Mikro als Waffe: „Werden uns rächen“. Unterhaltungsmusiker Martin Zekar und Martin Ruthner fühlen sich von Regierung im Stich gelassen. Derzeit kämpfen sie ums Überleben.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 03. Juni 2020 (05:11)
Gemeinsam mit Bert Haslinger, der auch in der W.A. Mozartmusikschule Horn unterrichtet, arbeiten Martin Zekar und Martin Ruthner an ihrem neuen Album.
Die Martins

„Wir haben eine Waffe – und das ist das Mikrofon. Und damit werden wir uns rächen“ – die beiden Horner Unterhaltungsmusiker Martin Zekar und Martin Ruthner, die nicht nur in verschiedenen Formationen auf Hochzeiten, Bällen und anderen Veranstaltungen für Musik sorgen, sondern in der Wiener Straße in Horn auch ein Tonstudio betreiben, fühlen sich in der aktuellen Coronakrise von der Politik im Stich gelassen. Als Berufsmusiker in der Unterhaltungsbranche habe man es immer schwer, ernst genommen zu werden, aber: „Derzeit haben wir das Gefühl, die Politik will uns ruinieren.“

Üblicherweise startet für die beiden Musiker im Mai die „Hoch-Saison“ für ihre Auftritte. Mehrere Gigs pro Wochenende stehen ins Haus, heuer sind lediglich zwei Gigs für August noch nicht abgesagt. Die Einnahmen aus den Auftritten fehlen. Auch wenn Kredite und Leasing-Raten gestundet sind: „Irgendwann müssen wir die trotzdem zurückzahlen. Aber womit?“, fragt sich Zekar. Wenn nicht ab und zu Aufträge für die Aufnahme von Radio-Werbespots eintrudeln würden, gebe es derzeit keine Einnahmen. Wenn sie nicht mit ihrem Privatvermögen haften würden, hätten sie ihre gemeinsame Firma schon in Konkurs schicken müssen.

 „Derzeit haben wir das Gefühl, die Politik will unsere Branche ruinieren.“ Martin Zekar und Martin Ruthner fühlen sich in der Coronakrise im Stich gelassen

 Geld, das versprochen wurde, haben sie bis heute nicht bekommen: „Und das, obwohl wir alle erforderlichen Unterlagen – etwa Verträge von Veranstaltungen, die dann ausgefallen sind – eingereicht haben“, ärgert sich Zekar. Auch den Härtefonds sehen die beiden kritisch, weil März und April – zwei in der Unterhaltungsmusik-Branche traditionell schwache Monate – als Vergleichswerte für die Berechnung der Hilfe herangezogen werden. „Da ist die Differenz zum Vorjahr natürlich nicht so groß wie im Juni oder Juli“, meinte Ruthner.

Die Tatsache, dass zuletzt abgesagte Gigs – etwa auf Hochzeiten – aufgrund der neuen Regelungen ja nachgeholt werden können, sehen Zekar und Ruthner nur als Ausrede, den Unterhaltungsbands nicht mehr unter die Arme greifen zu müssen, denn: „An dem Termin, an dem die Hochzeiten jetzt nachgeholt werden, hätten wir ja normalerweise einen weiteren Gig annehmen können. Unter dem Strich verlieren wir also so und so einen.“ Pönalen wollen sie ihren Auftraggebern aber auch nicht verrechnen, denn: „Dann engagieren sie dich in Zukunft nie wieder.“

Sauer sind Zekar und Ruthner aber nicht nur auf Regierung und AKM – „auch da spießt es sich seit geraumer Zeit mit den Auszahlungen“ – , sondern auch auf Kollegen, die in der Coronakrise kostenlos Online-Auftritte spielten. Damit sende man ein falsches Zeichen: „Wenn du deine Musik herschenkst, dann tun wir selbst so, als wäre sie nichts wert“, ärgern sie sich. Auch die Tatsache, dass einige Künstler jetzt Online-Portalen etwas zahlen, um dort auftreten zu können, sei ein schlechtes Signal für die Branche.

Neues Album schon in der Warteschleife

Dennoch bleiben Zekar und Ruthner optimistisch, dass sie nach der Coronakrise wieder durchstarten werden, auch „wenn wir die ersten waren, die nicht mehr arbeiten durften und jetzt die letzten sind, die wieder arbeiten dürfen“. Außerdem ist das zweite Album der Band „Die Martins“ kurz vor der Finalisierung, auch am dritten Album wird bereits gearbeitet.

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