Bezirk Horn: „Viele haben Daheim- sein satt“. Horner Reisebüros spüren „Licht am Ende des Tunnels“ – & orten wegen Tests und „grünem Pass“ viele Unsicherheiten.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:46)

Es gibt eine Branche, die hat es gerade besonders schwer. Dass der Tourismus am härtesten von der Corona-Krise getroffen wurde, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Für den heimischen Tourismus war das Vorjahr dank einem unerwartet guten Sommer dann doch nicht ganz so katastrophal, wie befürchtet. Mancherorts sprach man von einem regelrechten Boom beim „Urlaub daheim“.

Sehnsucht nach dem Meer

Ein schwacher Trost für die Reisebüros, bei denen hauptsächlich internationale Reisen im Fokus stehen. Seit mehr als einem Jahr sind Buchungen hier Mangelware. In der aktuellen Situation ist das verständlich. So langsam kommt das Licht am Ende des Tunnels aber zumindest in Sichtweite, wie auch die Horner Reisebüros bestätigen. „Viele Menschen wollen weg, haben das ewige daheim herumsitzen satt oder wollen einfach wieder ans Meer“, erzählt Sabine Holzapfel-Friedrich vom Horner ÖAMTC-Reisebüro. Das Buchungsverhalten an sich sei zwar noch verhalten, doch ein leichter Aufwärtstrend sei nach langer Zeit wieder zu spüren.

Viele Fragen ungeklärt

Die aktuelle Vorsicht ist laut Holzapfel-Friedrich mit den vielen Unklarheiten rund um das Reisen verbunden. „Viele fragen sich noch, wie das dann mit dem grünen Pass funktionieren wird und wann und wo dieser überhaupt kommt“, erzählt die Reisebüro-Leiterin. Hinzukommend würden die Ein- und Ausreisebestimmungen zahlreicher Länder abschrecken. So sei bei der Einreise in viele Destinationen aktuell ein negativer PCR-Test Vorschrift, auch bei der Rückkehr von diversen Ländern nach Österreich gelten oftmals Quarantänebestimmungen. „Das kann sich aber natürlich noch alles bis zum Sommer ändern“, meint Holzapfel-Friedrich. Mehr Klarheit bei diesen Fragen brauche es seitens der Regierung aber jetzt schon.

Anders als im Vorjahr

Nach der Zeit im Lockdown ist das ÖAMTC-Reisebüro seit dem 3. Mai wieder für persönlichen Kundenverkehr geöffnet. Im Vergleich zur selben Zeit im Vorjahr ist die Situation aber eine andere. „Letztes Jahr mussten wir alle Buchungen rückabwickeln. Neue Buchungen gab es da gar keine. Heuer merkt man schon das grundsätzliche Interesse“, berichtet die Reisebüro-Leiterin. Vor allem Griechenland würde sich wie letztes Jahr für Reisen anbieten. Auch die Nachfrage nach Flusskreuzfahrten bestehe, allerdings erst für Herbst. „Mit den Kreuzfahrten ist es nicht so einfach, weil man ja oft gleich mehrere Länder bereist und überall andere Bestimmungen gelten“, sagt Holzapfel-Friedrich.

Risiko bei individuellen Buchungen

Empfohlen seien dabei ganz klar Pauschalreisen. Individuelle Buchungen würden doch mit einem höheren Risiko behaftet sein. „Man braucht nur den Flug bei einer Fluglinie, das Hotel bei einem Veranstalter und den Transport bei einem Taxiunternehmen buchen. Schon hat man drei verschiedene Dienstleister mit drei verschiedenen Ausstiegsszenarien und Stornobedingungen“, erzählt Holzapfel-Friedrich. Auch wenn Pauschalreisen am Ende etwas teurer kommen würden, sei man im Ernstfall doch auf der sicheren Seite.

Wenn, dann kurzfristig

Dass das Reisegeschäft im Sommer wieder anzieht, glaubt Holzapfel-Friedrich schon. „Ich denke, dass viel kurzfristig gebucht wird. Der Reiseverkehr steht und fällt aber mit den Impfungen. Es wird sicher besser als letztes Jahr, aber an ein normales Reisejahr ist natürlich nicht zu denken.“

Mehr Freiheiten = mehr Reisen

Recht ähnlich geht es aktuell Iris Mairhofer vom Horner RUEFA-Reisebüro. „Wir haben Anfragen, aber viele davon sind erst für 2022“, berichtet sie. Die letztendlichen Buchungen seien aber auch noch verhalten. „Momentan warten eben alle noch auf die Impfung und weitere Öffnungen. Sobald die Menschen sehen, dass sie sich wieder frei bewegen können, werden auch die Reiseaktivitäten wieder zunehmen“, meint Mairhofer.

Zuerst muss die Quarantäne fallen

Nachgefragt werden im Moment zum einen Österreich als auch Griechenland, Spanien und Italien. Eines der wichtigsten Kriterien seien die Quarantänebestimmungen, die nach wie vor auch in Österreich gelten. „Wer kann sich schon die zehn Tage extra Urlaub hintendran nehmen. Diese Regelung muss unbedingt fallen“, sagt Mairhofer. Beim Buchen müsse man heuer zudem besonders auf eine gute Absicherung achten. „Kurzfristige Stornierbarkeit und Reiseversicherungen sind das um und auf“, meint Mairhofer. Seit die Buchungskurve wieder nach oben zeigt, ist man im Reisebüro positiv gestimmt. „Es wird im Sommer garantiert bergauf gehen. Wir merken, dass wir endlich wieder etwas zu tun haben.“

Linienbusse als letztes Standbein

Etwas anders ist die Situation beim Waldviertler Reise-Platzhirsch Frank-Reisen. Mit den eigenen Bussen inklusive Linienverkehr bleibt Geschäftsführer Christoph Wurz ein weiteres Standbein neben den Fernreisen. „Wir haben die Situation soweit im Griff und bereiten uns gewissenhaft vor, sollten bald auch die touristischen Busse wieder fahren dürfen“, schildert er. Zugegebenermaßen sei die aktuelle Lage aber ungewiss.

Warten auf Erlaubnis

Im Vorjahr hatte man im Sommer zumindest eine geringe Reisetätigkeit. Für heuer könne man aber unmöglich Prognosen abgeben. „Wir wollen gerne starten, wenn der grüne Pass da ist und es die rechtlichen Grundlagen zulassen. Zuerst brauchen wir aber natürlich die Erlaubnis, überhaupt fahren zu dürfen“, schildert Wurz. Wenn die dann aber mal komme, stehe man schon in den Startlöchern. Ein neuer Katalog ist in Vorbereitung. Der soll aber erst erscheinen, wenn die Reisen auch wieder wirklich fix stattfinden können.

Finanziell abgesichert

Trotzdem gibt es auch jetzt schon immer wieder Buchungen. „Im Vergleich zu vor Corona ist das nichts“, meint Wurz. Finanziell stehe man trotz der Umstände noch gut da. Zum einen hilft der bereits erwähnte Linienverkehr. Auch Regierungshilfen kamen an. „Dafür sind wir sehr dankbar. Das hat uns wirklich gutgetan.“

Im Vorjahr hat das Unternehmen zudem einen Überbrückungskredit aufgenommen. Finanziell müsse man sich aktuell keine Sorgen machen.

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