Mobbing in der Drosendorfer Volksschule?. Gemeinderat Deyssig macht Direktorin & Gemeindeführung für Versetzung verantwortlich – die weisen Vorwürfe gelassen zurück.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Februar 2019 (06:03)
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Roman Deyssig.

Auch wenn sich der Vorfall schon im vergangenen Schuljahr ereignete: Jetzt will der Drosendorfer Gemeinderat Roman Deyssig (Frische Liste) den Fall öffentlich machen, weil: „Die Bevölkerung hat ein Anrecht zu erfahren, warum eine beliebte Lehrerin, die in Drosendorf lebt und auch ihr Geld ausgibt, hier nicht mehr erwünscht ist“, sagt Deyssig.

Konkret wirft Deyssig Volksschuldirektorin Beatrix Hengstberger Mobbing gegen eine Lehrerin vor. Diese in Drosendorf als „freundlich, korrekt und gerecht“ bekannte Lehrerin – die einzige aus Drosendorf, die in der Schule unterrichtete – habe sich durch besonderes Engagement gerade am musikalischen Sektor hervorgetan, was sie bei vielen Schülern und Eltern sehr beliebt gemacht habe. So habe sie 2017 etwa ein Musical mit den Schülern einstudiert. „Ich glaube nicht, dass es viele Pädagoginnen gibt, die das zustande gebracht hätten“, so Deyssig.

Direktorin: „Vorwürfe ernst genommen“

Als „Dank“ für ihr Engagement sei die Lehrerin von Hengstberger bei der Aufführung selbst nicht einmal erwähnt worden, auch bei Berichten über die Gestaltung des Thomasmarktes, die den Lokalmedien und der Gemeindezeitung zugeschickt wurden, sei sie nicht erwähnt worden, wirft Deyssig Hengstberger vor. Zudem habe die Direktorin die Lehrveranstaltung „Musikalisches Gestalten“ einfach gestrichen und sei – auch vor Schülern – laut gegen die Lehrerin geworden.

Martin Kalchhauser
Beatrix Hengstberger.

Gelassen reagiert Hengstberger auf die Vorwürfe. Die unverbindliche Übung sei über viele Jahre angeboten worden. Da es aber im Frühjahr des Vorjahres im Zuge einer Kooperation mit der Musikschule Thayatal zur Gründung einer Bläserklasse gekommen sei, habe es kein Geld mehr dafür gegeben. „Die Ressourcen diesbezüglich sind von Seiten des Landesschulrates begrenzt“, erklärt Hengstberger. Die Finanzierung der Übung sei sich „einfach nicht mehr ausgegangen. Das hatte keine persönlichen Gründe.“

Dass es in der Diskussion mit der Lehrerin „laut“ geworden sei, streitet Hengstberger nicht ab. Aber: „Das ging von ihrer Seite aus.“ Nach dem Eingreifen durch die Schulaufsicht, in der auch die anderen Kolleginnen der Schule befragt wurden, wurde eine Versetzung der Lehrerin als beste Lösung des Problems angesehen.

Man habe die Mobbing-Vorwürfe nicht heruntergespielt, sondern ernst genommen: „Aber sie haben sich nicht bewahrheitet, sonst hätte es Konsequenzen gegeben“, stellt Hengstberger fest. Sie habe auch immer kommuniziert, dass die Lehrerin pädagogisch wertvolle Arbeit geleistet habe. Dass auch nach ihrem Aus in Drosendorf gute musikalische Arbeit geleistet werde, habe etwa die Teilnahme der Schüler im Rahmen des Ö3-Weihnachtswunders in St. Pölten im Dezember gezeigt.

„Wollte Aussprache arrangieren“

Auch die Gemeindeführung sei nicht interessiert gewesen, sich für die Lehrerin einzusetzen, kritisiert Deyssig weiter. Auf NÖN-Nachfrage dementierte Bürgermeister Josef Spiegl (ÖVP), „Mobbing“ gegen die Lehrerin betrieben zu haben.

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Bürgermeister Josef Spiegl.

Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, darauf zu schauen, dass es zwischenmenschlich zwischen den Lehrkräften in der Schule passe. Er sei auch nicht dafür verantwortlich, wer bei einer Schulveranstaltung einen Blumenstrauß bekomme oder nicht, sagt Spiegl.

Er habe versucht, Aussprachen zwischen Lehrerin und Direktorin zu arrangieren, bei der Gemeinderäte anderer Parteien als Mediatoren dabei sein hätten sollen. Dazu sei es aber nie gekommen. „Was bringt es mir, wenn ich jemanden aus Drosendorf wegscheuche?“, meint der Gemeindechef.

Die Lehrerin selbst wollte in der NÖN zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben.