurde, suchte man nach einer Lösung, damit der Nikolaus nicht ganz ausfallen muss. „Wir haben geschaut, was man machen darf. Die digitale Variante war am Ende die beste“, sagt die Gemeindechefin. Auch wenn mittlerweile Klarheit bei den Hausbesuchen herrscht, St. Bernhard-Frauenhofen bleibt auf dem eingeschlagenen Weg.

Ein persönliches Video für jedes Kind

Der Ablauf ist eigentlich recht simpel: Die Eltern melden das Kind mit Namen, Alter und einem Wunschtext an.

Pünktlich zum Nikolausabend wird dann ein personalisiertes Video vom Nikolaus zugeschickt. Das Kind sieht sich das Video an, und währendessen können die Eltern das Sackerl vor die Tür stellen.

Ein nicht unerheblicher Aufwand

„Bisher ist es richtig gut angekommen. Wir haben schon viel Feedback von Eltern erhalten“, berichtet die Bürgermeisterin. Am Ende dürfte die neue Methode sogar aufwendiger sein als der klassische Nikolausbesuch.

„Es kommt natürlich auf die Menge der Anmeldungen an, wie viele Videos wir letztendlich drehen müssen. Schlimmstenfalls könnten wir zwei Tage für die Aufnahmen brauchen“, sagt Kernstock. Das wäre das Risiko, falls mehr Anmeldungen als erwartet eintreffen.

Ein Nein zum Verzichten

„Mir geht es mit der Aktion vor allem darum, aktiv zu sein und etwas zu machen. Wir wollen nicht wieder etwas ausfallen lassen und haben da jetzt einen ganz guten Weg gefunden“, meint die Bürgermeisterin. Nachdem sie selbst ein 4-jähriges Kind hat, könnte sie sich ein Jahr ohne Nikolaus kaum vorstellen.

Lieferservice in Sigmundsherberg

In Sigmundsherberg wird ein „Nikolaus-Lieferservice“ geboten. Kinder können ein Bild malen, Namen und Adresse vermerken, per Mail an die Gemeinde senden oder bis 2. Dezember in den Gemeindeamts- Briefkasten schmeißen. „Dann bringt der Nikolaus am 6. Dezember Überraschungen“, so Bürgermeister Franz Göd.

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