Land erlaubt Reduktion: „Fischotter gehört bejagt“. Teichwirte berichten von hohen Ausfällen und wollen, dass das Kulturgut bewahrt bleibt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 04. Dezember 2019 (03:35)
Fischotter
shutterstock.com/Ondrej Chvatal

Putzig sieht er aus, der Fischotter. Er fühlt sich gerade im Waldviertel wohl, wo die Teichlandschaft wie ein gedeckter Tisch für ihn ist. Das zieht ihn an, wie 2018 eine Studie für die NÖ Landesregierung ergab. Diese hat nun eine Verordnung zur Reduktion der Population genehmigt. Der WWF fordert vehement die Rücknahme des Beschlusses. Das verstehen Teichwirte wiederum nicht.

Fischproduzenten sprechen nach einer Umfrage von einer durchschnittlichen Verlustrate von 30 Prozent pro Jahr. Die Zahl nennt Leo Kirchmaier, Geschäftsführer des NÖ Teichwirteverbandes. „Das hört sich zunächst nicht krass an, aber welche Branche kann schon jährliche Einkommensverluste von 30 Prozent verkraften?“

 „Man schaut zu viel auf eine einzige Tierart. Man muss den gesamtheitlichen Blick bewahren.“ Leo Kirchmaier aus Litschau vertritt die Teichwirte

 Noch dazu, wenn das Tier seit über 30 Jahren Probleme mache. Seine Anwesenheit könne sich zudem punktuell dramatisch zuspitzen: Die möglichen Ausfallsraten bewegen sich in kleinen Teichen bei 80 bis 100 Prozent. „Verkraftbar sind drei bis fünf Prozent bei der Speisefischproduktion“, erklärt der Litschauer (Bezirk Gmünd).

Nicht nur Hunger des Otters fällt ins Gewicht

Markus Philipp: Der Fischotter hat seine Berechtigung, darf nicht überhandnehmen.
NOEN

„Ich bin dafür, dass der Fischotter bei uns heimisch ist“, schickt Markus Philipp, der für die Teichwirtschaft im Stift Geras (Bezirk Horn) zuständig ist, voraus. „Aber er gehört mit legalen Mitteln bejagt.“ Nicht nur sein Hunger richtet Schaden an: Taucht der Otter in eine Gruppe von Karpfen, die sich gerade in Winterstarre befinden, falle das eine gefangene Tier nicht ins Gewicht. „Der Fischotter zerstört dann viel mehr“, denkt er daran, dass die anderen Fische auftauchen und damit viel Energie verbrauchen.

Herbert Schmid: „Wir sind kein Fischzuchtbetrieb, der davon leben muss.“
NOEN

Herbert Schmid, Forstdirektor im Stift Altenburg (Bezirk Horn), hat einen anderen Zugang: „Wir sind sehr an einer Biodiversität interessiert, bei uns hat der Fischotter oder der Biber Platz.“ Aber: „Wir sind kein Fischzuchtbetrieb, der davon leben muss“, betrachtet er die Situation sehr wohl differenziert.

Flusswirt Wilfried Brocks in Zwettl begrüßt die Regulation, denn der Fischbestand leide unter der steigenden Otter-Zahl. „Einzelne Populationen dürfen nicht einem Wildwuchs unterliegen. Jedes Lebewesen soll im Waldviertel das Recht auf ein Leben haben“, betont er.

Er selbst profitiere nur sekundär von der Fischotter-Regulation. Der Nicht-Jäger darf keinen Zaun installieren, das Aufstellen von Fallen sei kein Thema. Den Kamp nutzt er auf einer Länge von zwölf Kilometern privat. „Ich bin dem Fischotter mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert“, sieht er einen „massiven Rückgang unseres angestammten Fischbestandes“. Bachforelle und Äsche seien sehr gefährdet.

Leo Kirchmaier: „Welche Branche kann Einkommensverluste von 30 Prozent verkraften?“
NOEN

Kirchmaier ergänzt, dass gerade im Winter der „Otter-Druck“ bei Fließgewässern steigt, weil Teiche abgefischt sind. „Dazu kämpfen wir mit höheren Temperaturen im Sommer, weniger Bewaldung und damit weniger Beschattung und weniger Wasser“, ergänzt Brocks weitere Problematiken. „Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, dass wir im Waldviertel eine Naturlandschaft haben, wo sich alles selbst regelt“, sei Österreich nicht mit Kanada vergleichbar.

„Es wird immer ärger, die Schäden sind nicht mehr haltbar und tragbar“, beschreibt Teichwirt Thomas Kainz aus Waidhofen die Fischotter-Situation. „Das ist lächerlich, was die Verordnung erlaubt, ein Tropfen auf dem heißen Stein“, versteht er den WWF-Aufschrei nicht, „wenn man die paar Fischotter reduziert“. Auch, weil das Waldviertel „die größte Biodiversität“ habe und ein Eingriff in Naturschutzgebieten sowieso verboten ist.

Fischotter-Population „wird nicht gefährdet“

Kirchmaier spricht von einer erlaubten geringfügigen Reduktion: „Eingegriffen wird nur punktuell bei schweren Problemen am Teich und nur an jenen Teichen, die nicht einzäunbar sind.“ Etwa 80 Prozent der Teichfläche, die als landschaftlich und ökologisch besonders wertvoll gelten, sind nicht einzäunbar. Der Eingriff „wird die Fischotter-Population nicht gefährden“, ist er sich sicher. Das wäre allein aufgrund des engen Rechtsrahmens „nicht erlaubt“.