Neue Debatten um Bahn. Proteste von VP-Verkehrssprecher Jürgen Maier, VOR und ÖBB zu Grünen-Vorwurf über FJB-Ausgrenzung des oberen Waldviertels. Tschechien: Flotte Direktzüge.

Von Markus Lohninger, Karin Widhalm und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 10. Dezember 2019 (17:10)
Die Grünen Abgeordneten Martin Litschauer und Silvia Moser protestierten am Bahnhof Schwarzenau gegen das Ende des flotten Sonntagnacht-Zuges von Gmünd nach Wien. Der hielt dort gar nie. ÖVP-Verkehrssprecher Jürgen Maier (kleines Bild) kontert die Kritik.
Die Grünen NÖ

Der NÖN-Vorabbericht über per 15. Dezember geplante Neuerungen auf der Franz-Josefs-Bahn hatte im Oktober für Debatten gesorgt, ein kleines Detail empörte jedoch erst verzögert: Der Sonntagnacht-Sprinter zwischen Gmünd und Wien-FJB (20.51-22.47) ist Geschichte. Weitere Kritikpunkte haben sich aufgestaut …

„Kahlschlag“. Die Grünen-Abgeordneten Martin Litschauer und Silvia Moser taten ihren Unmut über den Wegfall des flotten Pendlerzuges am Bahnhof Schwarzenau kund – wo der gar nicht gehalten hatte. Sie beklagen einen „weiteren Kahlschlag für unsere Wochenendpendler, aber auch für Touristen, die am Sonntag die Heimreise früher antreten müssen.“ Zwischen 1. Mai und 26. Oktober wird eine Spätverbindung mit Abfahrt um 19.55 in České Velenice geführt – ansonsten ist der letzte Zug um 19.12 weg.

Dass zugleich in die Gegenrichtung spätere Nachtzüge von Wien nur bis Sigmundsherberg mit Anschluss Horn geschaffen wurden, werten die Grünen als Signal: Im oberen Waldviertel werde die FJB „demontiert“, die Verbindung nach Horn ausgebaut, der obere FJB-Ast drohe zum Nebenast zu werden.

VP-Maier: „Kompletter Schwachsinn“. „Endstation Horn?“, fragen sie in Richtung des Horner Stadtchefs Jürgen Maier als ÖVP-Verkehrssprecher – und fordern seine Partei auf, dem Waldviertel statt einer Europaspange eine „zukunftsfähige öffentliche Verkehrsanbindung“ und ein 365-Euro-Öffiticket zu geben.

MK, TW, privat

Maier sieht im Vorwurf, Horn zur „Endstation“ machen zu wollen, „kompletten Schwachsinn“ und den Versuch, ihn vor der Gemeinderatswahl anzupatzen. Die Schaffung des späteren Nachtzugs bis Sigmundsherberg sei gut für Horn, aber keine Verschlechterung für den Rest des Waldviertels. Im Gegenteil: Auf großen Kundenwunsch sei eine zusätzliche Verbindung um 18 Uhr eingerichtet worden. Als Obmann des Regionalverbandes setze er sich für das gesamte Waldviertel ein. Das verlangt er auch von den Grünen: „Und da bringt es gar nichts, einzelne Bezirke gegeneinander ausspielen zu wollen.“ In der Vergangenheit seien etwa die Halte in Meiseldorf oder Straning im Bezirk Horn für Halte im oberen Waldviertel aufgegeben worden.

FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl sieht das Waldviertel indes seitens der ÖBB „schon länger stiefmütterlich behandelt“, da sei noch „viel Luft nach oben. Eine Aufwertung ist de facto noch nicht erfolgt.“

ÖBB und VOR: Zug „in Lage verändert“. Im Sprech von Verkehrsverbund Ost-Region und ÖBB wurde der Nachtzug gar nicht gestrichen, sondern „in seiner Lage verändert“ – er sei auf vielfachen Wunsch auf 18.02 Uhr verlegt worden, die Nutzung sei wegen der späten Ankunft in Wien überschaubar gewesen.

An Wochenenden und Feiertagen wird ab Gmünd ein Stundentakt eingeführt (Abfahrten 17.08, 18.02, 19.09 Uhr), die 18.02-Verbindung und der Sommerzug um 20.02 Uhr verkehren flott mit wenigen Halten, die anderen bedienen alle Takthalte. Warum nur im Sommer nach 20 Uhr gestartet wird? VOR-Sprecher Georg Huemer: Die Mehrheit der Wochenend-Pendler fahre im Winter mit früheren Zügen, „es gab keinen nennenswerten Bedarf“. Die höhere Frequenz am frühen Abend solle Überlastungen Richtung Wien entgegenwirken.

SP-Wiesinger pflichtet bei. Geringe Nachfrage nach der 20.51-Uhr-Verbindung bestätigt SPÖ-Abgeordneter Josef Wiesinger: „Sie wurde im Winter kaum genutzt – so ehrlich muss man sein.“ Auch für neuen Nachtzug nur bis Sigmundsherberg zeigt der ÖBB-Bedienstete einen Grund auf: „Die ÖBB hat in den vergangenen Jahren Personal eingespart. Für diese Züge fehlt im oberen Waldviertel das Personal.“ Er hält es aber für denkbar, dass der Zug eines Tages bis nach Gmünd geführt wird.

Aus der Sicht von Karl Leitner (ÖBB) dürfe der Zug um 22.28 Uhr von Wien-FJB nach Sigmundsherberg wegen betrieblicher Nachtsperre gar nicht bis Gmünd weiterfahren. Zuerst brauche es zudem den Bedarf, so VOR-Sprecher Huemer. Generell sei gerade im Waldviertel das „Öffi-Angebot in den letzten Jahren intensiv und konsequent ausgebaut“ worden, die FJB sei heute ein „modernes, großteils im Takt verkehrendes Top-Angebot, das mit den anderen Verkehrsmitteln der Region gut verknüpft ist“. Von Demontage könne da nicht die Rede sein.

Wien-Berlin direkt? Gerald Hohenbichler („Pro FJB“) liest indes aus einem ORF-Beitrag zur internationalen Bahn-Verflechtung neue Aufmerksamkeit für die Verbindung Wien-Prag-Berlin über Gmünd als kürzeste Strecke heraus. In Südböhmen werde zumindest die Stärkung des Astes unterstützt, sagte Kreisrat Pavel Hroch in Gmünd: Straßen- und Bahnverbindung zwischen den Ländern müssten forciert werden, „wir alle sind bemüht, auch für die Bahnverbindung Wien-Prag die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen“.

„Dornröschenschlaf“ endet. In Tschechien würden ab Sonntag „nach 30 Jahren Dornröschenschlaf“ umstiegsfreie Schnellzüge für Prag-České Velenice (2:50 Std.) und Prag-Třeboň (2:20) bis zu viermal täglich in jede Richtung verkehren, so Hohenbichler. Aber: „Leider enden die Verbesserungen an der Grenze.“ An Österreich sei der 150. Jahrestag der FJB-Verbindung Budweis-Eggenburg „sang- und klanglos“ vorübergegangen – es gebe keine Bestrebungen, schnelle Verbindungen Wien-Gmünd zu schaffen und mit den vier Zugpaaren nach Prag zu koppeln. Gehe das so weiter, könne der Gmünder bald schneller mit der Bahn in Prag als in Wien sein.